DEN MUT SICH FESTZULEGEN

Liebe. Dieses Wort mit dem wir zum Ausdruck bringen, was uns die Hormone zu Beginn glaubhaft schönreden wollen. Später werden wir denken die Liebe kam uns abhanden und nur wenige von uns wissen, sie war da noch gar nicht geboren.

Heute weiß ich längst, Liebe ist nicht Verliebtheit. Liebe wächst an ihren Aufgaben. Sie entsteht da, wo der erste Zauber bricht.

Liebe ist im Prinzip nicht vergänglich, denn wer liebt, kann sich auch in den dunkelsten Stunden wiederfinden. Verliebte schaffen diesen Sprung nur selten. Sie stellen alsbald alles in Frage und fühlen sich wohlmöglich hingezogen zu neuen Herausforderungen. Dabei ist die Liebe eine Herausforderung für die es sich zu warten lohnt.

Wie bei einem Marathon, kochen die Emotionen über, je länger man sich auf der Strecke befinden. Anfangs ist man beflügelt und irgendwann der Sache überdrüssig. Erst nach und nach wächst das Vertrauen in die eigene Energie und Geduld. Am Schluss wartet die Belohnung. Ein gutes Gefühl. Ein Stolz den ganzen Weg bis zum Schluss gegangen zu sein.

Früher bin ich diesen Weg ungern gelaufen. Am Wegesrand standen die Verlockungen wie duftende Blumen. Jede wollte von mir gepflückt werden.

Heute weiß ich, es ist der Weg und die dort gemachten Erfahrungen, die mir mehr Substanz und Persönlichkeit versprechen. Mit jedem Streit, mit jeder Versöhnung, mit jedem Kompromis, jeder Reflexion, lerne und wachse ich. Neue Lieben können mir das nicht bieten, was eine dauerhafte Beziehung zu versprechen vermag.

Eines weiß ich außerdem, ich bin im Stande dies zu erkennen. Damit bin ich meiner Generation voraus. Wir vergessen, was existenziell ist. Vertrauen und Liebe.

DER SCHMERZ ERWACHSEN ZU WERDEN

Als wir Kinder waren, konnten wir es kaum erwarten erwachsen zu sein. Eigene Entscheidungen zu treffen und diese durchzusetzen.

Wir ahnten nicht, dass all der Zauber unserer Kindheit und Jugend nicht nur verblassen, sondern unter einer tonnenschweren Last an Verantwortung und Enttäuschungen begraben würde.

Wir dachten, unsere Kindheit sei der Beginn, aber nicht bloßer Zeitabschnitt und unwiederbringlich. Nur eben so etwas wie ein Leben mit noch zu kurzen Gliedern und einer Stimme die ungehört blieb.

Wir wollten genau das was wir bereits hatten, verpackt in einem anderen Gewand.

Selbstbestimmt, laut, mächtig.

Erwachsen zu werden, tat alsbald weh.

Es war uns nicht möglich die Kinderschuhe mit in die Realität zu tragen. Unsere Träume Wirklichkeit werden zu lassen und all diese Phantasien von einem Leben in Saus und Braus.

Wir lernten Rechnungen zu zahlen, arbeiten zu gehen, wohlmöglich in Jobs die wir hassen.

Wir fanden uns oft genug mit dem bitteren Geschmack der Enttäuschung ab, die einst unser Lebensentwurf war.

Menschen die uns so vertraut waren, wurden zu Schatten und nach und nach begriffen wir die Endlichkeit des Lebens. Die Falten um die Augen waren der Anfang und die Beerdigungen unserer Verwandten und Freunde blieben erhalten bis zum Schluss.

Es ist mühsam sich das Leben in all seiner Komplexität schwer zu reden. Wir genießen, so es uns möglich ist, jeden Moment. Wir schaffen uns neue Werte und besinnen uns auf die alten unserer Kindheit.

Ab und an treffen wir jemanden, der es uns erlaubt Kind zu sein. Sich zu prügeln, zu toben, zu raufen und Süßigkeiten zu essen bis wir darin ersaufen. Über Wunder zu staunen und Nichtigkeiten explodieren zu sehen.

Ab und an begegnen wir jemandem, mit dem das erwachsen werden nicht mehr weh tut.