DA GEHT NICHTS ZWISCHEN UNS

Manchmal trifft man auf einen Menschen, den man vom ersten Moment an gut findet. Beide genießen die ersten Augenblicke in Aufregung. Alles neu und alles besonders.

Wie riecht der andere? Wie sieht er nackt aus? Wie klingt sein Lachen und wie sein Atem in der Nacht?

Je nach Sympathie und Gemeinsamkeiten, wird aus der ersten Verliebtheit mehr. Mehr Nähe. Mehr Zuneigung.

Wir sind inzwischen an einem Punkt, über die erste große Frische und das Unbekannte hinaus. Wissen um die Sorgen des anderen und die Möglichkeit den anderen zum lachen zu bringen. Wir kennen einander besser. Wir erkennen die Gefühle des anderen schneller.

Irgendwann liegt man im Bett, isst gemeinsam Brote, schaut dabei einen ausgewählten Film oder die Lieblingsserie. Ab und an zwinkert man sich zu. Zwickt den anderen in die Seite oder legt selbstverständlich den Kopf auf des anderen Schultern. Einer deckt den anderen zu oder bringt ein Glas Wasser mit. Einfach so. Manchmal gibt es Fragen, manchmal kennt jeder die Antwort. Dieser Punkt des Miteinanders, ist auch der Augenblick, in dem der andere unersetzlich wird.

Hier lässt sich niemand anderes mehr vorstellen. Keine andere Person könnte jetzt besser verstehen, besser reagieren, angenehmer riechen. Nach zu Hause, nach angekommen sein.

Würde ich an diesem Punkt lieber ausgehen und das Abenteuer suchen? Eine fremde Person küssen wollen? Mich von jemand anderem berühren lassen? Mit jemand anderem lauter lachen? Nein.

Und dieses Gefühl hatte ich noch nie.

Da war immer diese andere Person. Die Fiktion einer besseren Option. Jemand der noch näher kommen könnte oder mich besser kennenlernen würde.

Diese Person scheint jetzt hier vollkommen zu reichen. Und das ist mehr als genug. Mehr als jemals zuvor jemand war. Ausreichend.

Zwischen uns passt momentan kein Blatt Papier. Würde mir jemand sagen, ich könnte nochmals neu beginnen, wüsste ich nicht wofür.

Ich hoffe dieses Gefühl noch lange in mir zu tragen.

VERTRAUEN ODER VERTRAUEN SIE NICHT?

Die allgemeine Meinung ist, wer liebt muss auch vertrauen können. Wer nicht vertraut, kann keine Beziehung führen.

Lange habe ich mir Gedanken gemacht, ob ich immer voll und ganz vertraue und wenn nicht, woran oder an wem es scheitert.

Klar, in erster Linie an mir.

Da sind all diese Erfahrungen, verlorenes Urvertrauen in der frühsten Kindheit und Partner die mich immer wieder haben misstrauisch werden lassen. Betrogen hat mich angeblich nie einer und dennoch, es wurden Heimlichkeiten ausgetauscht und mein Vertrauen auf eine harte Probe gestellt.

Doch wie erlangt man Vertrauen? Ich denke mir immer, man muss es sich verdienen und eine kleine Portion Vorschuss sollte gewährt werden.

Lerne ich jemanden kennen, ob im Beruf oder privat, weiß ich noch so gar nichts über das Gegenüber. Wir beginnen neu. Jeder muss sich kennenlernen (dürfen). Und einige Menschen gehen positiv und mit viel Offenheit in diese Beziehungen, während andere sich hineinschleichen und erstmal umsehen wollen.

Es gibt nicht umsonst die berühmte Probezeit. Alles darf beschnuppert werden und wenn es nicht passt, geht man.

In Partnerschaften ist das ganze noch komplexer. Es beginnt bei dem öffnen der Haustür, über das Öffnen der Beine, bishin zu seinem Höhepunkt, des Öffnens des Herzens.

Und während man selten zu hören bekommt „Wir nehmen kein Kondom, ich vertraue ihm/ihr!“, hört man häufig „Ich vertraue ihm/ihr, wir sind einander treu!“.

Wieso aber diese Einfachheit bei so etwas wichtigem wie den eigenen Gefühlen?

Klar, eine Geschlechtskrankheit, im schlimmsten Fall bis zum tödlichen Verlauf, kostet einiges. Der Bruch eines Herzens ist reparabel. Mehr oder minder.

Es gibt immer noch Männer die glauben, wenn die PartnerIn ihnen kein Vertrauen schenkt, hat sie einen Knall und ein Problem sowieso. Da wird sich gewunden und gerechtfertigt, wieso eine Frau ohne Vertrauen eben einfach nicht passt.

Dabei frage ich mich, hat sich der entsprechende Mann mal seinen Lebenslauf durchgelesen? Soundso oft die Ex betrogen, vielleicht noch nie mit einer Frau zusammengelebt, lange Junggeselle und viele Affären usw.

Wer setzt bitte auf so ein Pferd?

Vertrauen ist wichtig und notwendig, um eine Beziehung gut und lange haltbar zu machen. Ohne geht es nicht. Geschenkt sollte es dennoch nicht werden.

Viele Menschen verlieben sich und noch mehr Menschen sehen ihre Partnerschaft schnell wieder enden. Nur die wenigsten Ehen werden heutzutage nicht mehr geschieden und die Gründe sind vielfältig, aber sind wir doch nicht dumm…Betrug spielt eine große Rolle.

Weil aber jeder gerne macht was er will und jeder das Gefühl hat die eigenen Gefühle seien sowieso die wichtigsten, wird aus „Vertrau mir!“, schnell ein „sonst mache ich Schluss!“.

Nicht wenige Partner (häufig Frauen), lesen da dann die E-Mails des anderen und stalken im Netz nach Exfreundinnen. Unsicherheit ist ein Genickbrecher.

Männer die sagen:“Wenn du das tust, trenne ich mich!“,machen es sich sehr leicht. Sie erkennen das Problem nicht und wollen sich dem auch scheinbar nicht stellen. Rücksichtnahme muss nämlich beiderseits erfolgen.

Eine Freundin von mir spioniert ihrem Partner seit Jahren nach. Sollte sie etwas finden, wird sie sich bestätigt fühlen. Sollte sie etwas finden, wird sie in ein Jammertal stürzen. Sie weiß es. Ich weiß es.

Dennoch, ihr Vertrauen ist angekratzt. Wie also damit umgehen?

Ist es ein Privileg oder ist es harte Arbeit zu vertrauen? Bekommt man es geschenkt oder musste man dafür etwas tun?

Ich bin der Meinung, Vertrauen lässt sich nicht einfach nur so dauerhaft auf einen ein. Es ist anfangs als zarte Pflanze zu verstehen, die man mittels Pflege und Geduld aufzieht.

Vertrauen ist wichtig und alles was wichtig ist, muss gut behandelt werden.