WARUM ICH MICH WIRKLICH MEHR ANSTRENGEN MUSS

Vor ein paar Tagen war ich in einer Ausstellung mit dem Titel „Fast Fashion“.

Dieses Thema beschäftigt mich bereits seit Jahren. Mein Umgang als einzelne Person mit Konsum, Mode und Umwelt sowie sozialer Verantwortung und der Umgang aller, also meiner Umwelt und der Gesellschaft in der ich lebe.

Nicht erst seit Greta und fff wissen wir hoffentlich, dass Schnelllebigkeit und Globalisierung eben auch Schattenseiten hat. Dass der Kauf mehrerer kurzlebiger Artikel sich am Ende irgendwo bezahlt macht, vielleicht nur eben nicht in meiner Brieftasche. Und natürlich sind sich auch viele Menschen bewusst, nicht alles was ich will, brauche ich auch.

Dennoch schien mir in den letzten Jahren das Shopping mehr Hobby als Nutzen zu haben. Eine Form der Selbstregulation, um mich zu erheitern, auszugleichen, meine Bedürfnisse die an anderer Stelle zu kurz kamen, zu befriedigen.

Amazon machte dann außerdem noch möglich, schneller und häufiger das Belohnungssystem zu aktivieren. Wieder ein neues Paket, wieder eine Ladung Schrott den keiner braucht, wohlmöglich sogar gratis über SpenderInnen aus dem www.

Ich schämte mich schon auch mal und erwog, wie lange ich es durchhielt frei von Nippes und neuester Mode meinen Alltag zu bestreiten. Fast hundert Tage immerhin. Ich reagierte mich in dieser Zeit anders ab und fand mein Seelenheil beim Kauf eines Lippenstifts oder Hygieneartikels. Ich füllte ganze Listen auf Amazon an und ließ sie ungekauft. Meist gefielen mir die Sachen auch bereits wenige Monate später gar nicht mehr und ich erkannte meinen Irrtum.

Diese Ausstellung jedoch half, mich nochmals zu begreifen, warum es so wie es ist nicht weitergehen kann. Nicht weitergehen wird.

Fabriken die einstürzen sind ja schon Grund genug. Menschen die sterben. Über tausende ArbeiterInnen waren es. Viele davon noch minderjährig.

Oder der Fakt, dass unsere Kleidung und die Produkte aus Übersee tatsächlich manchmal bis zu neun unterschiedliche Länder und Regionen gesehen haben, auch wenn nur eine, nämlich die letzte Station auf dem Etikett vermerkt wurde. Die CO2- Bilanz, eine Katastrophe!

Desweiteren der nicht schön zu redende Anreiz, dass bereits mehrfach der viertgrößte See weltweit ausgetrocknet war, weil die Nutzung für Fabriken der Umgebung, bei der Herstellung von Kleidung nicht unwesentlich ist. Wir sprechen von einer memschengemachten Umweltkatastrophe. Einer Tatsache beruhrend auf der Idee Kleidung zu produzieren. Mehr nicht. Kleidung.

Eine weitere Tatsache: die Menschen, insbesondere die Frauen, werden in diesen Fabriken unwürdig behandelt, geschändet und teilweise getötet. Die Regierung sieht weg, ja boykottiert sogar Streiks und lässt ArbeiterInnen unter unwürdigen Bedingungen für einen Lohn von umgerechnet 13 Cent pro Tag arbeiten. Wir reden von einer Arbeitszeit von fünf Uhr früh bis zweiundzwanzig Uhr abends. Schlaf finden viele Arbeiterinnen und ihre Kinder in Baracken neben der Fabrik. Fensterlose, ungepflegte Räume ohne Betten. Sie lagen aufeinander gestapelt im Raum, erschöpft und hungrig. Sich also rauszureden, wir würden diesen Menschen ja wenigstens Arbeitsplätze ermöglichen, ist blanker Hohn.

Ich sah Bilder von Toten. Sah Bilder von Verschwendung. Bilder von Leid. Frauen die zur Abtreibung gezwungen wurden, wenn die Leiter sie vergewaltigten. Frauen die Verträge abschließen mussten, sich fünf Jahre nicht schwängern zu lassen, damit sie arbeiten konnten. Kinder die nie eine Schule besucht hatten. Familien in vierter Generation im gleichen Betrieb schuften.

Ein Video blieb mir ebenfalls eindrücklich hängen. Unsere Kleidung ist nicht frei von Pestiziden. Alles muss beim Transport gespritzt werden. Selbst Baumwolle ist hochgradig verseucht und Krebs erregend. Aber schlimmer noch, der Umgang mit Tieren. Schafe die bei lebendigem Leib geschändet wurden. Wolle abgezogen, als sei es ein Heftpflaster. Leiber auf Müllhaufen. Tiere gequält und wir reden nicht von Pelzmode.

Natürlich ist es ein steiniger Weg zu einer gerechten Gesellschaft. Zu einer Verantwortung die alle betrifft, weil sie betroffen macht.

Zu oft lese ich noch: wer arm ist, der muss ja nun mal da und dort billig kaufen. Es mag stimmen. Billig und teuer unterscheiden sich aber nicht in der Produktion, es sei denn wir kaufen regional. Es sei denn wir unterstützen tatsächlich kleinere Labels. Je mehr wir in die Verantwortung treten, umso häufiger wird es wieder kleine Designer geben, die ihre Ware hier produzieren und ihre Stoffe in der Gegend erwerben. Die Recycling und Upcycling fest integrieren. Modeketten, die ihre Linien wieder zweimal im Jahr verändern und nicht zwölf Mal pro Monat.

Die Regierungen dieser Welt haben längst erkannt, wo ein Konsument, da eine Möglichkeit. Sie wirtschaften sich in die eigene Tasche und nehmen dabei große längerfristige Katastrophen in Kauf.

Der Markt ist voll mit Produkten die keiner mehr will. Längst gibt es Tauschbörsen, niederschwellige Angebote und Möglichkeiten sich online oder direkt einfach und günstig einzukleiden. Der Markt profitiert von der Anfrage der KäuferInnen und passt sich an.

Wer also noch immer sagt „mach ich nicht, denn ich kann es nicht“, macht es sich zu einfach. Es mag stimmen, einige Dinge werden eben nicht heute oder morgen lieferbar sein. Und es ist richtig, zunächst ist Qualität mit einem höheren Preis verbunden, aber auf Dauer lohnt sich der Ausstieg aus dem Konsumrad. Es werden wieder Ideen geboren, die es längst gab. Schneiderein, NäherInnen, echte Ware aus der Gegend. Davon profitieren wir hier und die armen Ländern anderswo. Wir schaffen eine Zukunft für alle und nicht nur für einzelne. Wir sind bereit uns wieder Zeit zu lassen und abzuwägen. Uns ein gutes Stück dann zu kaufen, wenn wir es uns leisten können und ein dringend gebrauchtes von einem kurzen Impuls zu unterscheiden. Wir werden wieder Zeit finden unsere Stunden besser zu füllen und aufhören uns mit anderen zu vergleichen, wegen Banalität, auf ordinäre Weise.

Wir müssen einen Anfang machen. Ich. Du. Wir.

WARUM ICH MICH IM INTERNET NICHT MEHR ÜBER KINDER LUSTIG MACHE

-Insbesondere zuallererst die eigenen-

Zunächst einmal, ja auch mir passiert es hin und wieder, dass ich über meine eigenen Kinder lästern möchte oder die Kids auf Arbeit mich belasten und ich mit Kollegen und Kolleginnen dann wahnsinnig abziehe.

Dies ist aber der geeignete Rahmen, wenn man so will. Unter Freunden, Kolleginnen oder der eigenen Familie. Geschützt, verstanden und in einem Kontext aufgegriffen den jeder nachvollziehen kann. Jeder kennt sich, jeder weiß um die Beziehung und es einzuordnen. Nachher schäme ich mich entweder oder habe mir mittels Psychohygiene richtig Luft gemacht. Stress wegreden oder weglachen.

Was aber im Internet steht, geht nicht an die engsten Verbündeten. Es geht hinaus in die Welt und wird dort weitergetragen oder falsch bewertet. Kinder werden abgewertet. Dies nennt man Adultismus und hat nichts auf Twitter und Co. zu suchen.

Weder lästern wir hier über die Pubertät unseres Sprösslings, noch über sein Aussehen, seine Freundschaften oder seine Interessen. Wir zählen nicht die Mängel auf und stellen keine peinlichen Fotos online. Unsere Kinder sind nicht das Vergnügen aller. Sie sind nicht einmal zu unserem eigenen Vergünstigung auf der Welt. Uns mit ihrem Quatsch zum Beispiel zu belustigen oder durch natürliche Gegebenheiten zu amüsieren.

Ich sehe Bilder und sarkastische Kommentare. Ich sehe großes Augenrollen und das sogar unter Feministinnen, Antirassisten und Menschen die Diskriminierung verurteilen. An ihren Kindern toben sie sich aus.

Auch das ist ein nach Unten treten.

Kinder wehren sich nicht. Sie sehen diese Sprüche vermutlich erst später. Wenn überhaupt. Sie können nicht eingreifen oder werden weniger Ernst genommen. Nehmt sie ernst. Viele Jugendliche schämen sich später, wenn Mama wieder von der peinlichen Pupertät und dem ach so stinkenden Teenager berichtet hat.

Wir wollen später auch nicht Teil ihrer Lästereien werden. „Heute saß Mama wieder im Rollstuhl. Die Windel war voll und ich habe mich für ihr Gesabbel über die Vergangenheit geschämt.“

So oder so ähnlich könnte es aussehen. Sollte es aber nicht.

VATERROLLEN

In Anbetracht eigener Erfahrungen, aber auch der Wahrscheinlichkeit als Mutter häufiger davon betroffen zu sein, eine Alleinerziehende zu werden, möchte ich mich mit dem Thema Vaterschaft befassen.

Wie die Biologie und damit unsere ursprüngliche Natur uns mitgegeben hat, ist der Mann dazu in der Lage, über einen unerschöpflichen, nicht immer ganz genetisch einwandfreien, Samen zu verfügen. Mit Beginn der Pubertät und endend mit dem Ableben, könnte er sich fortpflanzen. Die Qualität seines Produktes könnte bei guter Pflege gut und gerne bis ins hohe Alter standhalten. Frauen haben hingegen eine begrenzte Anzahl fruchtbarer Jahre und was erschwerend dazukommen mag, wenn sie einmal trächtig sind, bleibt der Laden bis zu zehn Monate geschlossen. Nichts geht mehr.

Nun ist es das eine seine biologischen Vor- und Nachteile bewusst zu erleben und das andere, unbewusst als Mann immer wieder in die gleiche Falle zu tappen.

Die Frau scheint nämlich nicht nur der Schwangerschaft und anschließenden Stillzeit ausgeliefert zu sein, sondern insbesondere dem guten Willen des Partners, ob und wie lange er sie bei der Aufzucht der Kinder begleiten wird und in allen Punkten gleichermaßen unterstützt.

Nicht selten werden Frauen bereits vor der Möglichkeit mit einer Schwangerschaft gesegnet zu sein, gewarnt. Der Partner erklärt sich äußerst wackelig und unsicher bei dem Gedanken ein eigenes Nest bauen zu müssen und sich wohlmöglich an Partnerin und neues Leben zu binden. Die Verantwortung ist einfach zu groß und der in ihm lodernde Drang für immer frei zu sein, steht nicht unbedingt im Missverhältnis zur Streuung seiner Gene. Allerdings durchaus in Diskrepanz zu dem Wunsch dieses Kind zwar gut und gerne sein eigen zu nennen, wenn er es dann aber nicht bitte auch noch 18 Jahre aufziehen muss.

Die Frau wusste also nun worauf sie sich einlässt und überlegt dreimal, unter Berücksichtigung aller Faktoren, ob der Sex zu Stande kommen wird oder nicht. Leidenschaft, Liebe, Verantwortung. Tolle Sache.

Da liegt sie nun schweißgebadet unter ihm und zittert nicht etwa vor Wollust, sondern weil sie im Kopf überschlägt wann die nächste Periode oder der Rauswurf aus der Beziehung droht. Die Pille längst abgesetzt, denn Krebs und Schlaganfall waren doch nicht Teil ihrer Zukunftsplanung, betet sie zu allen Göttinen um ein stabiles Kondom.

Er hingegen schiebt und drückt und denkt an gar nichts.

Nun kommt es nicht selten zu den sogenannten Unfällen. Da platzt nichts laut oder wird mit Fanfaren begossen. Stattdessen verabschiedet sich still und heimlich das Gummi unter den ruckartigen Bewegungen der Liebe und eine saftige Strafe folgt sogleich. Schwanger.

Was also nun?

Manche Männer greifen sofort zur Hand der Frau und führen sie vor Traualtar und in ein Leben in gemeinsamer Verantwortung. Wohlmöglich werden sie nicht alt miteinander und wohlmöglich wird sich bald gestritten und verletzt.

Andere Männer drehen sich auf dem Absatz um und lassen die Frau samt Entscheidung für oder gegen das Leben nun alleine. Sie ignorieren den Fakt hier wohlmöglich gleich zwei Leben auf dem Gewissen zu haben.

Wieder andere Männer, berufen sich auf ihr Recht auch mitentscheiden zu dürfen. Ist ja auch unfair. Die Frau ruht sich schön aus auf ihrem Kinderwunsch und sitzt nun im gemachten Nest, zwischen Unterhalt und Kindergeld. Was für eine bodenlose Unterstellung.

Denn tatsächlich ist es so, bekennt der Mann sich nicht zu seiner Verantwortung und seiner Mittäterschaft, wird die Frau bis an ihr Lebensende die Versorgerin bleiben. Finanziell und emotional.

Jeder neue Partner wird sich nämlich ebensowenig um die Kinder sorgen, wie sie es tut.

Klar, es wird gespielt und geliebt und getobt und beschenkt. Die Erziehung liegt aber bei ihr. Die Kosten trägt sie. Die Tränen trocknet sie und jede Rechtfertigung bleibt bei ihr.

Wochenendväter, so sie es denn zulassen, tummeln sich am Sonntag auf den Spielplätzen und am Samstag waren sie bei den Großeltern, die unterstützend Mittag servierten. Unter der Woche blieb das Telefonat aus. Ist ja nur ein Kind, was hat das schon zu berichten?

Die Frau ist die Versorgerin, Mutter, Verantwortliche und ständige Begleitung ihres Kindes. Es führt selten ein Weg dran vorbei. Und wenn schlaue Köpfe nun sagen mögen „Ja, dann gibt das Kind doch weg!“,wird schnell übersehen wo unser Egoismus und diese Haltung uns in einem Sozialstaat, einem Wirtschaftsstandort, einer Welt, nachher hinführen wird. Ins Leere.

Die Vaterrolle beschränkt sich in der Regel auf das Engagement des Mannes. Hat er Lust Vater zu sein oder ein Interesse für das was in dem Kind vorgeht, könnte sich die Schwere in eine abnehmbare Herausforderung verwandeln.

Sieht er sich aber weder in der Funktion noch Rolle, dem Lebewesen gegenüber, dass er da gezeugt hat oder dem Lebewesen dessen er sich angenommen hat, als Begleiter zur Verfügung zu stehen, hat die andere Partei keinerlei Wahl, als sich alleine in die Spur zu machen.

Mutterschaft ist keine Wahl. Es passiert und dann bleibt es.

Vaterschaft ist freiwillig.

Jeder Mann der sich einer Frau mit Kind nähert, der eine fruchtbare Partnerin hat, sollte sich bewusst werden, welche Konsequenzen es nach sich zieht, wenn das Leben erst einmal geschaffen wurde.

Wir sitzen auf einem Rücken Alleinerziehender. Die meisten davon noch immer Frauen. Diese Rolle sucht sich die Frau selten selbst aus. Sie wird ihr zugeschrieben und für selbstverständlich gehalten. Ich halte die Rolle des Mannes aber nicht für selbstverständlich.

Es heißt: ein Mann muss tun, was ein Mann tun muss.

Richtig.

ES IST NICHT MEINE SCHULD, WENN…

Gelegentlich lege ich ein ganz schlechtes Benehmen an den Tag. Wenn sich das bei mir wiederholt und ich andere Menschen damit mehrfach vor den Kopf stoße, beginne ich inzwischen darüber nachzudenken, was mich zu meinem Verhalten führt.

Manchmal komme ich nicht gleich darauf und einige Male war da unterbewusst schon was im Argen. Manchmal sind es auch die Hormone während der PMS-Zeit oder ich habe viel Stress gehabt.

Was auch immer dazu führt mich dann schlecht zu fühlen, es ist kein Grund sich auch schlecht aufzuführen. Es gibt mehr als nur meine Probleme, meine Gefühle und meine Bedürfnisse. Das Bedürfnis der anderen ungestört leben zu dürfen, ist nicht geringer als meines. Ich muss also verantwortungsvoller mit mir und meiner Verhaltensweise umgehen. Nicht jeder Satz sollte gesagt werden, bevor ich reflektiert habe, ob diese auf der Zunge liegende Boshaftigkeit tatsächlich für mich spricht und das was ich heute sage und fühle auch morgen noch Gültigkeit besitzt.

Viele Menschen schieben ihr schlechtes Verhalten anderen gegenüber auf Umstände von außen oder eben innere Mächte die sie angeblich nicht kontrollieren können. Die Wahrheit aber ist, wir können lernen uns in den Griff zu bekommen.

Menschlich sein, bedeutet sich seines Bewusstseins zu bedienen. Sich bewusst für oder gegen etwas entscheiden zu können beispielsweise. Niemand ist Opfer seiner Launen, niemand muss andere zum Opfer machen, um diese besser aushalten zu können.

Wenn ich mir vorstelle, nach jeder hormonellen Veränderung einen Flächenbrand verursacht zu haben, bleibt irgendwann wenig Land mehr zu betreten. Wenn jeder seiner Lust nach Zerstörung und Schaden nachginge, wären wir längst von der Landkarte gestrichen.

So wie Männer nicht einfach sagen dürfen „Ich bin nun einmal ein Mann, ich konnte nichts dafür auf ihren Minirock reagiert zu haben!“,so sollte auch jedem Alkoholiker klar sein, es gibt keine Entschuldigung für böswilliges und fahrlässiges Verhalten anderen gegenüber. Krankheiten hin oder her, wenn jeder der krank wäre das Recht hätte seine Hilflosigkeit durch Wut auszudrücken, hätten uns vermutlich bereits viele Staatsleute in die Luft gesprengt. Ein Mensch der Neigungen hat, die anderen weh tun, sie für ihr Leben zeichnet, kann sich nicht darauf berufen krank zu sein usw.

Wir werden uns nicht in jeder Situation kontrollieren können und wir werden uns mehr als einmal im Leben für unser Verhalten entschuldigen. Wir sollten aber auch lernen mit anderen besonnen und achtsam umgehen zu wollen und insbesondere uns, den Menschen der uns am nächsten steht, besser kennenzulernen, besser zuzuhören und begreiflich machen, dass es keinen anderen gibt auf den wir größeren Einfluss ausüben können.

Nutzen wir diese Erkenntnis weise.

HERZEN BRECHEN LAUT

Ich lese gerade seit langer Zeit mal wieder Nachrichten. Seit ich nicht mehr in der Politik arbeite, immerhin schon knapp zwei Jahre, davor aber sechs Jahre intensiv, beschäftigt mich politisches Gerangel nur noch am Rand.

Wie oft blutete mein Herz, weil Entscheidungen von Außen weit abwegiger als nachvollziehbar schienen. Wie oft fragte ich mich, weshalb Akteur X sich so und Akteur Y sich so verhielt. Die Komplexität dieser Welt und unserer Gesellschaften sei nun einmal schwer zu begreifen, dachte ich dann.

Und doch, fern ab jeder Realität und all dem worum es eben zu gehen scheint, Geld, Macht, Einfluss, Gebiete, Lebensgrundlage und immer wieder Differenzen zwischen den Kulturen und Religionen, blieb doch eines unbeachtet.

Wie kann das Herz sich frei machen von all dem Kummer in der Welt? Dem Missbrauch von Macht durch große Amtsinhaber? Dem Unausgesprochenen, Unverständlichem? Wie können wir seelenruhig denken, unsere Handlungen seien gerechtfertigt? Wie kann uns Mord ein adäquates Mittel erscheinen? Wie können wir Raub und Vergewaltigung tolerieren und Familien bedrohen, endzweien und auslöschen? Wie können wir unsere Existenz über die anderer stellen und uns nicht einmal dabei schuldig fühlen?

Es werden Waffen rumgereicht, als seien es Süßigkeiten. Es werden Wahrheiten verbogen und Lügen zu heroischen Geschichten verkauft. Es wird Tatsachen ins Gesicht gespuckt und Köpfe rollen, wie einst im Mittelalter.

Uns gehen die Möglichkeiten und Mittel aus langfristig in Frieden alle Menschen dieser Erde satt und glücklich zu machen. Wir verlängern Leben im Westen und nehmen Tode im Osten und Süden in Kauf. Wir gehen miteinander im gegeneinander um. Wir denken nur global, wenn es darum geht anderen etwas zu nehmen, um uns zu bereichern. Uns schreckt nichts, bis es vor unserer Tür ungemütlich wird. Wir unterstützen die Monster und übersehen wissentlich die einzig vernünftige Lösung.

Unsere Herzen müssten lauter brechen. Hörbar für alle. Auch die der Idioten, ungefragt und ohne ihr Zutun. Sie müssten brechen, während jeder Gräueltat. Einfach und laut. Es müsste bei jedem Attentat auf unsere Moral, unsere Ethik und unseren Verstand so laut in der Brust knacken, dass wir augenblicklich inne halten und zuhören. Hören auf das innere Kind, dieses naive und fröhliche Wesen, welches wir einst waren. Frei jeglichen Hasses, frei jeglicher Vorurteile.

Unsere Herzen brechen noch viel zu leise.