ALS IHR FORTGEGANGEN SEID

Hat mein Kind sich zunächst einmal gefragt wo ihr bleibt, warum ihr euch nicht verabschieden könnt und ob ihr nochmal vorbeikommen werdet.

Dann wurde euer Name immer seltener genannt oder zu einem Synonym für all das Schlechte was wir mit euch verbinden konnten.

Die Tränen weinte ich heimlich im Badezimmer oder abends unter der Decke. Meine Kinder weinten nicht. Nicht laut und nicht leise.

Wer ging, war weg. Manchmal plötzlich und manchmal konnte man es ahnen. Auch die Kinder.

Manchmal war das Plötzlich schlimmer als die Ahnung.

Manchmal saßen wir beisammen und kuschelten den Kummer weg und manchmal verlor ich den Halt und verfluchte dieses Leben. Sich trennen mit Kindern ist hart. Kinder sind wie ein Schuldeingeständnis. Wie eine Ermahnung, es endlich besser zu wissen. Endlich erwachsen zu handeln. Liebe? Liebe gibt es nicht. Nur zwischen Eltern und Kindern. Zwischen denen, die dazukamen und dann einfach gingen, existierte sowas nicht. Das gesagte „Papa“ verflog. Aus den gemeinsamen Momenten wurden verblasste Erinnerungen. Und dazwischen so viel Kummer, so einiges Leid.

Als ihr fortgegangen seid, habt ihr uns zurückgelassen. Nicht mich. Uns.

I CARE

Ich habe zwei Kinder. Beide mehr oder minder alleine großgezogen. Schon in den Beziehungen zu ihren Vätern.

Jetzt gibt es immer wieder Stimmen die für das Wechselmodell nach einer Trennung sprechen und Frauen die behaupten, Alleinerziehende sei man erst, wenn auch an den Wochenenden keine zweite Person aushelfen könne.

Ich halte diese Aussagen für grenzwertig.

Wie überall sollte der Einzelfall entscheiden. Nicht jedes Kind braucht einen Elternteil, der gewalttätig oder sorglos ist. Einen Elternteil, der keine Ahnung hat und auch nicht haben möchte. Einen Elternteil, der sich nur Elternteil schimpfen kann, weil das Genmaterial ihn dazu macht.

Wie viele Väter haben beispielsweise kaum Interesse an einer 50/50 Regelung und wie viele Väter hatten während der gemeinsamen Zeit schon kaum Lust auf Haushalt, Erziehung und Beziehungspflege? Wie viele Väter kennen die Blutgruppe ihres Kindes, wissen um Allergien und wie der beste Freund des Sprösslings heißt? Welche Musik läuft aktuell am liebsten im Kinderzimmer und welches Essen darf in der Brotdose nicht fehlen? Wer animiert das Kind zu den Hausaufgaben und hat schon jemand das Geschenk für Oma gebastelt? Also wenn Väter sich um all das und noch mehr mühen, steht dem Wechselmodell nichts im Weg. Sonst ist das reines Rachegeblubber. Der Trend sich trotz wiedersprüchlichem Gebaren vor Richter und Jugendamt, auf das Kindeswohl zu stützen, dabei aber keinen Unterhalt zahlen zu wollen und auch Jahre zuvor niemals selbst Winterschuhe oder Badehose gekauft zu haben. Die fixe Idee das Kind nun aber sehen zu wollen, allerdings zu vergessen, dass sehen auch spielen, pflegen, versorgen, umsorgen und schützen bedeutet. Wer war die Jahre zuvor zu Hause, wenn Fieber und Schnupfen plagten? Wer saß auf dem Amt und hat den Hortplatz beantragt, die Kita erstritten und auf dem Spielplatz Äpfel aus der Büchse gezaubert?

Wer hat seinen Job hinten angestellt und wusste die Rente wird’s später danken?Nicht.

Und welche Frau erinnert sich nicht noch mit schaudern an den Mann, der von der Arbeit kam, sofern er einen Job hatte, behauptete er sei müde und hungrig, weshalb die Kinder nun warten müssen? Welche Frau hatte nicht schon mal das Gefühl sowieso alles alleine machen zu müssen und nun auch noch neben einem Mann zu leben, der durch einen durchsieht, keine Ahnung hat wann der Jahrestag sei oder die Kinder Geburtstag haben? Welche Frau weiß nicht, um die Demütigung, weil der Mann denkt sein Mittagschlaf sei wichtiger als ihrer und der Kaffee stünde morgens ganz alleine auf dem Tisch?

Alleinerziehende die alle zwei Wochenenden ihre Kinder zu den Vätern geben können, tun dies nicht leichtfertig. Sie wollen sich nicht schämen für die freien Tage oder zurück erinnern an einen lieblosen Partner. Sie haben gekämpft, anfangs für die Familie, später für den regelmäßigen Umgang. Die Zeit nach der Trennung, wenn viele Väter behaupten das Kind sei bei der Mutter besser aufgehoben. Wenn viele Väter nicht wissen wann die Kita Schließzeiten hat und ihren Urlaub nicht flexibel umbuchen können. Wenn viele Väter hoffen, die Großeltern springen an den Wochenenden ein, weil Kinder erziehen doch nicht so einfach ist. Wenn viele Väter sich fix eine neue Partnerin suchen, die an besagten Wochenenden mit dem Kind Eis essen geht und die Wohnung putzt.

Ich weiß um meine Stärke und ich kenne den beschwerlichen Weg dorthin. Ich sehe tagtäglich Freundinnen auf gleichem Weg kämpfen. Gegen Männer die ihre Kids nur alle paar Wochen einen halben Tag nehmen wollen. Gegen ein Stigma das aus ihnen Rabenmütter macht. Gegen den Ruf der Luxusmamis, die ja arbeiten gingen und sich dann ständig Pausen gönnen wollen. Für ihre Kinder und ihr eigenes Leben.

Alleinerziehende sollten aufhören sich gegenseitig in die Pfanne zu hauen. Und sie sollten zukünftigen Alleinerziehenden nicht sagen diese hätten es ja so gut mit Partner im Hause. Nein, haben sie bisweilen nicht! Noch ahnen sie es nur, aber bald werden sie es wissen. Der Partner ist Scheiße und sie erledigen diesen gottverdammten Job alleine.

Und zwar gut.