MEER LIEBE

Wir sind eine Woche, sieben Tage also, mit zwei Kindern verreist. Ohne Fallschirm und doppelten Boden. Du, ich und die Kinder. Eines davon jetzt in der Pubertät und eines zwischen Abhängigkeit und Abnabelung. Beide nicht deine eigenen.

Zu Beginn dieser Reise sind wir zu dritt unterwegs. Alle in einen kleinen Leihwagen gesetzt, zwischen Proviant und Gepäck, leichte Anspannung in der Luft.

Wenn Freundinnen mir erzählt haben wie sie gemeinsam mit den Nicht-Vätern und ihren leiblichen Kindern in den Urlaub führen, war ich ein wenig neidisch. Da wurde von einer Selbstverständlichkeit gesprochen, die mir fremd war. Von einem Miteinander, welches ich nur von mir und den Kids kenne. Wir sind nie mit einem Partner so weit und so lange verreist. Ja, kleine Wochenenden woanders gab es schon und auch mal unter den schützenden Augen und Händen der Großeltern, als Babysitter und Ausgleich. So aber noch nie.

Und so saßen wir im Auto und fuhren Richtung Meer.

Anfangs war ich sicher aufgeregter als alle anderen zusammen. In mir dieses Gefühl von „Was wenn es schief geht?“. Unbegründet, wie sich rausstellen sollte.

Du packst mit an, du sitzt freiwillig im Buddelkasten, springst in den Pool, um zu tauchen, hälst auf Ausflügen Kinderhände und trägst auf den breiten Schultern Kind und Verantwortung.

Alles sieht so spielerisch leicht aus. Nicht wie zu Hause. Wo der Arbeitsalltag manchmal nagt und die Kinder dich nur selten zwischen zwei Wohnungen zu sehen kriegen.

Da bin ich dann geschmolzen. Beim Anblick des miteinander Spielens und so Kleinigkeiten, wie das Vorbereiten des Frühstücks oder den Kauf der dritten Eistüte. Alles so locker. Alles so normal.

Normalität ist für Alleinerziehende nicht selbstverständlich mit einem neuen Partner. Da ist immer die Sorge, dieser würde sich beim kleinsten Gefälle aus dem Staub machen.

Hier sitzen wir bei Rotwein und Schokolade, lästern über die olle Pubertät des großen Kindes und versichern uns, so waren wir doch damals auch.

Hier steigen wir an den viel zu häufigen Regentagen ins Auto und schmieden Pläne, was wir alles machen, wenn die See nicht mehr so stürmisch ist und machen es dann tatsächlich. Bummelzug fahren zum Beispiel. Es gibt nichts schöneres, als mit euch dreien eine Stunde auf dem Bahnhof zu stehen und Löcher in die Luft zu starren.

Gemeinsam einzuschlafen fiel uns etwas schwerer, glaube ich. Am Ende war es gar nicht mehr wegzudenken. Jemand der mit seiner Hand deine sucht. Jemand der morgens verschlafen rüberlächelt, während das jüngste Kind sind in die Mitte quetscht und darauf besteht jetzt wach zu sein.

Urlaube sind dazu da sich zu erholen. Sie sind aber auch gut geeignet, sich kennenzulernen. Neu zu verlieben. Sich stärker zu binden.

Im Alltag ist es schön sich auch mal aus dem Weg zu gehen. Im Urlaub zueinander zu finden, ist plötzlich ganz einfach.

Ich frage mich heimlich, ob du es ebenso empfindest? Und ob du ein bisschen stolz bist?

Ich bin ganz schön stolz auf uns. Ganz schön stolz auf dich. Ein Stückchen weniger Alleinerziehende.

ES IST WIEDER FREUNDINNENSOMMER

Juhu, yippie und yeah! Die ersten Sonnenstrahlen verwandeln die Großstadt in eine warme, stickige Brühe und meine Lust sich in Sommerkleider zu hüllen, hält sich in Grenzen.

Meine Lust mit Freundinnen im Hof oder am See zu sitzen und uns literweise Wein hinter die Binde zu kippen, steigt mit den Temperaturen erheblich.

Tratschen über alte Lieben, die Arbeit, ein bisschen die Kinder und natürlich unsere Vergangenheit. Man waren wir doof, faul, launisch, kindisch oder unfähig. Nach drei Litern Wein ist jeder von uns Expertin seines eigenen Lebens. Alles so klar wie der Grund unseres Glases.

Wir fragen uns manchmal schon, ob wir etwas oder jemanden bereuen, aber die Antwort lautet eigentlich stets „Nö“. War halt so. Prägte uns. Hat uns tolle Kinder geschenkt. Alles in allem ganz gut und glimpflich gelaufen. Abstriche gibt es ja immer.

Stimmt das denn auch? Sind wir glücklicher? Definitiv! Es hat ewig gedauert, aber da wo wir heute stehen, wollten wir lange hin. Wir waren so unsicher und manchmal naiv.

Wenn wir heute einen Raum betreten, verstecken wir uns nicht mehr hinter Tonnen Makeup oder blöden Sprüchen. Manchmal zelebriert man beides noch, aber unser Panzer ist weg. Wir sind angekommen.

Und während wir mit Anfang dreißig wissen wo lang es geht, sitzen wir unter der Sonne Berlins, trinken noch einen Schluck und hoffen auf die kommenden zehn Jahre Freundschaft, die uns überhaupt hat all das überstehen lassen. Prost!