VOM ENDE EINER HARTEN WOCHE

Wenn ich morgens aufstehe, tue ich das nicht selten neben meinem jüngsten Kind.

Während die Nacht mir unfassbar kurz erschien, weil ich Händchen gehalten und Hustensaft gereicht habe, gluckst der Wasserkocher mir etwas vor und der dunkle Morgen verdrängt die noch dunklere Nacht.

Tag um Tag um Tag bin ich aufgestanden, habe Kaffee gekocht, den Kindern Frühstück bereitet und mich im Badezimmer geschminkt.

Ich ging zur Arbeit, lächelte dieses professionelle Arbeitslächeln, drückte fremder Leute Kinder, ließ meinen Alltag wieder Herr der Lage werden und sperrte das Handy in den Schrank. Begraben unter meiner Verantwortung.

Abends ging ich früh ins Bett und jeden Tag ein wenig später.

Dann, ganz sicher geworden, ob all meiner Gefühle und Bedürfnisse, nahm ich die Herausforderung an wieder unter die Lebenden zu gehen. Zu lachen, bis mir heiße Tränen über die Wange rollten. Freundinnen zu fragen wie es ihnen ginge und nicht immer nur zu erzählen wie beschissen ich mich fühlte.

Ich ging wieder nach Hause, obwohl ich lieber 24/7 gearbeitet hätte. Mich abgelenkt. Diese Wohnung, in der man gemeinsam wirkte.

Ich schob mein Bett in eine andere Richtung und damit meine Gedanken an dich ebenfalls.

Ich fing an den Kuchen für den Schulbasar zu backen, die Einkäufe zu tragen, meine Kinder zu beschäftigen und all das ohne Unterstützung.

Ich kaufte Geschenke und verpackte sie. Hörte wieder Musik, wenn ich in der Tram saß und niemand relevantes neben mir.

Ich aß wieder etwas, sagte Verabredungen zu und bestellte deine Teilnahme ab. Ich blockierte deine Nummer und bereinigte die falsche Annahme es gäbe ein zurück. Gibt es nicht.

Da wo ich war und da wo ich bin, sind zwei völlig verschiedene Leben.

Am Ende einer harten Woche, freue ich mich zum ersten Mal seit langer Zeit wieder auf die Wochenenden. Auch ohne dich. Ganz für mich alleine.

UNBEDEUTENDE KLEINIGKEITEN

Es gibt diese Momente als Singlemutter…ach halt, ich bin ja gar kein Single!

Es gibt Momente in meinem Leben, da erkenne ich meinen Beziehungsstatus einfach nicht an. Momente, in denen ich gerne zu zweit wäre, aber alleine bleibe.

Einkaufen ist so eine Gelegenheit, die ich viel häufiger alleine als zusammen ergreifen muss. Dabei schleppe ich mich nicht nur fast immer tot, denn zwei Kinder und eine Erwachsene wollen eben versorgt werden, nein, es gibt auch andere Baustellen. Beispielsweise denke ich sehr häufig an die anderen. Ich gehe mit dem Vorsatz einkaufen, dem Partner und den Kids etwas mitzubringen. Kleinigkeiten. Aufmerksamkeiten. Etwas was ihnen gefallen könnte. Dabei gebe ich mich weder auf, noch breche ich mir den Zacken aus der Krone.

Sitze ich dann vor dem Rezept am Küchentisch und überlege was ich wo besorgen werde, fällt mir auf, dass ich das jetzt alleine mache. Manchmal begleiten mich die Kinder. Meist flitze ich schnell selbst los.

Früher, als ich mit meinen Partnern die Wohnung und das Leben teilte, ging es oft zusammen einkaufen. Da standen wir vor verschiedenen Regalen und trafen uns hier und da wieder. Meist dort, wo die Gemeinsamkeiten lagen: Süßigkeiten und Klopapier. An der Kasse wurde aus einem Leben wieder zwei und wir trennten die Kosten auf. Nicht romantisch, aber vollkommen okay.

Heute stehe ich nicht nur alleine vor den Schweinereien, nein, ich bin diejenige die den Korb schleppt, an der Kasse auspackt, zahlt und völlig verschwitzt einpacken wird. Ich laufe den Weg nach Hause in Gedanken bei einem Partner mit dem ich jetzt reden könnte, stumm. Manchmal genervt von der Schwere des Beutels. Ich steige die Treppen hinauf zur Wohnung und zähle die Stufen. Etwas mehr als 90 vielleicht. Dann fische ich den Schlüssel aus der Tasche und erst wenn ich alle Waren auf den Küchentisch gelegt habe, setzt die Entspannung langsam ein.

Alleine zu wohnen, hat Vorteile. Viele sogar. Man muss nicht die Wäsche des anderen waschen, geschweige denn sehen. Niemals gibt es Zank um Möbelstücke. Gefällt ihm dieses oder hasse ich jenes? Ich kann Sport machen oder mir die Augenbrauen zupfen, während eine Serie läuft und wenn ich Kramecken habe, dann sind das alleine meine. Keiner verurteilt mich. Keiner braucht Raum, Ruhe oder möchte zeitweise auf dem Sofa schlafen.

Die Nachteile überwiegen für mich dennoch.

Die Nächte alleine im Bett, wenn ich verstohlen ins Leere greife. Die Geräusche sind nachts manchmal unerträglich gruselig.

Die Wohnung putzt sich nie von alleine und Sisyphos hätte seine Qual an ihr gefunden. Staub, Spielzeug und überall Krümel. Sich das zu teilen, wäre ein Fest.

Niemals zu hören wie jemand den Schlüssel im Schloss dreht und ruft „Ich bin zu Hause!“, abgesehen vom großen Kind natürlich.

Zu wissen, der andere geht zwar, kommt aber wieder. In seinen Hafen. In unsere Welt.

Es ist nicht schlimm abends alleine einzuschlafen und es ist auch kein Beinbruch die Einkäufe ohne Begleitung zu erledigen. Dennoch, solche Nichtigkeiten können einem viel bedeuten, wenn man sie vermisst.