NO MAKE-UP, ABER FILTER

Ach Leute…

Wie so häufig zeigt sich das Internet grotesk und herrlich naiv im Umgang mit der Wahrheit. Da stehen die Damen vom Grill, fotografieren sich und versehen das Portrait, neudeutsch Selfie, mit dem Hashtag #nomakeup, aber der Filter, Weichzeichner und das passende Licht korrigieren was Mutter Natur nicht zu heilen vermag.

Wie dumm sind wir inzwischen darauf noch hereinzufallen? Oder wollen wir das Offensichtliche ja auch gar nicht sehen? Ist es besser, ja sogar angenehmer, sich ab und an für dumm verkaufen zu lassen, weil die Realität nun einmal weder schön, noch erträglich wäre?

Um ehrlich zu sein, mir gefällt die Realität. Ich schminke mich sehr gerne. Ich ziehe sogar Bauchweghosen an, wenn es mich besser fühlen lässt, aber Himmel, wie wunderschön finde ich reale, echte Menschen. Streifen, Narben, Falten, Speck oder Knochen. Ich liebe die Unebenheiten unserer Körper und je selbstbewusster alle damit auch online umgehen, umso sicherer werde ich im Umgang mit mir und meinem Körper.

Wir leben in dieser oberflächlichen Gesellschaft. Schönheit um jeden Preis. Wer sich online verkaufen möchte, für ein paar Likes, wird den Teufel tun und die Wahrheit zeigen. Bauch einziehen, Kamera geschickt positionieren und für Licht und Atmosphäre sorgen. Wir kennen das Spiel mit der Täuschung. Dennoch wäre es ja großartig, wenn die Protagonisten endlich wirklich authentische Bilder hochladen würden. Instagram und Co. waren eine nette Spielerei. Es fing vor zehn Jahren harmlos an und heute finanzieren wir NichtskönnerInnen auch herzlich gerne, schenken ihnen kostenlose Urlaube und erhalten dafür den gestellten Einblick in ihr ach so reales Leben. Langsam sollte aber mal wieder gut sein. Diese Vorbilder sind keine. Sie sind Abbilder. Abbilder ihrer selbst. Sie altern nicht, haben keine Ecken und Kanten und profilieren sich durch oberflächliche Inhalte. Ihr Dasein ist Schein. Das ist auch irgendwie okay, genauso wie es auch irgendwie falsch ist.

Es sollte nicht heißen müssen „Mehr Realität auf Instagram“, sondern:“Weniger Instagram in der Realität“. Nieder mit der schönen, gestellten Welt! Es darf wieder jeder echt sein!