BROTHER FROM ANOTHER MOTHER-

Sister from another mister?

Warum haben wir Freunde und Freundinnen, mit denen wir über die gleichen Witze lachen können, deren Denkansätze wir teilen können und die uns nie langweilig werden, auch nach Jahren inniger Freundschaft?

Warum finden wir in unseren Freundschaften oft das, was in der Partnerschaft manchmal auf der Strecke bleibt?

Jemand mit dem wir Emotionen teilen, die gleichen Bedürfnisse und uns am Ende des Tages auseinander gehen, ohne den Drang zu verspüren sexuell zu verschmelzen.

Manche Menschen scheinen uns so nahe, sodass sich zwangsläufig die Frage stellt: wo bleibt der Partner, der mir so viel gibt wie meine besten Freunde?

Wie oft saß ich neben Menschen, die weder über meine Witze lachten, noch meine Gedankengänge nachvollziehen konnten. Dennoch hielten wir Händchen, saßen beisammen als seien wir gegen jeden Sturm erhaben.

Waren die Beziehungen echt? So real wie unsere Freundschaften?

Gab es niemanden der uns ähnlich ist auf dem Markt der Eitelkeiten? Irgendwo da draußen sollte doch jemand sein, der uns nahe kommen kann, auf so vielen Ebenen.

Manchmal treffe ich auf Paare die diesen Spagat spielend schaffen. Sie sind Freunde und Paar. Nicht selten begegnen mir Menschen, die sich im Kompromisse schließen fit halten. Gemeinsamkeiten haben Seltenheitswert.

Einer sagte erst kürzlich zu mir, dein Seelenverwandter ist nicht zwangsläufig dein bevorzugter Partner. Richtig.

Aber einer der mich einmal so zum lachen bringt wie meine besten Freundschaften es können, ist mit Sicherheit der heilige Gral. So lange genießen wir was wir haben und sehnen uns nach dem was noch fehlt.

DEFINITION DINGSBUMS

In der Schwebe hängende Singles, also jene, die einfach nicht wissen ob Singlestatus, der per Definition wohl alleine reisen, kochen, den Hausmüll rausbringen bedeutet oder eben doch Beziehung, mit all den wunderbaren Eigenschaften des Wachstums und der Liebe, fragen sich weltweit wie es so weit kommen konnte?

Gibt es da draußen nochmal die eine Liebe? Den Traumerfüller? Oder bleiben wir beim Alten und lassen uns daten, umgarnen und wie heiße Kartoffeln fallen?

Eventuell finden wir dahingehend unseren Frieden. Frauen die bereits mit Kindern gesegnet sind, sehen ihre Expartner mit jungen und kinderlosen Partnerinnen herumlaufen.

Sie sehen sich mit diesem Makel, der Brandmarke, der Narbe auf der Stirn. Scharlachrot.

Sie sind scheinbar gebrauchter als die anderen. Obwohl sicher heutzutage kaum noch eine dreißigjährige Frau als Jungfrau in die Beziehung startet, wird da eines klar, ein Kind ist eine Vergangenheit. Hier wird die Partnerin verletzlich. Verletzlichkeit ist kein Makel, kann aber schnellstens zu einem werden, wenn der neue Partner zielgenau erspürt wo der Schuh drückt und sich dem Dilemma mit Hingabe widmen wird.

Nicht wenige Frauen bilden sich deshalb ein, Stärke zeigen zu müssen. Immer im Takt bleiben, keine Ängste zeigen, sich nicht mit Realitäten zu konfrontieren.

Wenn wir dieses Gefühl also transportieren, zwischen schwach wie jeder Mensch, angeschlagen, weil Single, Mutter und wohlmöglich sogar finanziell abhängig, wie können wir dann Stärke nicht einfach nur vortäuschen?

Unser Gegenüber beginnt uns unbewusst zu zerfleischen. Anfangs in Zuneigung und später unter Spott und Hohn.

Eine Beziehung ist das noch nicht.

Und wenn wir dann beginnen die Beziehung in Frage zu stellen, die Werte auf dem Prüfstand und uns gläsern zeigen, beginnt das Konstrukt zu bröckeln. Schwäche ist nicht sexy.

Wir werden verlassen und werfen uns wieder ins Singleleben. Wir werden gesehen, aber selten erkannt. Wir werden wohlmöglich nochmals betrachtet. Aus der Ferne glänzen wir nach wie vor. Die Stärke ist zurück und für den Ex sind wir relevant. Dennoch, der Makel haftet uns an.

So bleiben wir als Zwischenlösung präsent, es sei denn wir drehen uns um, gehen unser Wege und ignorieren den hinterlassen Schmerz. Die Wunde blutet eine Weile nach, aber die Wahrscheinlichkeit das uns genau so etwas nochmal passiert, ist mit jeder Trennung und jedem gelebten Lebensjahr geringer.

Wir wissen nun wer wir sind. Und das ist die einzige Definition die es braucht.

VATERROLLEN

In Anbetracht eigener Erfahrungen, aber auch der Wahrscheinlichkeit als Mutter häufiger davon betroffen zu sein, eine Alleinerziehende zu werden, möchte ich mich mit dem Thema Vaterschaft befassen.

Wie die Biologie und damit unsere ursprüngliche Natur uns mitgegeben hat, ist der Mann dazu in der Lage, über einen unerschöpflichen, nicht immer ganz genetisch einwandfreien, Samen zu verfügen. Mit Beginn der Pubertät und endend mit dem Ableben, könnte er sich fortpflanzen. Die Qualität seines Produktes könnte bei guter Pflege gut und gerne bis ins hohe Alter standhalten. Frauen haben hingegen eine begrenzte Anzahl fruchtbarer Jahre und was erschwerend dazukommen mag, wenn sie einmal trächtig sind, bleibt der Laden bis zu zehn Monate geschlossen. Nichts geht mehr.

Nun ist es das eine seine biologischen Vor- und Nachteile bewusst zu erleben und das andere, unbewusst als Mann immer wieder in die gleiche Falle zu tappen.

Die Frau scheint nämlich nicht nur der Schwangerschaft und anschließenden Stillzeit ausgeliefert zu sein, sondern insbesondere dem guten Willen des Partners, ob und wie lange er sie bei der Aufzucht der Kinder begleiten wird und in allen Punkten gleichermaßen unterstützt.

Nicht selten werden Frauen bereits vor der Möglichkeit mit einer Schwangerschaft gesegnet zu sein, gewarnt. Der Partner erklärt sich äußerst wackelig und unsicher bei dem Gedanken ein eigenes Nest bauen zu müssen und sich wohlmöglich an Partnerin und neues Leben zu binden. Die Verantwortung ist einfach zu groß und der in ihm lodernde Drang für immer frei zu sein, steht nicht unbedingt im Missverhältnis zur Streuung seiner Gene. Allerdings durchaus in Diskrepanz zu dem Wunsch dieses Kind zwar gut und gerne sein eigen zu nennen, wenn er es dann aber nicht bitte auch noch 18 Jahre aufziehen muss.

Die Frau wusste also nun worauf sie sich einlässt und überlegt dreimal, unter Berücksichtigung aller Faktoren, ob der Sex zu Stande kommen wird oder nicht. Leidenschaft, Liebe, Verantwortung. Tolle Sache.

Da liegt sie nun schweißgebadet unter ihm und zittert nicht etwa vor Wollust, sondern weil sie im Kopf überschlägt wann die nächste Periode oder der Rauswurf aus der Beziehung droht. Die Pille längst abgesetzt, denn Krebs und Schlaganfall waren doch nicht Teil ihrer Zukunftsplanung, betet sie zu allen Göttinen um ein stabiles Kondom.

Er hingegen schiebt und drückt und denkt an gar nichts.

Nun kommt es nicht selten zu den sogenannten Unfällen. Da platzt nichts laut oder wird mit Fanfaren begossen. Stattdessen verabschiedet sich still und heimlich das Gummi unter den ruckartigen Bewegungen der Liebe und eine saftige Strafe folgt sogleich. Schwanger.

Was also nun?

Manche Männer greifen sofort zur Hand der Frau und führen sie vor Traualtar und in ein Leben in gemeinsamer Verantwortung. Wohlmöglich werden sie nicht alt miteinander und wohlmöglich wird sich bald gestritten und verletzt.

Andere Männer drehen sich auf dem Absatz um und lassen die Frau samt Entscheidung für oder gegen das Leben nun alleine. Sie ignorieren den Fakt hier wohlmöglich gleich zwei Leben auf dem Gewissen zu haben.

Wieder andere Männer, berufen sich auf ihr Recht auch mitentscheiden zu dürfen. Ist ja auch unfair. Die Frau ruht sich schön aus auf ihrem Kinderwunsch und sitzt nun im gemachten Nest, zwischen Unterhalt und Kindergeld. Was für eine bodenlose Unterstellung.

Denn tatsächlich ist es so, bekennt der Mann sich nicht zu seiner Verantwortung und seiner Mittäterschaft, wird die Frau bis an ihr Lebensende die Versorgerin bleiben. Finanziell und emotional.

Jeder neue Partner wird sich nämlich ebensowenig um die Kinder sorgen, wie sie es tut.

Klar, es wird gespielt und geliebt und getobt und beschenkt. Die Erziehung liegt aber bei ihr. Die Kosten trägt sie. Die Tränen trocknet sie und jede Rechtfertigung bleibt bei ihr.

Wochenendväter, so sie es denn zulassen, tummeln sich am Sonntag auf den Spielplätzen und am Samstag waren sie bei den Großeltern, die unterstützend Mittag servierten. Unter der Woche blieb das Telefonat aus. Ist ja nur ein Kind, was hat das schon zu berichten?

Die Frau ist die Versorgerin, Mutter, Verantwortliche und ständige Begleitung ihres Kindes. Es führt selten ein Weg dran vorbei. Und wenn schlaue Köpfe nun sagen mögen „Ja, dann gibt das Kind doch weg!“,wird schnell übersehen wo unser Egoismus und diese Haltung uns in einem Sozialstaat, einem Wirtschaftsstandort, einer Welt, nachher hinführen wird. Ins Leere.

Die Vaterrolle beschränkt sich in der Regel auf das Engagement des Mannes. Hat er Lust Vater zu sein oder ein Interesse für das was in dem Kind vorgeht, könnte sich die Schwere in eine abnehmbare Herausforderung verwandeln.

Sieht er sich aber weder in der Funktion noch Rolle, dem Lebewesen gegenüber, dass er da gezeugt hat oder dem Lebewesen dessen er sich angenommen hat, als Begleiter zur Verfügung zu stehen, hat die andere Partei keinerlei Wahl, als sich alleine in die Spur zu machen.

Mutterschaft ist keine Wahl. Es passiert und dann bleibt es.

Vaterschaft ist freiwillig.

Jeder Mann der sich einer Frau mit Kind nähert, der eine fruchtbare Partnerin hat, sollte sich bewusst werden, welche Konsequenzen es nach sich zieht, wenn das Leben erst einmal geschaffen wurde.

Wir sitzen auf einem Rücken Alleinerziehender. Die meisten davon noch immer Frauen. Diese Rolle sucht sich die Frau selten selbst aus. Sie wird ihr zugeschrieben und für selbstverständlich gehalten. Ich halte die Rolle des Mannes aber nicht für selbstverständlich.

Es heißt: ein Mann muss tun, was ein Mann tun muss.

Richtig.

WISSEN IST OHNMACHT

Obwohl wir uns gerne verlieben, wundern wir uns häufig über den Ausgang unserer Beziehungen. Oft jedesmal aufs neue.

Männer wissen es und Frauen wissen es eigentlich auch. Zu Beginn bedeuten wir einander alles, sind interessant, aufregend und neben uns verblasst der Rest der Welt. Später sind wir in den Augen so vieler Männer die Zicken, gelten als anstrengend, als desinteressiert oder nervig. Wir werden ausgetauscht gegen eine jüngere Version und müssen mitansehen wie unser Partner einer anderen nachschaut, anfangs heimlich und später immer offensichtlicher.

Und wir? Wir Frauen ziehen über unsere Männer her. Wie unfähig sie seien. Früher war mehr Lametta.

Da wurde gelacht und sich gegenseitig verwöhnt. Da gab es wenig Streit und überhaupt schien man auf einer Wellenlänge zu schwimmen. Heute ist er faul, langweilig und steht in Verdacht untreu zu sein.

Was einst noch frisch und unbesiegbar erschien, ist mit den Jahren fragile Kunst oder harte Arbeit.

Dabei gibt es eigentlich nichts spannenderes, als sein Ego durch jemanden streicheln zu lassen, der einen lange kennt. Jemand der da ist, obwohl oder vielleicht gerade wegen all der Macken. Jemand der morgens genauso aussieht wie die anderen Tage zuvor. Jemand der sich wirklich besinnen muss, um die zauberhaften Kleinigkeiten seiner Beziehung zu sehen, schätzen und in Ehren zu halten.

Es ist nicht schwer sich zu Beginn Honig ums Maul zu schmieren. Da ist noch Luft nach oben. Wer aber noch nach Jahren der Zweisamkeit, gemachten positiven wie negativen Erfahrungen beieinander steht und sich nicht aus den Augen verloren hat, verdient die Anerkennung und Bewunderung anderer.

Mir ist klar, jeder Flirt da draußen ist geschenkt. Was weiß der andere schon von mir? Wer weiß was wir voneinander halten, nachdem wir uns das erste Mal nackt gesehen haben, innerlich wie äußerlich? Mein Partner, der Mensch den ich auserkoren habe und mit dem ich durch eine lange Zeit gegangen bin, dem zu sagen „Ich finde dich heute echt heiß.“, sollte sich glücklich fühlen, weil ich alles gesehen habe und alles sehen wollte.

Nicht schlecht über den anderen zu reden, sich nicht mehr lieblos zu begegnen und das Ego genau von dir stärken zu lassen, ist meine Liebeserklärung an dich. Da kann keiner mithalten.

Weil ich das weiß, bin ich nicht mehr ohnmächtig.

KOMPROMISERE

Bereits mit Anfang zwanzig wusste ich, zu lieben, bedeutet kompromissbereit zu bleiben. Immer.

Denn wer davor zurückschreckt auch mal in den eigenen Bedürfnissen zurückzustecken, wird vermutlich sehr einsam bleiben.

Funktionierende Beziehungen basieren auf der ersten Anziehung und der daraus resultierenden Fähigkeit und dem absoluten Wunsch sich gegenseitig zu akzeptieren wie man ist, aber die Unterschiede die nun einmal zwangsweise aufkommen, nicht zum Scheitern der Verbindung werden zu lassen.

So gibt es genug Beziehungen, in denen Paare sich nach wenigen Monaten wieder aus den Augen verlieren, weil beide oder mindestens einer nicht in der Lage ist sich für Neues zu öffnen. Kompromisse sind nämlich Veränderungen. Sie können den eigenen Horizont erweitern und erfordern mehr Mut und Anstrengung als Forderungen zu stellen, an einen anderen, unter dem Vorwand es handele sich um bedingungslose Liebe. Die gibt es nicht.

Bereits im Kennenlernen stellen wir Bedingungen. Zunächst die unausgesprochenen. Wir haben Vorstellungen und Werte, die wir auf den anderen übertragen. Anfangs sehen wir unser Spiegelbild im anderen. Unsere Nähe zum anderen verstärkt dieses Bild oder lässt den Spiegel schnell wieder zerbrechen. Wir können herausfinden, ob der andere oder wir ihm ähneln. Was wir auf jeden Fall bald aber erkennen müssen, bei all den Ähnlichkeiten gibt es eben immer auch Unterschiede.

Diese Unterschiede kann nicht jeder zelebrieren. Wie auch? Manche werden zu Differenzen und nicht wenige zu großem Leid. Wir fühlen uns in den Unterschieden einander fremd. Wer den anderen dann nicht in Ruhe kennenlernen möchte, herausfinden, ob er in der Lage ist über den eigenen Tellerrand zu blicken und dort genauso zu überleben wie in der sicheren Komfortzone, wird die Beziehung beenden.

Die anderen lernen mit und voneinander. Sie gehen gemeinsam neue Wege und werden bald unumstößlich für Gefahren von außen. Die gemeinsamen Erfahrungen sind dann der Bindekleber und nicht die vorher festgestellten Gemeinsamkeiten. Erfahrungen,die andere von außen nicht teilen. Erfahrungen, die Kompromisse erforderlich machten. Nicht jeder möchte das. Manche warten ihr Leben lang auf den einen Menschen. Den Menschen bei dem alles stimmen muss. Sie werden bitter enttäuscht.

Ich wünschte mir, Kompromisse wären nicht so verpönt. Präsidenten machen es vor und auch die Werbung gibt ihr Bestes Kompromisse schlecht aussehen zu lassen. Junge Menschen folgen dem Irrglauben ein Kompromiss sei ständig faul. Die Tatsache ist, es gibt kein Leben in einer Gesellschaft ohne Kompromisse. Wir leben unsere Individualität auf den Rücken anderer, so lange, bis jemand uns das Gefühl vermitteln wird auf unserem Rücken zu leben.

Erst da merken wir, ohne Kommunikation und den Willen eine gemeinsame Lösung auszuhandeln, werden wir zwangsläufig unter der Last zerbrechen.

Kompromisse sind das Salz in der Suppe, im Miteinander, welches wir uns so sehr wünschen.