BROTHER FROM ANOTHER MOTHER-

Sister from another mister?

Warum haben wir Freunde und Freundinnen, mit denen wir über die gleichen Witze lachen können, deren Denkansätze wir teilen können und die uns nie langweilig werden, auch nach Jahren inniger Freundschaft?

Warum finden wir in unseren Freundschaften oft das, was in der Partnerschaft manchmal auf der Strecke bleibt?

Jemand mit dem wir Emotionen teilen, die gleichen Bedürfnisse und uns am Ende des Tages auseinander gehen, ohne den Drang zu verspüren sexuell zu verschmelzen.

Manche Menschen scheinen uns so nahe, sodass sich zwangsläufig die Frage stellt: wo bleibt der Partner, der mir so viel gibt wie meine besten Freunde?

Wie oft saß ich neben Menschen, die weder über meine Witze lachten, noch meine Gedankengänge nachvollziehen konnten. Dennoch hielten wir Händchen, saßen beisammen als seien wir gegen jeden Sturm erhaben.

Waren die Beziehungen echt? So real wie unsere Freundschaften?

Gab es niemanden der uns ähnlich ist auf dem Markt der Eitelkeiten? Irgendwo da draußen sollte doch jemand sein, der uns nahe kommen kann, auf so vielen Ebenen.

Manchmal treffe ich auf Paare die diesen Spagat spielend schaffen. Sie sind Freunde und Paar. Nicht selten begegnen mir Menschen, die sich im Kompromisse schließen fit halten. Gemeinsamkeiten haben Seltenheitswert.

Einer sagte erst kürzlich zu mir, dein Seelenverwandter ist nicht zwangsläufig dein bevorzugter Partner. Richtig.

Aber einer der mich einmal so zum lachen bringt wie meine besten Freundschaften es können, ist mit Sicherheit der heilige Gral. So lange genießen wir was wir haben und sehnen uns nach dem was noch fehlt.

SCHLUSS MACHEN

Es ist kein Klischee so unbeliebt, dass man sich davon tatsächlich löst.

Frauen die ihren Partnern kurz vor Dezember Adventskalender basteln. Männer die überhaupt nicht auf solchen Kitsch stehen und sich bemühen regelmäßig hineinzusehen.

Da sind diese Welten zwischen uns, die ab und an aufeinander treffen und sich dann in einem Kampf um Krieg oder Liebe anziehen und wieder abstoßen.

Sind wir Single, versuchen wir diesen Zustand oftmals bedenklich schnell zu ändern. Wir irren durch das Internet und wischen nach Bestätigung immer rechts entlang. Die Qualität ist nicht entscheidend.

Wir versprechen uns nichts mehr. Keine Selbstliebe. Keine wahren Gefühle. Hauptsache niemand muss alleine Silvester feiern oder sich bis dahin Wochenende um Wochenende in den Schlaf onanieren.

Unter der Woche essen wir Pizza, sehen Filme, treffen Kollegen und fühlen uns so frei, aber an jedem verdammten Sonntag kriecht die Langeweile uns ins Gehirn und verzeichnet, was längst traurige Gewissheit ist. Wir werden nicht gewollt. Jemand oder niemand interessiert sich für uns.

Stattdessen gehen die Frauen in kurzen Kleidern auf die Piste, sich selbst einredend sie wollen genau so jetzt aussehen und rumlaufen. Die Männer währenddessen wissen um ihren leichten Stand. Irgendeine wird schon anbeißen, muss ja nicht die große Erfüllung sein.

Wir treffen uns in der Mitte und nennen das Kompromisse. Wir gehen auseinander und die eine Seite liegt verwundet in einem Meer aus Tränen und bedauert wieder kein Geschenk zu Weihnachten bekommen zu haben, während die andere Seite sich denkt „Na zum Glück muss ich mir jetzt keinen Stress machen…die Eltern verlangen ja sowieso nichts.“

Männer die mit Mitte vierzig noch kinderlos sind, werden es vermutlich bleiben. Frauen die mit Ende dreißig noch an die wahre schicksalshafte Liebe glauben, sollten aufhören Hollywoodfilme zu konsumieren, wie der Berliner Berghainbesucher sein Ketamin.

Eines Tages sind Klischees keine Klischees mehr, sie sind bittere Realität. Eines Tages wachen wir auf und unser Leben war ein einziger Witz.

DEN MUT SICH FESTZULEGEN

Liebe. Dieses Wort mit dem wir zum Ausdruck bringen, was uns die Hormone zu Beginn glaubhaft schönreden wollen. Später werden wir denken die Liebe kam uns abhanden und nur wenige von uns wissen, sie war da noch gar nicht geboren.

Heute weiß ich längst, Liebe ist nicht Verliebtheit. Liebe wächst an ihren Aufgaben. Sie entsteht da, wo der erste Zauber bricht.

Liebe ist im Prinzip nicht vergänglich, denn wer liebt, kann sich auch in den dunkelsten Stunden wiederfinden. Verliebte schaffen diesen Sprung nur selten. Sie stellen alsbald alles in Frage und fühlen sich wohlmöglich hingezogen zu neuen Herausforderungen. Dabei ist die Liebe eine Herausforderung für die es sich zu warten lohnt.

Wie bei einem Marathon, kochen die Emotionen über, je länger man sich auf der Strecke befinden. Anfangs ist man beflügelt und irgendwann der Sache überdrüssig. Erst nach und nach wächst das Vertrauen in die eigene Energie und Geduld. Am Schluss wartet die Belohnung. Ein gutes Gefühl. Ein Stolz den ganzen Weg bis zum Schluss gegangen zu sein.

Früher bin ich diesen Weg ungern gelaufen. Am Wegesrand standen die Verlockungen wie duftende Blumen. Jede wollte von mir gepflückt werden.

Heute weiß ich, es ist der Weg und die dort gemachten Erfahrungen, die mir mehr Substanz und Persönlichkeit versprechen. Mit jedem Streit, mit jeder Versöhnung, mit jedem Kompromis, jeder Reflexion, lerne und wachse ich. Neue Lieben können mir das nicht bieten, was eine dauerhafte Beziehung zu versprechen vermag.

Eines weiß ich außerdem, ich bin im Stande dies zu erkennen. Damit bin ich meiner Generation voraus. Wir vergessen, was existenziell ist. Vertrauen und Liebe.

VERTRAUEN ODER VERTRAUEN SIE NICHT?

Die allgemeine Meinung ist, wer liebt muss auch vertrauen können. Wer nicht vertraut, kann keine Beziehung führen.

Lange habe ich mir Gedanken gemacht, ob ich immer voll und ganz vertraue und wenn nicht, woran oder an wem es scheitert.

Klar, in erster Linie an mir.

Da sind all diese Erfahrungen, verlorenes Urvertrauen in der frühsten Kindheit und Partner die mich immer wieder haben misstrauisch werden lassen. Betrogen hat mich angeblich nie einer und dennoch, es wurden Heimlichkeiten ausgetauscht und mein Vertrauen auf eine harte Probe gestellt.

Doch wie erlangt man Vertrauen? Ich denke mir immer, man muss es sich verdienen und eine kleine Portion Vorschuss sollte gewährt werden.

Lerne ich jemanden kennen, ob im Beruf oder privat, weiß ich noch so gar nichts über das Gegenüber. Wir beginnen neu. Jeder muss sich kennenlernen (dürfen). Und einige Menschen gehen positiv und mit viel Offenheit in diese Beziehungen, während andere sich hineinschleichen und erstmal umsehen wollen.

Es gibt nicht umsonst die berühmte Probezeit. Alles darf beschnuppert werden und wenn es nicht passt, geht man.

In Partnerschaften ist das ganze noch komplexer. Es beginnt bei dem öffnen der Haustür, über das Öffnen der Beine, bishin zu seinem Höhepunkt, des Öffnens des Herzens.

Und während man selten zu hören bekommt „Wir nehmen kein Kondom, ich vertraue ihm/ihr!“, hört man häufig „Ich vertraue ihm/ihr, wir sind einander treu!“.

Wieso aber diese Einfachheit bei so etwas wichtigem wie den eigenen Gefühlen?

Klar, eine Geschlechtskrankheit, im schlimmsten Fall bis zum tödlichen Verlauf, kostet einiges. Der Bruch eines Herzens ist reparabel. Mehr oder minder.

Es gibt immer noch Männer die glauben, wenn die PartnerIn ihnen kein Vertrauen schenkt, hat sie einen Knall und ein Problem sowieso. Da wird sich gewunden und gerechtfertigt, wieso eine Frau ohne Vertrauen eben einfach nicht passt.

Dabei frage ich mich, hat sich der entsprechende Mann mal seinen Lebenslauf durchgelesen? Soundso oft die Ex betrogen, vielleicht noch nie mit einer Frau zusammengelebt, lange Junggeselle und viele Affären usw.

Wer setzt bitte auf so ein Pferd?

Vertrauen ist wichtig und notwendig, um eine Beziehung gut und lange haltbar zu machen. Ohne geht es nicht. Geschenkt sollte es dennoch nicht werden.

Viele Menschen verlieben sich und noch mehr Menschen sehen ihre Partnerschaft schnell wieder enden. Nur die wenigsten Ehen werden heutzutage nicht mehr geschieden und die Gründe sind vielfältig, aber sind wir doch nicht dumm…Betrug spielt eine große Rolle.

Weil aber jeder gerne macht was er will und jeder das Gefühl hat die eigenen Gefühle seien sowieso die wichtigsten, wird aus „Vertrau mir!“, schnell ein „sonst mache ich Schluss!“.

Nicht wenige Partner (häufig Frauen), lesen da dann die E-Mails des anderen und stalken im Netz nach Exfreundinnen. Unsicherheit ist ein Genickbrecher.

Männer die sagen:“Wenn du das tust, trenne ich mich!“,machen es sich sehr leicht. Sie erkennen das Problem nicht und wollen sich dem auch scheinbar nicht stellen. Rücksichtnahme muss nämlich beiderseits erfolgen.

Eine Freundin von mir spioniert ihrem Partner seit Jahren nach. Sollte sie etwas finden, wird sie sich bestätigt fühlen. Sollte sie etwas finden, wird sie in ein Jammertal stürzen. Sie weiß es. Ich weiß es.

Dennoch, ihr Vertrauen ist angekratzt. Wie also damit umgehen?

Ist es ein Privileg oder ist es harte Arbeit zu vertrauen? Bekommt man es geschenkt oder musste man dafür etwas tun?

Ich bin der Meinung, Vertrauen lässt sich nicht einfach nur so dauerhaft auf einen ein. Es ist anfangs als zarte Pflanze zu verstehen, die man mittels Pflege und Geduld aufzieht.

Vertrauen ist wichtig und alles was wichtig ist, muss gut behandelt werden.