ARMUT TUT WEH

Üblicherweise pendelt sich Monat für Monat mein Kontostand ein. Ich habe mal mehr Ausgaben, wenn zum Beispiel jemand Geburtstag hat oder ich eine kleine Reise finanziere oder weniger Ausgaben.

Alles in allem war ich seit fünf Jahren nicht im Dispo und habe mir ein Leben ermöglicht, ohne fremde Hilfe. Es gab nichts, an dem es mir und den Kindern mangelte, auch wenn ich sparsam war und Luxus sich eher in Kleinigkeiten niederschlug. Als mein großes Kind nun ohne uns nach Ägypten fliegen durfte, war ich stolz dies alleine zustande gebracht zu haben und hatte ein schlechtes Gewissen, weil ich bei so manchem schönen Ferienerlebnis einfach nicht dabei sein würde. Kindheit in Armut ist schrecklich. Ich lasse meine Kinder dies möglichst nie spüren. Eher spare ich an mir und lege meine Bedürfnisse an letzte Stelle. Ein Umstand, den ich selbst zu verantworten habe, denn ich habe nochmals neu begonnen, meine Sicherheit gegen ein neues Leben getauscht.

Heute ging ich zur Bank und wusste, mein Kontostand pfeift gerade aus dem letzten Loch und die sonst magische Untergrenze dürfte unterschritten sein. Ich spare seit einem Monat wieder vermehrt und lege bereits Geld für den nächsten Urlaub im kommenden Jahr zur Seite.

Als ich jedoch mutig auf den Kontostand linste, fiel ich fast rückwärts um. Da waren noch genau 149 Euro mein Eigen. Mein Erspartes liegt woanders und soll dort auch bleiben, aber das Geld, zum Leben und Überleben, war weg. Ich war verwirrt und unsicher. Ich hatte keine großen Ausgaben getätigt und die letzten Jahre gehaushaltet wie immer. Nichts unüberlegtes oder sinnlos zum Fenster rausgeworfen. Was also war passiert?

Als ich den Kontoauszug begutachtete, fiel es auf. Ich hatte dahinplätschernde Ausgaben. Mal zwanzig Euro für einen Einkauf bei Netto, mal vierzig Euro bei Edeka. Alles im Rahmen. Auch die üblichen Fixkosten wurden eben weiterhin durch mein Gehalt gedeckt. Das Kindergeld floß pünktlich zu und die Miete in all ihrer Härte wieder ab. Monat für Monat. Doch halt. Wo war der Unterhalt geblieben?

Da war sie. Sie Realität hatte mich wieder einmal eingeholt. Ein unzuverlässiger Kindsvater, der bereits mindestens zwei Monate seiner Verpflichtung aus dem Weg gegangen war. Ich hatte durch ihn immerhin so viel weniger eingenommen, dass mein kleines Gehalt am Ende wie morsche Balken zu knarren anfing und unter der Last zweier Kinder, einer Wohnung, Strom, Essen und aller anfallenden Kosten zu brechen drohte.

Es ist ätzend von jemandem abhängig zu sein. Jemandem Monat für Monat zu vertrauen und so enttäuscht zu werden. Die Erziehung des Kindes, alle Bedürfnisse zu erfüllen, die Klassenfahrt, die Vereine, Versicherungen und Kosten zu decken für Schule, Kita und Hort, steht im krassen Missverhältnis zu dem was der Kindsvater sich ab und an aus der Rippe denkt zu schneiden. Statt mich zu warnen und mir zu sagen wo der Schuh drückt, laufe ich ins Messer.

Denn was viele Väter nicht wissen: der Unterhaltsvorschuss greift nur, wenn ein vorher gestellter Antrag bewilligt wurde. Das dauert und es muss über die Mutter in Angriff genommen werden. Ohne das Wissen um diesen nötigen Schritt, bleibt das Konto leer und der Weg in die Armut wird geebnet.

So fühle ich mich jetzt also verraten, bin erschöpft und wütend. Nicht ich hatte mein Leben nicht im Griff, war zu verschwenderisch oder konnte nicht mit Geld umgehen, sondern er. Nicht ich war es, die sich aus einer Verantwortung zog, sondern er. Nicht ich musste mit den Konsequenzen leben, sondern wir. Niemals würde ich den Lebensstandard meines Kindes drosseln, sondern noch eher meinen eigenen. Nicht meine Kinder müssen auf Medikamente, Urlaube oder gutes frisches Essen verzichten, sondern ich. Ich grabe ihnen ihre Zukunft nicht ab, aber er meine.

Es ist ein Unding sich so fühlen zu müssen. Arbeiten zu gehen, sparsam zu leben, niemandem zu schaden und nirgends zu fordern, aber doch tappt es sich als Alleinerziehende ständig in die Ex-Falle. Eines Tages werde ich aus der Wohnung ausziehen, meine Kinder in die Welt entlassen und hoffen niemals mehr zurück zu blicken. Ich möchte endlich sicher sein, vor der Willkür anderer Menschen und mir nicht mehr ihr Verständnis erhoffen.

Eines Tages wird mich heute nicht ruhig schlafen lassen.

MAMA, ICH KANN DAS ALLEINE!

Nicht selten machen Menschen andere Menschen von sich abhängig. Nicht selten handelt es sich dabei um nahestehende Personen, ob in einer Partnerschaft, ob bewusst oder völlig ahnungslos.

Manchmal sind auch Mütter die jenigen, die ihre Kinder bis ins hohe Alter nicht loslassen können und ihnen einreden, ohne die mütterliche Fürsorge geht’s nicht.

Ob das viel in Filmen und Büchern zitierte Bild der Schwiegermutter, die ihren Sohn, zum Ärger der Partnerin, jeden Tag fünfmal anruft oder die Glucke, die ihr Kind gar nicht erst ausziehen lässt, weil eigenständige Kinder eben keine Kinder, sondern Erwachsene geworden sind.

Sie alle haben vermutlich etwas gemeinsam, nämlich Angst. Sorge um das eigene Kind, Sorge nicht zu wissen wer sie ohne den anderen eigentlich seien.

Wer Kinder hat, verliert sich manchmal in ihnen. Da wird jeder Tag die ersten Jahre zur Zerreißprobe, zwischen mütterlicher Zuwendung und unerträglicher Nähe. Bleibt diese dann plötzlich aus, fehlt etwas. Eine Aufgabe mindestens. Aber wieso eigentlich plötzlich?

Wenn wir genauer hinschauen, wollen unsere Kinder doch nichts anderes als endlich autonom werden. Sie wollen uns entwachsen. Sie wollen eigenständige Menschen sein. Wir geben ihnen das Rüstzeug für eine Welt, in der sie sich früher oder später ohne uns bewegen müssen. Mütter die diesen Schritt unterbinden, indem sie dem Kind vielleicht einreden es könne ohne Unterstützung nichts werden, gibt es leider einige.

Kinder die nur schwer dieser Annahme entwachsen, leider auch. Sie bleiben ewige Kinder. Unselbständige Wesen, die wohlmöglich den Schritt nie aus dem Elternhaus wagen oder auch danach noch in ständiger Abhängigkeit zum Hörer greifen, um sich versichern zu lassen, ihre Mama ist noch da. Bereit sie in ihre offenen Arme zu nehmen.

Meine Großmutter entschied sich eines Tages, ihre Tochter in eine Wohnstätte zu geben. Da war diese bereits erwachsen und alle anderen Kinder, ohne Beeinträchtigung wie bei ihr, aus dem Haus. Es war Zeit. Zeit für meine Großmutter loszulassen und Zeit für meine Tante sich auf die eigenständigste Weise von ihr zu emanzipieren. Für beide ein großer und schwerer Schritt und dennoch notwendig. Keine nächtlichen Störungen, kein aneinander Rumnästeln. Jeder lebt sein Leben und jeder kann frei entscheiden, im Rahmen der Möglichkeiten. Sie sehen sich, sie haben sich, sie gehen dennoch getrennte Wege.

Eine Dozentin von mir hingegen lebt mit ihrer beeinträchtigten Tochter zusammen und pflegt diese, obwohl bereits jenseits der fünfzig. Daran kann nichts verwerflich sein, außer die missglückte Idee von Inklusion und Selbstbestimmung. Natürlich kann man sich je nach Fall und Situation kein Urteil erlauben. Dass wir in einer Gesellschaft aber noch immer glauben, Mutter zu sein, bedeutet sich sein Leben lang dem anderen zu verpflichten und gleichzeitig dem Kind aufzubürden es sei eine Verpflichtung, ist schade.

Kinder sind nicht unser Lebenssinn, den wir verlieren, weil wir ihn ziehen lassen. Sie sind nicht für uns verantwortlich. Das sind wir selbst. Und wir sind es ihnen schuldig, sie gehen zu lassen, wenn sie das möchten. Sie niemals von uns abhängig zu machen und ihnen alles, aber auch wirklich alles zuzugestehen, was sie sich wünschen.

Hören wir ihnen zu und ignorieren nicht, was sie sich von uns wünschen. Ein eigenes Leben.

KINDS GESPÜR FÜR DISTANZ

Mein kleines Kind ist seit einigen Tagen sehr weinerlich und nun auch anhänglich.

Schon morgens schleicht es in mein Bett und schläft neben mir weiter, während ich dann hellwach bleibe, bis der Wecker uns erlöst.

Zur Kita möchte mein Kind getragen werden, denn das Fahrrad scheint momentan eine unüberwindbare Distanz zu schaffen. Nach der Kita wird sofort in einen weinerlichen Ton umgeschaltet, der sich bis in die Abendstunden fortführen lässt. Selbst Bestechung im Form von Eis oder einem Trickfilm helfen nicht mehr und die Flucht in die Badewanne wird boykottiert, weil jetzt unbedingt gemeinsam gebadet werden soll.

Was wir bereits längst überwunden hatten, wird nochmals aufgerollt. Diese unsichere Haltung, in der das Kleinkind denkt, die Mutter wäre von einem zum nächsten Augenblick wohlmöglich verschwunden.

Während ich mich frage, warum Kuscheleinheiten auf dem Sofa und gemeinsame Ausflüge zum Eis essen oder auf den Spielplatz momentan nicht ausreichen, wird mir bewusst, dass mein Unwohlsein sich vielleicht unbewusst übertragen haben könnte.

Ich arbeite, lerne, muss abends mit dem großen Kind lernen und Referate vorbereiten und mache ganz mechanisch den Haushalt und das Abendessen. Am Tisch sitzen ich dann oft erschöpft über dem Teller und weigere mich die Essenskritik meiner Kinder anzunehmen. „Dann esst eben nicht!“,fluche ich leise. Dieser sonst so dicke Geduldsfaden wird immer dünner und das Verständnis für jedes eigentlich so wichtige Problem meiner Kinder, fühlt sich an wie Verrat an all meinen Mühen.

Natürlich habe ich gerade alles im Griff. Die Arbeit ist hart, macht aber Spaß. Ich bekomme viel Anerkennung und gehe jeden Tag gerne zu den mir anvertrauten Kindern. Meine Partnerschaft ist besser als je zuvor. Keine Konflikte die wir nicht lösen könnten und Harmonie pur. Ich bin immer auf Höchstleistung gelaufen die letzten Jahre, was sich gesundheitlich jedoch immer wieder gerächt hat. Aber Probleme? Nein. Eigentlich nicht. Selbst finanziell bleibt es stabil und für diverse Urlaube spare ich so nebenbei.

Wenn ein Mensch aber funktioniert wie es von ihm erwartet wird, zum eigenen Erstaunen und mit einer Portion Stolz, muss sich dennoch nicht alles als richtig erweisen. Da gibt es diese Momente, in denen Fehler schwerer verziehen werden und insbesondere die eigenen immer wieder als Schwäche ausgelegt werden. Mit dieser Strenge im Bauch, optimiere ich mich tagtäglich noch ein bisschen stärker und merke wie die Seele den Körper endlich verstehen will. „Ach du brauchst Ruhe, alter Freund.“

In diesen Augenblicken scheint mein Kind eine Distanz zu spüren. Eine Veränderung. Jemand der „nein“ sagt oder mit müdem Blick ausweichend auf die Frage reagiert, ob abends noch etwas vorgelesen wird.

Mein Kind sucht nach mir, weil ich mich zurückgezogen habe. Ich bin in der Badewanne oder drei Minuten länger auf der Toilette. Ich signalisiere, dass nicht meine Kinder das sind, was ich aktuell am meisten brauche.

Natürlich wird sich diese Phase wieder mit einer großen Portion Achtsamkeit und gelebter Sicherheit legen. Ich überwinde meinen Perfektionismus und mein Kind seine Furcht vor Veränderung.

Bis dahin läuft eben noch eine weitere Folge Paw Patrol im Nebenzimmer.

BOYKOTT AUS DEM KINDERZIMMER

Wer kennt es nicht? Am späten Nachmittag betritt man endlich seine eigenen vier Wände. Die Wäsche wird schnell angestellt und die Spülmaschine noch dazu. Nebenbei schnippelt sich das Abendessen wieder nicht von selbst und mindestens ein Kind möchte bespielt werden, während das andere Kind noch Hausaufgaben machen sollte.

Heute ein Referat zum Thema Griechen gegen Ägypter. Wieso ausgerechnet dieses Thema, frage ich und erhalte die Antwort, es sei eben genug Fachwissen über beide Göttergestalten vorhanden und so ein Plakat ließe sich ja schnell machen.

Also basteln wir seit drei Tagen, eher Abenden, gemeinsam an einem Plakat, auf deren selbstgemalten Pyramiden-Tempel ich sehr stolz bin. Dazu druckt sich unser alter geliehener Drucker wund und ich klebe, schneide und schnauze, weil nebenbei eine Notiz des Klassenlehrers verriet, mein Kind sei nicht nur schon wieder fauler geworden, sondern auch vergesslich.

Donnerstag eine Deutscharbeit und Dienstag eine in Englisch. Da die Informationen nur tröpfelnd in die WhatsApp-Klassengruppe zu Themen und Materialien eintreffen, schreibe ich nebenbei eine Mail an den Lehrer und hoffe dieser ist mir wohlgesonnen. Ist er.

So neben Bastelstunden, Abendessen kochen und Klassenarbeiten vorbereiten, kommuniziere ich außerdem mit meinen Kolleginnen über die Arbeit und mache Notizen für den kommenden Tag. Bloß nichts vergessen, bloß alles im Blick haben.

Ich sehe in den gähnend leeren Kühlschrank und das Klopapier schreit nach Nachschub, aber der Regenguss hat mich heute so überrascht, da war die rettende Wohnung eine willkommene Abwechslung zum sonst so durchgeplanten Tag zwischen Supermarkt und Kita.

So wird mein Tee wieder kalt, während ich im Hausaufgabenheft die kryptische Mitteilung lese „Anzahlung Klassenfahrt“. Ich ahne Schlimmes. Jetzt bin ich eine dieser Mütter, die scheinbar zu blöd sind pünktlich Geld zu überweisen oder Kinder haben die Zettel nicht weiterleiten. Ratet!

Also sitze ich abends noch schnell aufrecht im Bett und tippe die Überweisungsdaten ein. Wieder hundert Euro weg, die woanders besser angelegt wären. Ich könnte inzwischen schreien oder wenigstens weinen, aber stecke mir stattdessen noch ein Stück Schokolade in den Mund. 80 Prozent Kakaoanteil natürlich, denn ich mache seit zwei Wochen kaum Sport und möchte mir nicht noch neben dem Abend die Figur ruinieren.

Und dann, wenn das Kind gebadet, das Referat geschrieben, das Plakat geklebt, Wäsche und Abwasch erledigt sind…dann fällt mir das eigene Studium noch ein und ich lese, schreibe, tippe, reflektiere und mache neben zwei Hausarbeiten noch eine weitere, die ich seit Wochen vor mich hinschiebe. Selbst Schuld.

Warum mein Kind mir in den vergangenen zwei Wochen nie von den Klassenarbeiten oder der Klassenfahrt erzählen wollte, bleibt nur zu ahnen. Wo die Zettel landen und ob da noch mehr liegen, auch.

Ob es sich jemals anders anfühlt, frage ich mich still und heimlich manchmal. Sicher, weiß ich. Eines Tages ziehen die Kinder ja aus und eines Tages bin ich mit der Ausbildung durch, habe nur noch Arbeit vor mir und kann mich ausruhen. Ich kann mir die Klassenfahrt leisten, ohne woanders zu sparen. Ich kann wieder Sport treiben und Filme sehen, Bücher lesen und Freunde treffen. Ich kann wieder aufatmen, weil niemand abends um Hilfe bittet und ich am kommenden Tag nicht unvorhergesehene Dinge erledigen muss.

Bis dahin hoffe ich gesund und fit zu bleiben, denn aktuell fühlt sich mein Leben an, als würde ich eher heute als morgen einfach so umkippen.

Wie mein Kind darauf reagiert, ob es dann wenigstens daran denkt mir den Arzt oder Totengräber zu rufen oder ob es über mich hinwegsteigt wie über eine unliebsame Englischarbeit, bleibt abzuwarten.

I CARE

Ich habe zwei Kinder. Beide mehr oder minder alleine großgezogen. Schon in den Beziehungen zu ihren Vätern.

Jetzt gibt es immer wieder Stimmen die für das Wechselmodell nach einer Trennung sprechen und Frauen die behaupten, Alleinerziehende sei man erst, wenn auch an den Wochenenden keine zweite Person aushelfen könne.

Ich halte diese Aussagen für grenzwertig.

Wie überall sollte der Einzelfall entscheiden. Nicht jedes Kind braucht einen Elternteil, der gewalttätig oder sorglos ist. Einen Elternteil, der keine Ahnung hat und auch nicht haben möchte. Einen Elternteil, der sich nur Elternteil schimpfen kann, weil das Genmaterial ihn dazu macht.

Wie viele Väter haben beispielsweise kaum Interesse an einer 50/50 Regelung und wie viele Väter hatten während der gemeinsamen Zeit schon kaum Lust auf Haushalt, Erziehung und Beziehungspflege? Wie viele Väter kennen die Blutgruppe ihres Kindes, wissen um Allergien und wie der beste Freund des Sprösslings heißt? Welche Musik läuft aktuell am liebsten im Kinderzimmer und welches Essen darf in der Brotdose nicht fehlen? Wer animiert das Kind zu den Hausaufgaben und hat schon jemand das Geschenk für Oma gebastelt? Also wenn Väter sich um all das und noch mehr mühen, steht dem Wechselmodell nichts im Weg. Sonst ist das reines Rachegeblubber. Der Trend sich trotz wiedersprüchlichem Gebaren vor Richter und Jugendamt, auf das Kindeswohl zu stützen, dabei aber keinen Unterhalt zahlen zu wollen und auch Jahre zuvor niemals selbst Winterschuhe oder Badehose gekauft zu haben. Die fixe Idee das Kind nun aber sehen zu wollen, allerdings zu vergessen, dass sehen auch spielen, pflegen, versorgen, umsorgen und schützen bedeutet. Wer war die Jahre zuvor zu Hause, wenn Fieber und Schnupfen plagten? Wer saß auf dem Amt und hat den Hortplatz beantragt, die Kita erstritten und auf dem Spielplatz Äpfel aus der Büchse gezaubert?

Wer hat seinen Job hinten angestellt und wusste die Rente wird’s später danken?Nicht.

Und welche Frau erinnert sich nicht noch mit schaudern an den Mann, der von der Arbeit kam, sofern er einen Job hatte, behauptete er sei müde und hungrig, weshalb die Kinder nun warten müssen? Welche Frau hatte nicht schon mal das Gefühl sowieso alles alleine machen zu müssen und nun auch noch neben einem Mann zu leben, der durch einen durchsieht, keine Ahnung hat wann der Jahrestag sei oder die Kinder Geburtstag haben? Welche Frau weiß nicht, um die Demütigung, weil der Mann denkt sein Mittagschlaf sei wichtiger als ihrer und der Kaffee stünde morgens ganz alleine auf dem Tisch?

Alleinerziehende die alle zwei Wochenenden ihre Kinder zu den Vätern geben können, tun dies nicht leichtfertig. Sie wollen sich nicht schämen für die freien Tage oder zurück erinnern an einen lieblosen Partner. Sie haben gekämpft, anfangs für die Familie, später für den regelmäßigen Umgang. Die Zeit nach der Trennung, wenn viele Väter behaupten das Kind sei bei der Mutter besser aufgehoben. Wenn viele Väter nicht wissen wann die Kita Schließzeiten hat und ihren Urlaub nicht flexibel umbuchen können. Wenn viele Väter hoffen, die Großeltern springen an den Wochenenden ein, weil Kinder erziehen doch nicht so einfach ist. Wenn viele Väter sich fix eine neue Partnerin suchen, die an besagten Wochenenden mit dem Kind Eis essen geht und die Wohnung putzt.

Ich weiß um meine Stärke und ich kenne den beschwerlichen Weg dorthin. Ich sehe tagtäglich Freundinnen auf gleichem Weg kämpfen. Gegen Männer die ihre Kids nur alle paar Wochen einen halben Tag nehmen wollen. Gegen ein Stigma das aus ihnen Rabenmütter macht. Gegen den Ruf der Luxusmamis, die ja arbeiten gingen und sich dann ständig Pausen gönnen wollen. Für ihre Kinder und ihr eigenes Leben.

Alleinerziehende sollten aufhören sich gegenseitig in die Pfanne zu hauen. Und sie sollten zukünftigen Alleinerziehenden nicht sagen diese hätten es ja so gut mit Partner im Hause. Nein, haben sie bisweilen nicht! Noch ahnen sie es nur, aber bald werden sie es wissen. Der Partner ist Scheiße und sie erledigen diesen gottverdammten Job alleine.

Und zwar gut.