INTEGRITÄT

Nicht vielen Menschen gelingt es immer integer zu bleiben. Es ist nur zu menschlich seine Werte und Haltung zu verkaufen, wenn ein gutes Angebot höherwertiger erscheint.

Politik macht es vor, Medien es nach. Eben wurde uns ein Projekt als sozial und menschlich verkauft und im nächsten Moment wird es vom Kapitalismus gefressen.

Auch unbedeutend kleine Menschen können integer sein. Sie haben ebenfalls Werte und handeln danach. Der Spielraum diese Werte auszudehnen, ist natürlich größer und bleibt meist folgenlos. Freundinnen und Kollegen wundern sich nicht seltener als die breite Öffentlichkeit, aber es bliebe am Ende bei einem Gespräch oder einem Stirnrunzeln.

Wer jedoch mit einem Bein in der Öffentlichkeit und dem anderen Bein in seiner kleinen privaten Überlegenheit schwebt, dürfte sich weniger Ausrutscher auf dem Paket erlauben. Da wird jedes Anprangern einer anderen Person mit Argusaugen beobachtet: bleibt die Person denn selbst makellos? Frei von Fehlern? Unantastbar vor dem hohen Gericht des Internets?

Wenn ich mich gegen Diskriminierung und Rassismus ausspreche, dürfte ich beispielsweise meine Prinzipien nicht für einen kurzen Moment der Aufmerksamkeit über Bord werfen. Das große Geld ist nie so viel wert, wie der Verlust meiner Glaubwürdigkeit mich nachher kostet.

Wer sich gezwungen sieht finanziell am Hungertuch die Hand des Teufels zu greifen, kann natürlich weitaus weniger integer sein. Da fehlt es an allen Ecken und Kanten.

Aber genau so funktioniert dieses System. Jemand der wenig hat oder nach einem Mehr trachtet, ist empfänglich für die Verlockungen des anderen. Es würde unter Garantie niemals jemand wahrer Größe und klaren Verstandes etwas verraten, mit dem Wissen diese Würde bliebe unantastbar.

Seine Prinzipien sollte man regelmäßig überprüfen. Bin ich wer ich vorgebe zu sein oder bin ich eigentlich nur wer ich gerne sein möchte? So gerne wären viele Leute taff, klug, weise und Vorbilder. Warum sind sie es dann nicht einfach?

DER FEIND DEN ICH BRAUCHE

Die postmoderne Generation voller Comicfans, Leseratten von Kriminalromanen und Netflixern bestimmter Sparten, kennt folgende Regel: jeder Held braucht einen Gegenspieler, jeder Bösewicht einen an dem er sich abarbeitet. Alles Yin sein Yang, alle Ruhe einen Sturm.

Die Welt wäre ein besserer Ort, würden wir alle in Frieden miteinander einig bleiben, hätten wir Nichts am anderen auszusetzen und am Ende stirbt es sich vermutlich vor Langeweile zu Tode.

Wer sich immer wieder genau wie ich fragt, warum es den Hashtag #Tinder nur noch auf Twitter gibt, um sich über die VersagerInnen lustig zu machen, die einem wiederholt ins Netz gingen – Wieso es scheinbar Normalität sei sich immer und immer wieder dem gleichen Horror auszusetzen, obwohl man vielleicht noch in selber Nacht, so es überhaupt zum Date kam, beklagt wie ätzend das Gegenüber sich verhalten hat – Warum all diese Erfahrungen nicht dazu führten, sich einfach von all dem Irrsinn zu lösen, der hat den Nutzen des Gegenspielers nicht verstanden.

Worüber würden Autoren schreiben, wenn ihre Heldin nicht permanenter Willkür, dreisten Mechanismen und einem harten Gegenwind ausgesetzt wäre? Wer würde Bücher lesen, in denen ganze Utopien störungsfrei vor sich hinexistieren könnten? Wie viele FollowerInnen bekäme ich, wenn ich nicht in permanenter schlechter Laune meinen Alltag zu einem Fest der Sinne hochstilisieren würde?

Vermutlich wäre es nicht nur langweilig sich mit dem anderen auseinander zu setzen, nein, binnen kürzester Zeit wäre mir meine Zeit auch zu kostbar. Ich könnte gänzlich ohne den Tratsch und die ganzen Emotionen einfach eine Spaziergang machen, Ausflüge ans Meer planen und Geld beiseite legen, an den Wochenenden an denen ich in irgendeinem Café Eis verkauft hätte. Es wäre mir vielleicht möglich mich anderen wichtigen Themen zu widmen, wie der Frage nach einer Kohlekraft-Alternative oder ob es wirklich notwendig ist fünfmal die Woche baden zu gehen.

Stattdessen kümmern mich die Gedanken und Sorgen der anderen genau so intensiv wie um meine. Ich lebe ihre Geschichten mit. Bin hautnahe dabei, wenn wir uns alle bis auf die Haut entkleiden und unser Inneres nach außen krempeln. Wonach sehnt sich unser Herz, wenn nicht nach Berührung? Und was berührt so sehr wie Leid und Sehnsucht?

Was uns den Alltag erleichtert, ist die Mentalität alles was wir vermissen (Geld, Sicherheit, Liebe, Nähe, Sorglosigkeit), auszugleichen. Wenn es uns nicht möglich ist Gleichungen der Quantenphysik zu lösen, ein Mittel gegen AIDS zu erfinden oder die Welt auf einem Segelboot zu erkunden, lehnen wir uns auf dem Sofa zurück und stöbern online durch fremde Leben. Da erkennen wir unser trostloses Sein vielleicht wieder und schaffen uns Probleme die keine sind, Feinde die keine sein müssten und kreieren eine Wut und viel Hass, damit wir die Gefühle der Einsamkeit und des Verlustes irgendwie überspielen können.

So war Superman vermutlich lange sehr einsam und alleine, mit seinem Geheimnis, ohne lebende Verwandte, ohne Liebe und immerzu Gefangener seines Doppellebens (zwei Jobs! Und einer davon sehr undankbar). Er brauchte seine GegenspielerInnen. Menschen und Monster an denen es sich reiben ließ, die ihn etwas fühlen ließen, die wiederum ihn brauchten für Selbiges.

Wer alleine ist und sich schrecklich langweilt in seinem Leben, umkreist gerne lange das, was dem Leben kurzfristige Kicks gibt. Dies kann das allabendliche Glas Wein sein, der Joint auf dem Balkon, das Koks auf einer Party, die Masturbation zu den allerschlimmsten Pornos, die Wut auf alle Kollegen im Job, die Wut auf den Partner zu Hause, die Wut auf den Staat, die Wut auf alle Männer oder Frauen dieser Welt. Um sich diesen Hass nicht auch noch nehmen zu lassen, muss man ihn pflegen. Sich ihm hingeben.

Wir sind gefangen in unserer Blase, jede/r in seiner/ ihrer. Und die Nachbarn in der eigenen anderen Blase sehen das, reagieren darauf, aber niemand, weder wir noch sie, sind in der Lage tatsächlich auszubrechen. Unsere Leben gaukeln uns Kontrolle vor. Wenn nicht wir, wer hat sie dann?

Alles was wir tatsächlich haben, ist die absolute Sicherheit, dass wir nichts mit Sicherheit haben. Bis auf den Sprung in der Schüssel.

DIE ÜBERWINDUNG DES EGOS

Rache, Niedertracht, Aggressionen. Diese und viele Minderwertigkeiten üben wir Menschen gerne dann aus, wenn jemand uns in unserer Ehre gepackt hat oder wir Handlungen an uns so interpretiert haben. Es reichen kleine Aussagen, uns Sturm laufen zu lassen. Bisweilen gibt es sogar (und gar nicht mal so wenige) Menschen, die fühlen sich auch stellvertretend für oder durch andere verletzt und gedemütigt, gehen dann also in die Offensive, wo etwas mehr Reflexion bereits erste Wogen geglättet hätte.

Aber woher stammt dieses Gefühl? Denn etwas anderes als ein Gefühl ist es nicht. Wir sind mit etwa 95 Prozent aller Gedanken emotional dabei, bevor der Verstand sie umwandeln kann. Die übrigen 5 Prozent werfen wir in den Ring, wenn sich etwas wirklich sehr klar oder ggf. als unumstößlich nüchtern betrachten.

Wie auch immer. Woher die Wut?

Angst. Die Urangst des Menschen nicht geliebt oder geachtet zu werden, lässt sehr viel leichter Emotionen hochkochen. Wer sich unbewusst in seine Kindheit zurückversetzt sieht, in der vielleicht ein Mangel an Aufmerksamkeit, Liebe oder Autonomie herrschte, geht im Erwachsenenalter schneller an die Decke. Es fehlt der Zugang zu sich selbst und damit auch zu anderen.

Wer einen Mangel spürt, möchte diesen ausgleichen. Wir belassen es nur selten dabei. Wir streben danach, eine Verbesserung zu erzielen. Dafür benötigen wir sowas wie einen wertschöpfenden Zustand. Unser Job kann uns Werte vermitteln oder den Eindruck machen, wir seien wertvolle Mitglieder der Gesellschaft. Unser/e PartnerIn ebenfalls. Der Status unseres Familienlebens: Single oder verheiratet, geschieden oder getrennt usw. Wir können eine Wertigkeit aus unseren Kindern gewinnen. Je besser sie sich positionieren, umso mehr Achtung fällt auf uns zurück.

Sind wir dann aber wirklich satt und zufrieden? Nein. Es gilt unsere Werte zu verteidigen. Wenn es sein muss, bis auf’s Blut.

Da wird jede Kritik eben als Angriff gesehen und jede Störung in aller Deutlichkeit unterbunden. Wer Angst hat etwas Selbstaufgebautes zu verlieren, wird dafür kämpfen. Der Kampf lohnt sich hier, denn etwas wofür man gearbeitet hat, hat ja auch einen hohen ideellen Wert.

So fühlen wir uns also endlich wertgeschätzt und wohl. Aber Achtung! Wirklich vertrauen können wir nicht. In erster Linie nicht in uns. Denn das wurde uns nicht mitgegeben.

Wir waren als Kind vielleicht immer abhängig von den Erwachsenen, haben nach ihren Regeln gelebt und verlernt uns zu vertrauen. Vermutlich haben sie uns das Gefühl gegeben, wir seien ohne sie nicht viel Wert. Auf ihrer Anerkennung beruhte unsere Freude und Lebenslust.

Ohne es zu ahnen, sind viele von uns davon noch heute abhängig. Nur erweitern wir unseren Kreis. Es sind nicht ausschließlich die Eltern, sondern auch die Freunde, PartnerInnen, Kollegen und Chefinnen. Es sind unsere Kinder und alten Dämonen. Wir brauchen ihre Liebe und Zuwendung.

Wenn wir diese nicht so erfahren, wie wir sie uns aber wünschen, führt dieser gefühlte Mangel zu einem Problem. Dies gilt es also zu lösen.

Je nachdem wie wir gestrickt sind, vielleicht über Jahre durch Unterdrückung. Erstmal uns selbst, die Gefühle der Angst und Verzweiflung sollen weg. Später bei anderen. Wir kreisen und die Muster der Kindheit und geben sie weiter an die eigenen Kinder. Eventuell sind wir aber auch gleich sehr aggressiv. Man könnte sagen, hier werden die Gefühle wenigstens nicht unterdrückt. Gut für uns? Eventuell. Je nachdem wie stark die Aggressionen sind. Anderen Schäden zuzufügen, sollte durch innere Grenzen ausgeschlossen werden. Wird aber viel zu selten. Es sind nicht einmal die körperlichen Schäden, nein. Wir graben anderen das Wasser ab, werden gemein, diskriminieren, schließen aus und demonstrieren eine eigentlich nicht vorhandene Macht und Stärke.

Sind wir dadurch glücklicher?

Nicht im geringsten. Wir laufen sogar Gefahr weitere Generationen gleichen Unglücks zu schaffen. Wütende, ängstliche Menschen wie uns.

Es gibt nur einen Weg im Erwachsenenalter das Ruder herumzureißen und der muss lauten:

Selbsterkenntnis.

Sich zu entlarven und mit sich ins Gericht zu gehen. Sich zu verzeihen, den Eltern, der Kindheit. Sich Raum zu geben endlich zu wachsen. Sich einen Wert zuzuschreiben, unabhängig von getanen Leistungen. Mit der Geburt sind wir. Wir sind also wer.

Es ist schwer sich aus Mustern zu befreien, aber die Erleichterung darüber setzt schneller ein, als die Jahre der eigenen Unterdrückung es vermuten lassen.

Sich und anderen etwas zu vergeben, löst sofort Blockaden.

Weiteren Generationen Liebe und Anerkennung mitzugeben, erfüllt das eigene Herz stärker, als Anerkennung anzunehmen.

Sich nicht mehr nur zu spüren, durch das Leid, die Rache und Wut an anderen, ist essentiell, um wieder am Leben teilzunehmen.

Unser Ego braucht keine Anerkennung mehr von Außen. Das Außen sind wir. Wir sind die Gesellschaft. Wir sind die Gegenwart. Wir schaffen die Zukunft.

KOMM WIR SPIELEN ERWACHSENE

Morgens ist meine Wohnung lichtdurchflutet. Die Sonne strahlt durch das Badezimmer in den Flur. Ich öffne im Schlafzimmer die Fenster, mache die Vorhänge auf und das Bett frisch. Ich stelle den Wasserkocher für einen Kaffee an und nehme im Bad die trockene, wohlriechende Wäsche ab. In Gedanken bin ich bereits dabei, den Tag zu planen. Schwimmbad mit Kind, neuen Reisepass beantragen, danach möchte es irgendwo legal Graffiti sprühen gehen. Seit gestern kennen wir viele geeignete Orte.

Auf dem Weg zurück in die Küche, kurz nachdem ich Handtücher gefaltet habe und kurz bevor ich meinen Kaffee braue, sehe ich etwas Staub auf den Dielen. „Man, ich muss wieder wischen. Hab ich doch erst vor drei Tagen…“,murmel ich.

Ich denke mir, andere Erwachsene mögen vielleicht täglich fegen, saugen und wischen. Ich schiebe so lange es geht den Staub in die Bodenrillen. Wenn Besuch kommt, werde ich aber zum Putzteufel.

Dann sehe ich in den vollen Kühlschrank, überlege dem Kind einen Apfel aufzuschneiden und Kakao zu machen. Während ich vorhin im Bad einen Blick in mein Spiegelbild warf, stand da keine Frau Anfang 30. Da war dieses etwas geschrumpelte Mädchen, mit der blonden Kurzhaarfrisur. Alles wuschelig, alles verschlafen. Die pinke Schlafanzughose und das Bowieshirt. Nicht sehr erwachsen.

Seit vierzehn Jahren spiele ich die Erwachsene und sehe anderen meines Alters dabei mit Erstaunen und Neid zu, wie sie scheinbar ganz locker Erwachsene sind.

Natürlich nicht jede/r von ihnen. Manche wirken dabei ebenso hilflos wie gescheitert, andere überdecken das Offensichtliche.

Ich hingegen habe da diese zwei Kinder, vor denen ich es einfach nie ganz schaffe die Erwachsene zu sein. Es bricht unausweichlich immer mal aus: mein inneres Kind.

Dann lobe ich über die Maßen, obwohl man das nicht soll. Als Pädagogin weiß ich es besser und doch bekommt mein inneres Kind dabei nur Gänsehaut.

Dann mache ich zotige Witze am Abendbrotstisch. Da muss ich mich ja nicht wundern, dass meine Kinder teilweise schon sehr ironische Wesen sind.

Dann gehe ich lieber fünfmal die Woche Eis essen oder erlaube das Frühstück im Bett, weil ich das damals als Kind nie hatte, aber immer wollte. Dass meine Kinder dann zwischendurch aufschreien, wenn ihre Mama gesundes Essen auffährt oder jeden Abend einen Bissen vom Salat verlangt, ist mir klar.

Ich kaufe ihnen lieber bunte Badeperlen, fülle die Wanne bis zum Rand mit Schaum und Spielzeug, statt mich zu fragen, ob eine kurze Dusche nicht ökologischer wäre oder wenigstens sicherer für meinen Geldbeutel.

Ich möchte jeden Tag Abenteuer mit ihnen und meinem Partner erleben. Wenn das nicht geht, wird mir schnell langweilig. Also schaffe ich mir Abenteuer. Manchmal ist es sowas banales wie Shopping oder Netflix.

Manchmal denke ich, ich hätte gerne so eine Mama wie mich gehabt. Offene Ohren, sehr weiches Herz. Doch dann merke ich, es fehlt uns an einem Gegenpart. Dem Bad Cop. Mein Freund erfüllt die Rolle mit mir im Wechsel, wenn er da ist. Bin ich alleine, muss ich gegen meine Natur und gegen meinen Willen sogenannte Machtworte sprechen, aufräumen als Vorbild, an alles Organisatorische denken, wie Schule, Kita, Behörde und Haushalt. Nichts darf mein inneres Kind daran erinnern, sich über die Arbeitswoche zu zeigen. Nicht leicht, wenn man in einer Grundschule arbeitet und eben genau das ab und an verlangt wird.

Zu Hause stelle ich es ab. Auf leise. Auf erwachsen.

Da säuselt es leise:“Aber wir haben doch erst vorgestern den Boden gewischt, mennoooo!“ Ich gehe dann mal mein echtes Kind wecken. Es gibt Apfel und Kakao.

ZWISCHEN GLAUBEN UND WÜRDE

Viel zu häufig finden sich Menschen in einem echten Dilemma wieder. Woran glaube ich? Was sind meine Werte? Kann ich ihnen immer gerecht werden?

Die Antwort sollte ehrlicher Weise „Nein“ lauten. Niemand ist unfehlbar und niemand kann sich in jeder Situation souverän genug behaupten. Manchmal bleibt einem einfach die Spucke weg oder es fehlt die Energie für einen Schlagabtausch. Gelegentlich finden wir uns in einem Leben ohne Möglichkeiten wieder, zumindest erscheint es uns so. Ab und an, treffen wir Entscheidungen, die sich gegen unsere Haltung stellen. Vielleicht zum Wohle anderer oder weil wir jemandem zur Loyalität verpflichtet sind, ob im Beruf oder der Partnerschaft.

Was aber, wenn wir zu denen gehören die am lautesten schreien, sobald wir ein in unseren Augen Unrecht aufdecken? Sind wir diejenigen, die sich dann häufiger rechtfertigen müssen, wenn wir daneben liegen? Ich glaube ja.

An einem Beispiel:

Es gibt Menschen, die setzen sich für Feminismus ein, wollen das Patriarchat zerschlagen und prangern Missstände dort an, wo sie angeprangert gehören. Im selbst Atemzug verhindern sie dennoch nicht, dass Männer in direkter Unterhaltung über andere Frauen bösartig sprechen, sie sogar als Fotze titulieren. Muss man Einhalt gebieten? Definitiv. Denn hier wäre es ein leichtes sich auf direkte Art und Weise stark zu machen. Sich auf eine niederschwellige Weise für die Geschlechtsgenossinnen stark zu machen, zu behaupten und Denkanstöße zu liefern. Warum geschieht das nicht? Weil es schwerer ist jemanden direkt zu überzeugen. Sich aufrecht zu zeigen. Sich vielleicht gegen einen Freund zu positionieren.

Immer wieder wird der Ruf laut, wer die Umwelt schützen möchte, darf aber auch kein Plastik verwenden oder mit dem Auto oder gar Flugzeug reisen. Alles soweit korrekt, aber die Grenzen verschwimmen hier zwischen gut und böse, richtig und falsch. Natürlich kann man nicht jedem gerecht werden, was aber wirklich stört, ist die Tatsache, dass man sich selbst vielleicht über eben jene Menschen beklagt hat, denen man ähnelt bis aufs Blut.

Wenn ich mich an etwas stoße, jemandem etwas aufzwingen möchte, was ich selbst in keinster Weise lebe, bin ich nicht in der Vorbildfunktion, sondern ein Spalter. Die Ambivalenz meiner Worte und Taten, führen beim Gegenüber zu Irritationen und schlimmstenfalls Wut.

Wer anderen ständig sagt was sie falsch machen, sollte über eine weiße Weste verfügen oder sich selbst nicht aus der Schusslinie nehmen. Denn es ist leicht andere zu belangen, wird aber zur Prüfung sein eigenes Handeln zu hinterfragen.

Es ist gut sich kritisch mit Missständen auseinander zu setzen. Es ist noch besser, seine eigenen Handlungen zu überprüfen und gegebenenfalls neu zu justieren.