BIS HIERHIN UND WIE WEITER?

Eigentlich sollte ich längst schlafen. Ich bin seit halb fünf wach und hatte Frühdienst. Wie so oft frühstücke ich danach erst einmal und lese währenddessen ein paar Schlagzeilen auf dem Smartphone. Heute ließ mich die ein oder andere Überschrift nicht zur Ruhe kommen.

Noch immer schreiben Medien auf fahrlässige und provokante Weise ihre Texte über die FifF-Bewegung. Greta kommt dabei als kleines grünes Alien daher, die scheinbar von einem anderen Planeten in Mission unsere Kinder zu verführen, startete. Sie wird von vielen Vertretern älterer Generationen mit dem Ballast ihrer Zeit belegt. Sie alleine habe es scheinbar zu verantworten, wenn ganze Jugendgruppen durch Städte laufen, Transparente schwingend und mutig. Sie sei es auch, die plötzlich die Umwelt gefährde, weil eben jene Schülergruppen ja nichts mehr lernen würden, um beispielsweise später zu retten, was die Elterngeneration zerstört hat. Sie ist ebenso Verführerin der faulen, launischen und doppelmoralischen Generation Z.

Alles geschrieben und aufgedeckt von, dreimal darf man raten: Genau, alten Männern. Schade.

Als gestern ein Obdachloser, irritiert und ggf. auf Drogen, auf einer Hauptverkehrsstraße tanzte und die Autos nur mit lautem Gehupe reagierten, mühevoll an ihm vorbeifahrend. Da waren es drei Frauen, eine davon ich, die zur Straße rannten, auf ihn einredeten und die Polizei riefen. Die Feuerwehr, ebenfalls ein Herr am Telefon, verweigerte schonmal ganz ihr Kommen und die Polizei wirkte irritiert. Klar, lassen wir das Kind doch in den Brunnen fallen und ihn überfahren. Drei Straßen weiter standen schon seit einer halben Stunde drei Polizisten und schleppten eine widerrechtlich geparkte Vespa ab, aber ein Verkehrstoter mehr oder weniger, vor den Augen der Kinder? Was soll’s!

Es sind genau diese und viele weitere Beispiele die mir zeigen, Bequemlichkeit beginnt im öffentlichen Raum. Die Wahrnehmung der Menschen reicht von hier bis vor die eigene Brust. Alles andere geht keinen was an. Und wer sich in den Weg stellt, stört.

Es ist traurig die Menschen dabei zu beobachten sich gestört zu fühlen. Ihnen zusehen zu müssen, wie sie sich winden und immer neue Dinge einfallen lassen, um ihre eigene Bequemlichkeit aufrecht zu erhalten. Umweltschutz ist unbequem. Da muss man was machen. Da muss man reagieren und sich eventuell sogar verändern.

Natürlich machen wir alle die gleichen Fehler. Wir sind doch keine Roboter oder Maschinen. Auch ich kaufe noch nicht im Unverpacktladen ein oder verzichte auf tierische Produkte. Aber muss ich, müssen wir, denn stets perfekt agieren, während Menschen mit echter Handhabe sich querstellen? Sind es nicht die großen Wirtschaftsunternehmen, die den längeren Hebel umlegen sollten? Sind es nicht die Politik, der öffentliche Dienst und die Beamten, die man einmal dazu zwingen muss ihren Job zu machen? Vorbild zu sein. Ihrer Verfassung treu zu bleiben.

Als der Feuerwehrmann mich aus der Leitung pöbelte, schoben bereits zwei zierliche Frauen den Obdachlosen von der Straße. Raus aus der Gefahr und rein in die Menschlichkeit. Ich war wütend, weil jemand seine Arbeit nicht getan hatte. Ich war dankbar, weil andere diesen Job ohne nachzudenken übernommen haben. Greta und viele andere übernehmen unseren Job. Die Aufgabe unserer Eltern und Großeltern. Die Aufgabe der Politiker und Unternehmerinnen. Die Aufgabe aller vergangenen Generationen, die nichts auf die Kette bekamen. Und sie machen es bestmöglich. Nicht perfekt, aber mit dem Ziel für eine bessere Zukunft für alle. Vom Kind bis zum Obdachlosen.

Liebe Medien, liebe Besserwisser, liebe Menschen mit Einfluss: dies mag eine naive Idee sein und sogar ein naiver Text, aber er tut niemandem weh und ist nicht auf Schaden ausgerichtet. Könnt ihr das von eurem Gebärden ebenfalls behaupten?

DATENDUMMHEIT

Man möge mich paranoid nennen oder mir sagen ich übertriebe hier etwas, aber wer immer noch nicht begriffen hat, dass die Nutzung von Onlinemedien große Verantwortung mit sich zieht, ist schlicht und einfach dumm.

Es gibt noch immer Menschen, die stellen Fotos ihrer Kinder ins Netz. Volle Möhre Frontalaufnahmen. So weit so harmlos, mag kaum noch jemand denken, aber dramatisch wird es eigentlich ja auch erst, wenn wir parallel zu den Fotos Trigger setzen.

Wie häufig sehe ich halbnackte Frauen, die sich auf Instagram oder Twitter räkeln. Sie performen um die Wette, für Anerkennung und Beachtung. Ihnen wird per eindeutigen Kommentaren rückgekoppelt, wessen Geisteskind dort folgt. Meist kann man die Kommentare oder Kommentatoren unter Ulk verbuchen. Peinliche alte Kerle sabbern sich und dem Instamodel auf den Bildschirm.

Alles eigentlich auch kein Problem. Selbstbestimmung bedeutet eben auch zu entscheiden, ob man gerne der Traum eines jeden Wichsers ist oder nicht. Wenn die sogenannte Stereotype von Influencerin dann auch noch etwas materiell entschädigt wird, entsteht eine Win-Win-Situation für beide Parteien.

Zu blöd nur, wenn diese Leute dann auch noch bei etwa 5000 Followern plus minus (sicher einige gekauft), vergessen, dass es einfach unklug ist seinen Status just in diesem Moment mit einem Ort, einer zuordenbaren Lokalität oder im schlimmsten Fall genauen Beschreibung der Umgebung und aktuellem Geisteszustand („Bin gerade total betrunken und alleine!“) zu versehen.

Natürlich, wer Single ist, stark wie ein Bär, schlau wie ein Fuchs und keine Kinder hat, kann ja prinzipiell auch tun und lassen was er will. Kim Kardashian wurde einst vermutlich aufgrund ihrer offenherzigen Art auf Instagram zur Zielscheibe eines Verbrechens. Raub.

Damals gab sie an sich aus der Welt der Medien zurückziehen zu wollen, weil jeder ihre Wege auf Schritt und Tritt nachvollziehen konnte. Die Verantwortung ihrer Person gegenüber ist das eine. Ein Raub noch harmlos.

Angenommen wir posten in jeder Lebenslage wo wir gerade stehen, wo wir in etwa arbeiten, leben, wohnen, uns zum Frühstück am Wochenende treffen und mit dem Kind den Tag verbringen. Angenommen wir haben Fotos unserer Kinder hochgeladen. Zwar von hinten oder unscharf, aber deutlich genug aufgrund von Kleinigkeiten Rückschlüsse zu ziehen. Angenommen wir würden ständig erzählen, wir seien Single, alleine, betrunken und spicken diese Infos mit Nacktfotos von uns. Tragen wir eine Mitschuld? Nein. Täter sind Schuldige.

Aber wir tragen eine Verantwortung. Dem Kind gegenüber und uns.

Unser Kind kann nicht begreifen wieso der perverse alte Lustmolch seiner Mutter ständig bissige Kommentare schickt, aber es kann all das nachvollziehen. Es kann Fragen stellen und Fragen gestellt bekommen. Erst in der Schule, auf dem Hof, später vielleicht im Bewerbungsgespräch.

Es ist an uns, unsere Kinder angemessen zu schützen. Ihnen einen sicheren Weg zu bereiten.

Die größten Promis haben es erkannt. Sie halten ihre Kinder aus der Presse. Je schlüpfriger der Star, umso verschlossener sein Privatleben. Wem das nicht gelingt, der achtet vermutlich auf eine Schar breitgebauter Bodyguards.

Wir, die sich keine Bodyguards leisten können, aber jeden Furz, jeden Fitzel unserer Persönlichkeit preisgeben wollen, sind mindestens den Kindern gegenüber verantwortlich klug und schützend zu handeln.

Es reicht nicht die Kinderfotos zu löschen. Es ist nur dann sinnvoll seine Kinder zu erwähnen, aufzuzeigen wo man gerade speist oder in welchem Museum man gerade tourt, wenn die Follower nicht aus alten notgeilen Böcken bestehen.

Wer die Büchse der Pandora öffnet, holt sich manchmal mehr ins Haus, als die Aufmerksamkeit es jemals zu rechtfertigen vermag.

Schützt euch und eure Kinder! Entscheidet euch welches Leben ihr leben wollt. Beides geht nicht.