GEWALT AN ALLEN

Zuerst einmal, ja, heute ist der internationale Tag gegen Frauengewalt. Ein wichtiges Thema und ohne Frage nicht kleinzureden.

Was aber ist Gewalt? Wie definiert man Gewalt? Wo fängt Gewalt an und wie erkennen wir diese?

Ist Gewalt ausschließlich die sogenannte Tracht Prügel?

Beginnt Gewalt erst im Erwachsenenalter oder setzt sie bereits viel eher ein?

Sind die Opfer von Gewalt lediglich an ihren blauen Flecken zu bemessen und der Härtegrad ebenso?

Nein.

Gewalt beginnt vielerorts schon lange vor dem ersten symbolischen Akt des Schlagens. Gewalt kann sich abspielen, wo wir Schutzräume vermuten und uns auf Menschen verlassen wollen.

In der Kita werden ErzieherInnen gewalttätig ihren Schutzbefohlenen gegenüber. Zu Hause brüllen Eltern ihre Kinder an und erheben im Streit die Hand.

Manche Gewalt ist sehr subtil. Fast unbemerkt und still. Es genügt ein Blick, eine vorher festgemachte Regel die nicht eingehalten wird und mit Drohungen quittiert.

Manchmal ist Gewalt ein Zeichen von Schwäche und nicht selten eine Demonstration von Macht.

Wer Gewalt praktiziert, wurde häufig selbst Opfer eben dieser Erfahrung. Wurde gepeinigt als Kind. Gedemütigt. Es schlichen sich sogenannte Erziehungsstile ein, die mit Verachtung gestraft werden müssten. Oft sind sie die Norm. Und auch wenn wir die TäterInnen nicht in Schutz nehmen können, sind auch sie meist selbst Opfer gewesen. Noch heute.

Gewalt kann nur gestoppt werden, wenn wir die Opfer schützen. Von Anfang an. Wenn wir die rote Karte zeigen und aufhören Opfer zu verhöhnen, nicht ernst zu nehmen oder ihnen und anderen das Gefühl geben Gewalt sei normal. Ist sie nicht.

Es gibt hier kein richtig oder falsch. Gewalt kann niemals richtig sein. Sie ist Ausdruck dessen, was unsere Gesellschaft krank macht. Einander in Hass und Angst zu begegnen, schwächt uns. Macht uns angreifbar, lässt uns verwundet zurück.

Erhebt eure Hand für Frieden. Gegen Gewalt an allen!

FEMINISMUS IST NICHT NACKT

Wenn ich auf meinen Wäscheständer schaue, sehe ich das obligatorische Kleidchen und ein paar neckische Strumpfhosen zwischen vermeintlich sexy Unterwäsche.

Ich muss mich zwangsläufig fragen, wieso ich im gefühlten Winter das Bedürfnis verspürt habe so rumzulaufen. Was treibt uns Frauen (viele, nicht jede) dazu an, auch bei tiefsten Temperaturen, im Kleid, einer Strumpfhose oder unpraktischen, aber hübschen Schuhen das Haus zu verlassen? Genau, Sozialisierung!

Irgendwer brachte uns im Laufe unserer Kindheit bei, nur zurecht gemacht, seien wir echte Mädchen. Die Haare lang, die Kleidung sauber, unsere Nägel gepflegt und stets darum bemüht vorallem durch Optik aufzufallen.

Mit der Zeit dämmerte uns zwar, dass Aussehen nicht alles sein könne und die stereotypische Frau so gar nicht unseren fortschrittlichen Weltbild entsprechen möge, so ganz ließen wir uns aber doch nicht darauf ein.

Stattdessen modellieren wir ein neues Bild der Frau. Die Frau die nun angeblich freiwillig auf ihren Körper achtet und sich im Minirock Größe 36 wohlfühlen mag, obwohl Diäten und eine Menge Disziplin von Nöten sind diesen angeblichen Wohlfühlstandard aufrecht zu erhalten.

Wir gehen noch immer oberkörperfrei demonstrieren und merken gar nicht welchen Bärendienst wir den Männern erweisen. Statt einer Botschaft die es sich lohnt unter die Leute zu tragen, bringen wir Medien und Männer in Wallung. Die Mission scheitert schon an der Idee. Aufmerksamkeit durch Optik. Hier kann man sicher nicht einmal von Überraschung sprechen, denn voraussehbarer geht es kaum. Eine Frau hat nichts zu sagen, eine Frau muss ihren Körper sprechen lassen, um gehört zu werden.

So lassen wir uns noch immer (vielleicht unbewusst) diktieren was wir tragen sollen, geben dem Partner nach, weil der nun einmal Overkneestrümpfe lieber mag als Jogginghosen und gehen davon aus wir haben genau das auch favorisiert.

Haben wir?

Also ich trage auch gerne Pels. An meinen Beinen. Am ehesten, wenn ich Single bin.

Ich gehe in meinem wärmsten Mantel spazieren und der ist nicht für seine Schönheit bekannt. Ich esse ungesund, wenn mir danach ist und kenne keinen Mann der mir zu Liebe auf Schnitzel verzichten würde, weil mich seine Gesundheit interessiert oder ich im Grunde nur nicht gerne mit Dicken kuschel (Hypothese zur Überspitzung).

Ein Mann kann uns genau das einreden und wir merken es nicht einmal.

Wir sind genau so groß geworden.

Unser ganzes Leben lang war geprägt von diesen kleinen und feinen Prinzipien die es zu leben galt. Eine Frau muss hübsch sein, bescheiden agieren und das Gefühl haben sich auch nur genau so wohlzufühlen.

Selbst Frauen die dick sind, würden sich hüten zusätzlich einen Kurzhaarschnitt und Damenbart zu tragen. Zu viel des Guten eben. Wer auf dem Markt der Eitelkeiten überleben möchte, beruflich anerkannt und von der Männerwelt gesehen werden, passt sich an.

Anpassung jedoch ist unnatürlich. Da wird gezupft, gestützt und verdrängt. Erst die Bauchschürze und später die eigene Autonomie.

Wir sollten uns so nicht fühlen müssen.

Emanzipation war niemals sexy. Sie muss nicht nackt sein, um ihre Werte besser zu verkaufen.

Ich bin eine Frau, aber nicht die Wichsvorlage. Ich bin ein Mensch und habe Bedürfnisse und faktisch genauso oft die Möglichkeit einen Bart, Busch, Bauch oder Wutanfall zu bekommen wie die Männer.

Mein FEMINISMUS sieht vor sich bewusst zu entscheiden, aber sich niemals mehr zu entschuldigen. Meine Weiblichkeit speiste sich lange aus der Idee von dem was weiblich sein soll. Warum aber fühle ich mich eher künstlich als weiblich?

Feminin ist nicht euer Problem. Ich sage den Männern ja auch nicht wie sie mir gegenübertreten sollen, damit ich sie ernst nehme.

TRAUMFRAU ZU VERGEBEN

Vergebens auf der Suche nach Mr Right, machen sich Frauen da draußen auf einem Bild zu entsprechen. Dem Bild der sogenannten Traumfrau.

Aber was muss eine Frau denn mitbringen, um diesem Bildnis gerecht zu werden?

Wird eine Traumfrau nicht irgendwann auch nur zur Realität, damit also zum Alltag und nach und nach langweilig, wenn aus Traum eben Wirklichkeit wurde?

Angenommen ein Mann wünschte sich eine Partnerin die sich dezent schminkt, Absatzschuhe und nette Kleider trüge. Sie sollte außerdem stark und unabhängig sein, denn Kletten mag bekanntlich keiner, aber dennoch permanente Zuneigung durch Verfügbarkeit signalisieren.

Sie muss sich sehen lassen können. Eine Frau für’s Auge. Dumm darf sie auf keinen Fall sein, um ihn nicht zu blamieren, aber möglichst schön unkompliziert bleiben, denn selbstständig denkende Frauen sind ebenfalls ungern gesehen.

Diese Traumfrau sollte arbeiten und ihr Geld selbstständig verdienen, damit sie niemandem auf der Tasche liegt, bei gleichzeitiger Unterordnung seiner Vorstellung von Macht und Position. Er muss die Brötchen verdienen, er muss sich stark und männlich fühlen dürfen.

Sie sollte den Kinderwunsch nicht frei äußern, sondern darauf warten wann ihr Herr und Meister sich bereit erklärt. Der Körper darf dabei weder in Mitleidenschaft gezogen werden, noch das Sexleben oder die Aufmerksamkeit unter dem Spross zu leiden haben. Alles müsste so bleiben wie es war, nur hat man jetzt eben den Stammhalter gezeugt. Nachwuchs ist bekanntlich auch sowas wie ein Denkmal und Erbe.

Dann wird sich außerdem gefragt, ob diese Frau eigene Entscheidungen treffen kann. Dafür muss es möglich sein sie ab und an wohldosiert gehen zu lassen. Sie verreist also gerne, aber schenkt dem Angebeteten so viel Liebe wie möglich. Sie vermisst ihn, wünschte er wäre da. Er müsste natürlich zum Ausgleich noch häufiger verreisen, die Nächte durchmachen mit Freunden und bitte, Lady, keine Eifersucht!

Zicken sind sowieso ganz schlimm. Was kann er für seine Libido und Anziehungskraft auf das andere Geschlecht? Also sollte sie ihm huldigen, indem sie akzeptiert was eben unumgänglich scheint. Auch andere Frauen haben Recht auf ein Stück vom Kuchen. Umgekehrt ist sie natürlich treu.

Andere Männer dürfen gucken, aber sie rennt treudoof immer nur zu ihm. Dabei muss sie neben ihrer Fähigkeit als Sexbombe aber noch ein paar andere Skills draufhaben. Kochen können, wäre nett. Eine Palette schlechter Witze erzählen können. Angemessen oft die Klappe halten, aber ihm andächtig lauschen wollen. Sportinteressiert sein, ohne ihm sein Fachwissen abzusprechen. Der Haushalt ist für sie Leidenschaft und am liebsten erledigt sie all das nackt.

Es ist hart die Traumfrau all dieser Männer da draußen zu sein. Schon ein untreuer Mann bringt das Gleichgewicht ins schwanken. Was weiß denn die Traumfrau von den Träumen des jeweiligen Mannes?

Liest man sich auf Tinder oder anderswo nämlich mal durch was da so gesucht wird, überbieten sich die Herren an Unmöglichkeiten. Schmink dich nicht zu stark, aber mach dich schön! Sei schlank, aber verbiete dir nicht das Essen! Keine Kinder, aber Sex ist unbedingt wichtig! Eine Menge Erfahrung, aber bitte ohne Vergangenheit! Usw.

Liebe furchtbare Single-Männer, wir Frauen haben eigentlich nur einen Wunsch auf unserer Liste:

Seid keine Arschlöcher!

WAS FRAUEN ANGEBLICH WOLLEN

Es mag an meiner Auswahl liegen, an den Frauen denen ich online und im realen Leben folge. Frauen sind dort in jeder Hinsicht in ihren Klischees verhaftet.

Da sind die Frauen, die sich in Opferrollen befinden, die sie auch mit Anfang dreißig, erschreckender Weise aber auch nicht mit Ende sechzig aufgeben können. Denen das System, zuallererst aber die eigene Familie, übel mitgespielt hat und sie deshalb hinter all ihren Möglichkeiten zurückgeblieben sind. Sie wurden dann eben „nur Mutter“, „nur Ehefrau“ und konnten ihren Wunschberuf gleich mal vergessen. Sie wurden damals nicht gefragt und heute wollen sie noch immer am liebsten endlich gefragt werden. Frauen die einfach sagen was sie wollen, sind selten.

Dann gibt es unzählige Frauen, die sich angeblich wünschen ihre Töchter sollten mal die Chance haben Medizin zu studieren und Physikkurse dem Ballett vorziehen. Sie selbst verharren in einem stereotypischen Beruf. Sie werden Yogalehrerin, Erzieherin oder sitzen als Assistentin in einem Vorzimmer ihres Chefs. Ihnen war der Weg in die Chefetage vielleicht zu steinig oder die Tatsache mit dem Kind zu Hause alleine gelassen worden zu sein, hat sie verunsichert und ihre Karriere verzögert.

Aber wie kommen wir aus dem Klischee raus? Wie aus unserer eigenen Komfortzone, eine Schublade so fest verklemmt wie alt.

Es ist nicht einfach.

Wir könnten aufhören ständig um Unterstützung zu betteln und diese als selbstverständlich zu begreifen. Wir könnten aber auch lernen Dinge selbst in die Hand zu nehmen und damit zeigen: wir sind nicht schwach, wir können alles.

Manche Frauen beginnen damit längst. Sie bohren die Löcher in der Wand alleine und lernen eine Waschmaschine anzuschließen. Sie kaufen sich ihr Auto selbst und fahren in den Baumarkt um Bretter für ein selbstgebautes Bett zu kaufen. Wenn sie kein Geld haben, sparen sie und notfalls wird irgendein Antrag ausgefüllt und Geld erstritten. Wichtiger wäre aber, dem Chef zu sagen, es soll gefälligst für gleiche Leistung gleiches Gehalt gezahlt werden. Männliche Kollegen mögen seltener krank sein oder zu Hause bei den Kindern, aber auch daran werden wir arbeiten.

Bevor wir an Erschöpfung kranken, gehen wir vorher ins Kurwochenende. Wir gehen angeln, gehen in die Berge wandern und trinken Bier aus Flaschen, mit Freundinnen die ebenfalls ihre Kinder bei den Männern gelassen haben. Wir suchen uns im Vorfeld keine Schwächlinge mehr. Niemanden der uns sagt wir seien schwächer. Niemanden der sagt, sein Geld sei unsere Berechtigung hinterm Herd zu verharren. Wenn er uns auf einen Urlaub einladen möchte, lehnen wir dankend ab und sagen „Ich verdiene mein eigenes Geld, ich leiste mir den selbst!“ und machen uns unabhängig vom anderen.

Apropos unabhängig. Wir sollten außerdem aufhören Männern einzureden sie seien von uns abhängig. Wenn wir den Müll nicht mehr rausbringen, die Kinder nicht mehr erziehen und das Essen kochen, sind sie verloren. Sind sie nicht! Diese Haltung des sich gegenseitig Aufzeigen wer in welcher Situation und Position der schwächere Part ist, nervt. Es stresst. Es führt zu Wut und Misstrauen.

Alle können alles. Alle können es mindestens versuchen!

Ich erziehe zwei Söhne. Keinem sage ich „Mama kann das besser.“. Ich sage „Räumt die Spülmaschine aus und beim nächsten Mal ohne meine Ansage!“. Sie sollen lernen, es macht keinen Unterschied welches Geschlecht sie in der Hose haben. Sie können wie ich weinen, wie ich lachen, wie ich stark oder schwach sein. Sie dürfen gerne aufhören mich oder irgendeine andere Frau als Opfer zu begreifen.

SICHTBAR WERDEN

Über viele Jahre pflegte ich viele Männerfreundschaften. Oder das, was ich darunter verstand.

Männer wurden zu guten Gesprächspartnern, aber im Grunde flirteten wir nur.

Sie waren da, wenn ich sie brauchte, aber eigentlich nutzte ich sie hier und da eben doch nur aus. Zum Beispiel, um mich von A nach B zu fahren oder mir mal eben beim Umzug zu helfen.

Weder kamen sie, um auf meine Kinder aufzupassen, noch wahrhaftig meine Hand nach einer Trennung zu halten oder waren daran interessiert sich meine tausendste Arbeitsgeschichte anzuhören.

Sie luden stattdessen gerne großzügig zum Essen ein und erhofften sicher nicht selten im Anschluss etwas, was ich durch den falschen Augenaufschlag ermuntert hatte.

Meist sagte ich Nein zu dem nächsten Schritt, behielt aber den Fuß in der Tür. Sicher nicht bewusst. Sicher oft im naiven Glauben so würde Freundschaft zwischen Männern und Frauen eben funktionieren. Als Flirterei und luftige Alternative zu all den schweren und tiefen Frauenfreundschaften.

Letztlich ist da auch viel wahres dran. Aber wo sind all diese Männer, wenn ich weinend jemanden sprechen muss, weil mir das Herz vor Kummer überläuft? Wo sind sie, wenn ich Zuhörer suche und keine Ratgeber? Bleiben sie auch dann, wenn ich ganz banal Essen gehen möchte, einen Spaziergang machen, statt Versprechungen die keine sind?

Ich las einst auf einer Karte „Männer und Frauen passen nicht zusammen, außer in der Mitte“. Damals war ich zu jung um zu begreifen. Heute glaube ich in Teilen auch daran.

Wenn nicht mindestens einer am anderen näher interessiert ist, ist schon was faul oder der Drops mindestens einmal gelutscht worden. Ob mangels Anziehungskraft oder eben bereits durchgespielter Versuche, es gibt selten Ausnahmen.

Heute wollte ich einen Freund treffen. Ein einfaches Essen, etwas Wein. Wir saßen im Lokal, lachten und unterhielten uns. Er sprach von seiner Freundin und ich von meiner Liebe. Auf dem Heimweg wollte er mich küssen. Es war so anstrengend sich nicht aus der Situation herausreden zu müssen, dass ich letztlich entschied diese Freundschaft erstmal abkühlen zu lassen.

Es sind die gleichgeschlechtlichen Freundschaften, die mir heute noch etwas bedeuten. Frauen die keinerlei Erwartungen an mich stellen und denen ich ganz ohne körperliche Nähe nahe bin.

Ein trostloser Gedanke, auf wunderbare Geschichten und Lacher verzichten zu müssen, weil die Herren der Schöpfung eben am Ende des Tages wirklich alles riskieren würden, für ein bisschen Sex.

Mehr gibt es eigentlich auch nicht zu erzählen…