Marriage Story

Heute habe ich meinen diesjährigen Lieblingsfilm gesehen.

Ich habe mich bereits die ganze Woche darauf gefreut ihn zu sehen und dann war es soweit. Während ich alleine auf dem Bett Geschenke in Papier einschlug, wurde ich bereits innerhalb weniger Minuten so heftig von der Wucht dieses Filmes und seiner Darstellung getroffen, dass ich erstmal all den Kleber, die Päckchen und die Schleifen weglegen musste.

So richtig zum Nachdenken brachte mich aber wohl der von Adam Driver gesungene und interpretierte Song ab Stunde 2.

Ein Stück, so zart und brutal zugleich.

So ehrlich und so unbarmherzig.

Ich sah diesen Film mit einem Freund, er bei sich zu Hause, ich bei mir. Nachher fragte er mich, wieso ein so tolles Paar, zwei sich offensichtlich Liebende, auseinander gingen. Wie es möglich sei nicht zu kämpfen und an einander zu arbeiten.

Ich wusste es nicht.

Aber wenn es möglich ist (auch wenn nur fiktiv, hier in dieser Geschichte), sich immer wieder an die Liebe zu erinnern, die positiven Momente und die Verbindung die zwei Menschen miteinander eingingen, sich einmal für einander entschieden und sich nach und nach kennenlernten, liebenlernten, dann bestand da wieder Hoffnung.

Dieser Film, wenn auch von Scheidung und Auseinandersetzung erzählt, gibt mir etwas zurück, was ich verloren glaubte.

Da draußen sind sie, die Beziehungen die in ganzer Kraft und mit viel Energie gelebt werden wollen. Die keinen Anspruch auf Perfektion haben und vielleicht einfach irgendwann auseinanderbrechen.

Aber man, wie wertvoll ist es sie geschmeckt, gelebt und geliebt zu haben.

BROTHER FROM ANOTHER MOTHER-

Sister from another mister?

Warum haben wir Freunde und Freundinnen, mit denen wir über die gleichen Witze lachen können, deren Denkansätze wir teilen können und die uns nie langweilig werden, auch nach Jahren inniger Freundschaft?

Warum finden wir in unseren Freundschaften oft das, was in der Partnerschaft manchmal auf der Strecke bleibt?

Jemand mit dem wir Emotionen teilen, die gleichen Bedürfnisse und uns am Ende des Tages auseinander gehen, ohne den Drang zu verspüren sexuell zu verschmelzen.

Manche Menschen scheinen uns so nahe, sodass sich zwangsläufig die Frage stellt: wo bleibt der Partner, der mir so viel gibt wie meine besten Freunde?

Wie oft saß ich neben Menschen, die weder über meine Witze lachten, noch meine Gedankengänge nachvollziehen konnten. Dennoch hielten wir Händchen, saßen beisammen als seien wir gegen jeden Sturm erhaben.

Waren die Beziehungen echt? So real wie unsere Freundschaften?

Gab es niemanden der uns ähnlich ist auf dem Markt der Eitelkeiten? Irgendwo da draußen sollte doch jemand sein, der uns nahe kommen kann, auf so vielen Ebenen.

Manchmal treffe ich auf Paare die diesen Spagat spielend schaffen. Sie sind Freunde und Paar. Nicht selten begegnen mir Menschen, die sich im Kompromisse schließen fit halten. Gemeinsamkeiten haben Seltenheitswert.

Einer sagte erst kürzlich zu mir, dein Seelenverwandter ist nicht zwangsläufig dein bevorzugter Partner. Richtig.

Aber einer der mich einmal so zum lachen bringt wie meine besten Freundschaften es können, ist mit Sicherheit der heilige Gral. So lange genießen wir was wir haben und sehnen uns nach dem was noch fehlt.

VOM ENDE EINER HARTEN WOCHE

Wenn ich morgens aufstehe, tue ich das nicht selten neben meinem jüngsten Kind.

Während die Nacht mir unfassbar kurz erschien, weil ich Händchen gehalten und Hustensaft gereicht habe, gluckst der Wasserkocher mir etwas vor und der dunkle Morgen verdrängt die noch dunklere Nacht.

Tag um Tag um Tag bin ich aufgestanden, habe Kaffee gekocht, den Kindern Frühstück bereitet und mich im Badezimmer geschminkt.

Ich ging zur Arbeit, lächelte dieses professionelle Arbeitslächeln, drückte fremder Leute Kinder, ließ meinen Alltag wieder Herr der Lage werden und sperrte das Handy in den Schrank. Begraben unter meiner Verantwortung.

Abends ging ich früh ins Bett und jeden Tag ein wenig später.

Dann, ganz sicher geworden, ob all meiner Gefühle und Bedürfnisse, nahm ich die Herausforderung an wieder unter die Lebenden zu gehen. Zu lachen, bis mir heiße Tränen über die Wange rollten. Freundinnen zu fragen wie es ihnen ginge und nicht immer nur zu erzählen wie beschissen ich mich fühlte.

Ich ging wieder nach Hause, obwohl ich lieber 24/7 gearbeitet hätte. Mich abgelenkt. Diese Wohnung, in der man gemeinsam wirkte.

Ich schob mein Bett in eine andere Richtung und damit meine Gedanken an dich ebenfalls.

Ich fing an den Kuchen für den Schulbasar zu backen, die Einkäufe zu tragen, meine Kinder zu beschäftigen und all das ohne Unterstützung.

Ich kaufte Geschenke und verpackte sie. Hörte wieder Musik, wenn ich in der Tram saß und niemand relevantes neben mir.

Ich aß wieder etwas, sagte Verabredungen zu und bestellte deine Teilnahme ab. Ich blockierte deine Nummer und bereinigte die falsche Annahme es gäbe ein zurück. Gibt es nicht.

Da wo ich war und da wo ich bin, sind zwei völlig verschiedene Leben.

Am Ende einer harten Woche, freue ich mich zum ersten Mal seit langer Zeit wieder auf die Wochenenden. Auch ohne dich. Ganz für mich alleine.

DEFINITION DINGSBUMS

In der Schwebe hängende Singles, also jene, die einfach nicht wissen ob Singlestatus, der per Definition wohl alleine reisen, kochen, den Hausmüll rausbringen bedeutet oder eben doch Beziehung, mit all den wunderbaren Eigenschaften des Wachstums und der Liebe, fragen sich weltweit wie es so weit kommen konnte?

Gibt es da draußen nochmal die eine Liebe? Den Traumerfüller? Oder bleiben wir beim Alten und lassen uns daten, umgarnen und wie heiße Kartoffeln fallen?

Eventuell finden wir dahingehend unseren Frieden. Frauen die bereits mit Kindern gesegnet sind, sehen ihre Expartner mit jungen und kinderlosen Partnerinnen herumlaufen.

Sie sehen sich mit diesem Makel, der Brandmarke, der Narbe auf der Stirn. Scharlachrot.

Sie sind scheinbar gebrauchter als die anderen. Obwohl sicher heutzutage kaum noch eine dreißigjährige Frau als Jungfrau in die Beziehung startet, wird da eines klar, ein Kind ist eine Vergangenheit. Hier wird die Partnerin verletzlich. Verletzlichkeit ist kein Makel, kann aber schnellstens zu einem werden, wenn der neue Partner zielgenau erspürt wo der Schuh drückt und sich dem Dilemma mit Hingabe widmen wird.

Nicht wenige Frauen bilden sich deshalb ein, Stärke zeigen zu müssen. Immer im Takt bleiben, keine Ängste zeigen, sich nicht mit Realitäten zu konfrontieren.

Wenn wir dieses Gefühl also transportieren, zwischen schwach wie jeder Mensch, angeschlagen, weil Single, Mutter und wohlmöglich sogar finanziell abhängig, wie können wir dann Stärke nicht einfach nur vortäuschen?

Unser Gegenüber beginnt uns unbewusst zu zerfleischen. Anfangs in Zuneigung und später unter Spott und Hohn.

Eine Beziehung ist das noch nicht.

Und wenn wir dann beginnen die Beziehung in Frage zu stellen, die Werte auf dem Prüfstand und uns gläsern zeigen, beginnt das Konstrukt zu bröckeln. Schwäche ist nicht sexy.

Wir werden verlassen und werfen uns wieder ins Singleleben. Wir werden gesehen, aber selten erkannt. Wir werden wohlmöglich nochmals betrachtet. Aus der Ferne glänzen wir nach wie vor. Die Stärke ist zurück und für den Ex sind wir relevant. Dennoch, der Makel haftet uns an.

So bleiben wir als Zwischenlösung präsent, es sei denn wir drehen uns um, gehen unser Wege und ignorieren den hinterlassen Schmerz. Die Wunde blutet eine Weile nach, aber die Wahrscheinlichkeit das uns genau so etwas nochmal passiert, ist mit jeder Trennung und jedem gelebten Lebensjahr geringer.

Wir wissen nun wer wir sind. Und das ist die einzige Definition die es braucht.

DIE UNGEZÄHMTE

Wie oft denken wir (ich?), der richtige Partner müsse erst noch erfunden werden.

Jemand der bleibt. Jemand der gemeinsam wachsen möchte, sich nicht vor Kompromissen scheut und selbst langweilige Momente souverän vorbeiziehen lässt. Jemand der Herausforderungen liebt, aber keine Bedingungen nach dem Motto „es braucht ewige Schmetterlinge und du bist verantwortlich sie mir zu bereiten“ stellt.

Nun, die letzten Beziehungen und Jahre haben es gezeigt. Nicht der Mann ist bindungsscheu, weil ungezähmt mehr Freude bringt, sondern ich und all meine fabelhaften Freundinnen zu wild, zu fordernd, zu aufregend.

Wir sind die Generation an Frauen, die sich nicht mehr so leicht unterkriegen lässt. In den letzten zwei Tagen habe ich jeweils eine Stunde gebraucht Möbel zu rücken, Zimmer zu renovieren und aufzuräumen. Ich habe einen Entschluss gefasst und mich dahintergeklemmt. Kein Hadern und kein Abwarten. Schon gar keine Hilfe eines Mannes oder ein mitleiderregender Anruf um Unterstützung bittend. Ich bin es auch, die neben dem Beruf noch für das Studium lernt und zwei Kinder unterschiedlichen Alters und unterschiedlicher Bedürfnisse versorgt, umsorgt und großziehen wird.

Für mich und viele andere Frauen ist der Mann längst zu einem Liebhaberprojekt geworden. Eine schöne Sache auf Zeit. Etwas, was wir uns gönnen und nichts das wir brauchen. Die Liebe bleibt dabei zwangsläufig immer im Vordergrund, weil wir aufhören in Abhängigkeiten zu denken. Weder brauchen wir das Geld der Männer, noch deren starke Arme. Wenn wir uns ihnen nähern wollen, dann auf geistig und emotionaler Höhe und gelegentlich sicher auch zum Sex.

Dass einige Männer sich davon mitunter bedroht, mindestens aber eingeschüchtert fühlen können, ist klar. Was könnten sie uns mehr bieten, als ihre geistige Reife? Möbel schrauben sicher nicht.

Wir Frauen denken noch immer zu sehr in ausgelatschten Pfaden. Wir meinen der Mann sei es der permanent auf der Flucht um seine Freiheit ist. Die Realität ist anders. Wir Frauen genießen Freiräume und erfahren Selbstbestimmung. Unsere Kompromissbereitschaft hat dann ein Ende, wenn der Partner aufhört uns ernstzunehmen oder erzählt wir bräuchten ihn, um uns vollwertig zu fühlen.

Alles was wir tatsächlich brauchen, können wir uns besorgen. Alles was Männer wollen könnten, wäre diese Unabhängigkeit zu zähmen. Wer den Eindruck hat nicht mehr gebraucht zu werden, seine Position zu untergraben und vielleicht dem Druck nicht stand halten kann, einer Frau einfach nur Liebe zu geben, wird schnell schwach und sucht bald das Weite.

Die Wahrheit ist, natürlich können wir selbst Löcher bohren, Glühbirnen wechseln und wir kennen die Telefonnummer jedes Lieferservice, der Hausverwaltung oder irgendeiner Bumsbirne.

Was uns tatsächlich einfach manchmal fehlt, ist jemand der auf Augenhöhe bereit ist mit uns diese Freiheit zu teilen. Und der Genuss kommt darunter eigentlich nie zu kurz. Schade, wer noch immer denkt wir müssten zahm sein.