NIEMAND HAT GESAGT DAS ES LEICHT WÄRE

Wir kommen auf diese Welt, ob wir wollen oder nicht.

Manche von uns nehmen das Leben leicht und andere sehr schwer. Einige von uns werden von vorneherein in die falsche Familie geboren und andere treffen erst später fatale Entscheidungen, die ihnen ihr Leben lang Bauchschmerzen bereiten können.

Ein paar von uns wird es an Nichts fehlen. Sie werden spielend leicht mit Herausforderungen fertig und sich jeden Tag motiviert sehen.

Einige werden sich schwer tun aus dem Bett zu steigen und betrachten ihre Tasse schwarzen Kaffee jeden Morgen als halbleer.

Einige Menschen werden Schicksal nicht als solches begreifen, sondern ihren Mühen und ihrem Engagement zuschreiben. Wieder andere ringen mit ihren Erfahrungen und sehen sich ständig geprüft.

Egal wozu ich mich zähle, ich brauche den Blick in meine Vergangenheit und habe manchmal nicht genug Mut für meine Zukunft. Manchmal arbeite ich hart an mir und würde es gerne leichter haben. Manchmal würde ich gerne diese Schwerelosigkeit fühlen und versinke in einer Welt aus Chaos, ob real oder selbstgeschaffen.

Meiner Erkenntnis nach, kann nur ich mich wirklich selbst begreifen. Ich sehe die anderen und weiß so gut wie nichts über sie. Was sie bewegt, warum sie lächeln oder weshalb ein anderer dauerhaft wütend und ablehnend erscheint.

Ich weiß was mich zu mir gemacht hat und welchen Einfluss ich selbst auf mich nehme. Meine Probleme, meine magische Anziehungskraft auf immer schwerere Lasten. Ich glaube zu einem gewissen Maß ist es möglich Muster zu durchbrechen und Klarheit zu gewinnen, statt sich auf den immer gleichen Rhythmus zu verlassen. Die Komfortzone zu verlassen und sich dennoch nicht verlassen zu fühlen.

Denn ich bin ja da.

Auch wenn ich immer denke alleine ist es schwerer. Ist es ja auch. Aber ich bin ja da. Ich sehe mich. Ich spüre mich. Ich höre mich atmen, fühle meine Beine sich bewegen und jeden Tag viele Schritte machen.

An manchen Tagen ist das Aufstehen schwer und an den meisten anderen Tagen lacht die Sonne mir ins Gesicht und ich lache zurück.

Meine Haut ist momentan dünner und meine Beine schwerer, aber niemand hat gesagt, dass es leicht wird.

Von niemandem lasse ich mir sagen, dass es schwer bleibt.

NIEMALS STILL

In mir toben sich ein Hase und ein Widder aus. Angeblich.

Wer ein wenig etwas von Astrologie versteht oder zumindest daran glaubt, weiß wovon ich schreibe.

Beide Tiere haben Eigenschaften, die ich so leider eins zu eins in mir erkenne. Ich sehe die positiven Seiten daran genau wie die negativen.

So bin ich eigentlich nie unterzukriegen. Ein echtes Stehaufweibchen. Ich habe viele Krankheiten als Baby durchlitten, hatte eine mehr als harte Kindheit und darauf aufbauend ein sehr kompliziertes Leben. Aber ich stehe. Nicht gebeugt und nicht gestützt.

Nachteil dieser ständig in mir brodelnden Energie: ich erhole mich deutlich schlechter als ich es eigentlich sollte.

Weder kann ich lange einfach nur rumliegen, noch bleibe ich lange untätig.

So habe ich gestern drei Stunden Comics gezeichnet, für zwei Weihnachtsgeschenke die ich ganz spontan am selben Tag geplant hatte. Ein paar Abende zuvor hatte ich das bereits erprobt und nach fünfzig Seiten Material dann gemerkt welchen Spaß mir das Zeichnen wieder macht. Das Dichten sowieso.

Und während ich eigentlich von einem Virus geschwächt im Bett liegen dürfte, Netflix an, Tee und Schokolade naschend, gehe ich lieber für die Arbeit einkaufen, bringe die Sachen pflichtbewusst weg, unterstütze meine Kollegin in ihrer Vertretung und koche abends dann Maultaschen für mein Kind.

Heute früh kochte ich mir nur Tee und Kaffee, nahm eine Kiwi und sah der Sonne durch mein Fenster beim Aufgehen zu. Alles war still.

In mir tobte aber wieder das Feuer. Ich dachte daran mir gleich die Haare zu färben, heute meinen Schrank aufzuräumen, später noch mit der Nachbarin einen Tee zu trinken und so weiter. Ich googelte auf dem Smartphone nach irgendeinem Trash und begann Twitter-Einträge zu lesen. Diese Ruhelosigkeit ist schon immer ein Teil von mir gewesen.

Meine Oma ist auch so ein Energiebündel. Sie wurde dieses Jahr 75 und kann einfach nicht stillsitzen. Abends geht sie Flamenco tanzen, tagsüber arbeitet sie als freischaffende Künstlerin. Immer ist sie in Aufruhr und ich schätze in Gedanken genauso beweglich wie in Taten.

Ich bin froh um diese Eigenschaften in uns. Sie halten uns lebendig. Während meine Oma jedoch mit meinem Opa über die goldene Hochzeit hinaus einen Ruhepol an ihrer Seite hatte, bin ich noch auf der Suche nach meinem Ausgleich.

Momentan fessel ich mich selbst ans Bett und bemühe mich stark darin zu sein Schwäche zu akzeptieren.

Aber wer einen Widder und einen Hasen in sich vereint, darf nicht zu viel verlangen.

DA GEHT NICHTS ZWISCHEN UNS

Manchmal trifft man auf einen Menschen, den man vom ersten Moment an gut findet. Beide genießen die ersten Augenblicke in Aufregung. Alles neu und alles besonders.

Wie riecht der andere? Wie sieht er nackt aus? Wie klingt sein Lachen und wie sein Atem in der Nacht?

Je nach Sympathie und Gemeinsamkeiten, wird aus der ersten Verliebtheit mehr. Mehr Nähe. Mehr Zuneigung.

Wir sind inzwischen an einem Punkt, über die erste große Frische und das Unbekannte hinaus. Wissen um die Sorgen des anderen und die Möglichkeit den anderen zum lachen zu bringen. Wir kennen einander besser. Wir erkennen die Gefühle des anderen schneller.

Irgendwann liegt man im Bett, isst gemeinsam Brote, schaut dabei einen ausgewählten Film oder die Lieblingsserie. Ab und an zwinkert man sich zu. Zwickt den anderen in die Seite oder legt selbstverständlich den Kopf auf des anderen Schultern. Einer deckt den anderen zu oder bringt ein Glas Wasser mit. Einfach so. Manchmal gibt es Fragen, manchmal kennt jeder die Antwort. Dieser Punkt des Miteinanders, ist auch der Augenblick, in dem der andere unersetzlich wird.

Hier lässt sich niemand anderes mehr vorstellen. Keine andere Person könnte jetzt besser verstehen, besser reagieren, angenehmer riechen. Nach zu Hause, nach angekommen sein.

Würde ich an diesem Punkt lieber ausgehen und das Abenteuer suchen? Eine fremde Person küssen wollen? Mich von jemand anderem berühren lassen? Mit jemand anderem lauter lachen? Nein.

Und dieses Gefühl hatte ich noch nie.

Da war immer diese andere Person. Die Fiktion einer besseren Option. Jemand der noch näher kommen könnte oder mich besser kennenlernen würde.

Diese Person scheint jetzt hier vollkommen zu reichen. Und das ist mehr als genug. Mehr als jemals zuvor jemand war. Ausreichend.

Zwischen uns passt momentan kein Blatt Papier. Würde mir jemand sagen, ich könnte nochmals neu beginnen, wüsste ich nicht wofür.

Ich hoffe dieses Gefühl noch lange in mir zu tragen.

LEBENSHUNGER VS SELBSTMITLEID

Ja, so ein Leben kann einen schaffen.

Da ackert man sich zunächst, an der Seite vielleicht nicht ganz so würdiger Eltern, durch seine Kindheit.

Dann beginnt die Zeit der leidigen Pubertät. Alles kann, nichts muss hier schief gehen. Eventuell verkackt man seine Schullaufbahn oder hat sich in das System gut eingefügt.

Dann beginnt das echte Leben. Rechnungen zahlen, einen Partner finden, eigene Entscheidungen treffen und sie wieder bereuen. Sich zurück sehnen, in die Zeit der Verantwortungslosigkeit. Die Zeit der Ahnungslosigkeit.

Eventuell bekommt man in dieser Phase seines Lebens ein Kind oder zwei. Dieses Lebewesen ändert nochmal alles. War man vorher vielleicht noch der King jeder Bar, ist man plötzlich verletzlich und verwundbar geworden. Es gilt einen anderen Menschen zu schützen. Sein Leben jederzeit mit meinem zu schützen.

Wieder kann das Schicksal gepaart mit eigenen Entscheidungen, je nachdem ob ich eher ein naiver Typ war, zuschlagen. Ich könnte bereits geschieden sein, verarmt, ständig arbeitslos, krank oder depressiv. Ich könnte alles auf einmal schleppen müssen, auf meinen breiten Schultern.

Alles könnte mich jeden Tag so wütend und bitter werden lassen, wo die Trauer eigentlich groß und klumpig in meiner Kehle sitzt.

Oder aber ich stehe auf und bleibe wer ich immer war: neugierig, lebenslustig, hungrig nach Erfahrungen.

Da gibt es so viele Möglichkeiten draußen in der Welt. Es gibt dieses eine Leben, nur für mich. Ich habe Entscheidungen getroffen, die ich ändern kann und einige deren Konsequenzen ich nun trage.

Ich kann mich vergraben und die Welt hassen. Ich kann versuchen die Welt besser zu machen, für mich und uns.

Meine Entscheidung für das Leben, treffe ich täglich. Es ist mein Leben und kann maßgeblich durch mich geformt und erneuert werden. Dies geschieht aber nur, wenn ich aufhören kann jeden einzelnen Schicksalsschlag als solchen anzunehmen. Ihn jeden Tag zu reproduzieren. Mich daran zu erinnern was weh tat, statt zu erkennen wie ich tapfer und stark daraus geboren wurde.

Selbstmitleid ist Selbstmontage. Aus Selbstmitleid gehen wunderbare russische Romane hervor und viele gekränkte Diktaturen.

Selbstmitleid hat nichts mit Lebenslust zu tun. Es will alles Leben von Innen und Außen auffressen. Die Seele des Lebens ist Lust. Ist Mut. Ist Kraft.

Angst fressen Seele auf, heißt es.

Bekämpfen wir diese Ängste, miteinander, statt uns gegenseitig klein und kaputt zu machen.

WAS UNS ALTERN LÄSST (OPTISCH)

Ich habe eben Fotos von vor einem Jahr gesehen und war überrascht wie kindlich meine Gesichtzüge damals aussahen. Fülligere Wangen und weniger Falten. Zumindest gefühlt, etwa fünf Jahre jünger. Der Mann bestätigte das unter Berücksichtigung aller Vorsichtsmaßnahmen und Fettnäpfchen.

Schon nach wenigen Minuten fand ich die entscheidenden Veränderungen, die den Alterungsprozess so zügig vorantreiben:

Stress!!!

Ich habe einen sehr stressigen Beruf, viel Arbeit beim Studium und natürlich als Alleinerziehende von zwei Kindern immer Action.

Außerdem mache ich gerade die typische Sommeristdapanikdiät. Da sehe ich leider immer ganz schnell schlank und ganz schnell älter aus. Fett macht eben nicht nur rund um die Hüften, sondern auch füllig im Gesicht. Wo Speck ist, kann sich keine Falte bilden. Zumindest keine Falte oberhalb des Bauchnabels.

Ach ja, es könnte alles so viel weniger oberflächlich sein, aber ja verdammt, ich wäre natürlich total gerne ewig optisch ein Hingucker. Gar nicht unbedingt schlank oder jung, aber auch nicht müde, verlebt und abgearbeitet.

Wie dem aber entgegenwirken? Mehr Kuchen? Mmmmh, gerne.

Nee, besser wäre doch eine Runde stressfreier Alltag für alle! Weniger Rennen im Beruf und weniger Tumult mit den Kids.

Ich nehme mich beim Wort und werde von nun an Kuchen und Entspannung zelebrieren!