KINDERTAG

Am heutigen Kindertag möchte ich nochmals auf mein Herzensthema hinweisen. Adultismus.

Kinder werden häufig aufgrund eines Mangels an Körpergröße und Erfahrungen für dumm, unfähig und unfertig gehalten. Erwachsene sind dafür da, diese Missstände nach Gutdünken auszugleichen.

Kinder sind in den Augen vieler Erwachsener über Jahrhunderte von Randgruppen zu Mitläufern, über Hilfsbedürftige oder Werkzeuge bis zu Schmuckstücken geworden.

Kinder von heute, in unserer Gesellschaft zumindest, sind Statussymbol oder Störenfried.

Sie werten ihre Eltern, Schulen, Kitas auf oder ab, müssen gefördert und geformt werden und sollen zu kleinen Erwachsenen heranreifen.

Kinder haben scheinbar keine eigene Meinung, Haltung, Autonomie ist verboten. Sie gelten sonst als unerzogen, wild und ungehorsam. Sie brauchen uns Erwachsene. Sie brauchen eine Hand die leitet und führt.

Na, klingelt es da bei jemandem im Ohr? Nein? Schade.

Wir brauchen in der Regel keinen Führer. Führer und große Diktatoren der letzten Jahrhunderte haben es gezeigt. Kurzzeitig eine nette Idee, alle wissen wo lang der Hase läuft, aber das Nachbeben wird unweigerlich folgen.

Kinder die nie gelernt haben auf sich selbst zu vertrauen, können im schlimmsten Fall so gar nichts mit ihrer eigenen Freiheit im Erwachsenenalter anfangen. Oder noch schlimmer: alles was sie an Unterdrückung und Leid erfahren und erdulden mussten, geben sie an andere weiter. Ein Kreislauf also.

Wer Kindern abspricht gute eigene Entscheidungen zu treffen, ihnen den Weg komplett vorzeichnet und sie auf Bäume hebt, statt selbst klettern zu lassen, kann den metaphorischen Fall doch schon sehen. Sie plumpsen ungebremst auf den Boden der Tatsachen. Selbstwirksamkeit gibt es nicht. „Was hat Mama noch gesagt muss ich machen im Vorstellungsgespräch?“

Wer Kindern in der Schule verbietet auf die Toilette zu gehen, wenn sie müssen…oder sie nur lobt, wenn sie etwas gut gemacht haben und straft, wenn etwas in den Augen der Erwachsenen wackelt, züchtet sich eine Generation der Gehorsamen heran. Im Idealfall. Im dollsten Fall, wird aus diesem Kind später ein Fall für den Psychologen.

Wer heute noch die Hand gegen ein Kind erhebt, lehrt dieses später schlagen.

Wer heute Kontrolle übt, wird später Kontrolle ernten.

Kinder brauchen vielleicht Grenzen, aber um Grenzen erfahrbar zu machen, die eigenen und die der anderen, braucht es keine Mauer gegen die sie mit dem Kopf stoßen.

Behandelt eure Kinder nicht wie Kinder, sondern Menschen. Begleitet eure Kinder so, wie ihr als Kind begleitet werden wolltet. Bietet Halt und vermittelt Respekt und Würde. Lasst Druck raus und Liebe rein.

Was interessiert euch die Meinung Dritter? Wieso muss euer Kind Violine spielen, statt draußen frei zu sein?

Wovor fürchtet sich der Erwachsene?

Liebe Kinder,

ihr seid uns nichts schuldig und es ist schön daß ihr hier seid. Mein Dozent meinte einmal „jeder bekommt das Kind, das er verdient“. In einer Gesellschaft voller Kinder mit I-Status, Jugendlichen die angeblich versagen und nicht wissen wohin mit sich, würde ich behaupten, haben wir noch viel zu lernen.