BROTHER FROM ANOTHER MOTHER-

Sister from another mister?

Warum haben wir Freunde und Freundinnen, mit denen wir über die gleichen Witze lachen können, deren Denkansätze wir teilen können und die uns nie langweilig werden, auch nach Jahren inniger Freundschaft?

Warum finden wir in unseren Freundschaften oft das, was in der Partnerschaft manchmal auf der Strecke bleibt?

Jemand mit dem wir Emotionen teilen, die gleichen Bedürfnisse und uns am Ende des Tages auseinander gehen, ohne den Drang zu verspüren sexuell zu verschmelzen.

Manche Menschen scheinen uns so nahe, sodass sich zwangsläufig die Frage stellt: wo bleibt der Partner, der mir so viel gibt wie meine besten Freunde?

Wie oft saß ich neben Menschen, die weder über meine Witze lachten, noch meine Gedankengänge nachvollziehen konnten. Dennoch hielten wir Händchen, saßen beisammen als seien wir gegen jeden Sturm erhaben.

Waren die Beziehungen echt? So real wie unsere Freundschaften?

Gab es niemanden der uns ähnlich ist auf dem Markt der Eitelkeiten? Irgendwo da draußen sollte doch jemand sein, der uns nahe kommen kann, auf so vielen Ebenen.

Manchmal treffe ich auf Paare die diesen Spagat spielend schaffen. Sie sind Freunde und Paar. Nicht selten begegnen mir Menschen, die sich im Kompromisse schließen fit halten. Gemeinsamkeiten haben Seltenheitswert.

Einer sagte erst kürzlich zu mir, dein Seelenverwandter ist nicht zwangsläufig dein bevorzugter Partner. Richtig.

Aber einer der mich einmal so zum lachen bringt wie meine besten Freundschaften es können, ist mit Sicherheit der heilige Gral. So lange genießen wir was wir haben und sehnen uns nach dem was noch fehlt.

FREUNDSCHAFT ODER WAS WIR DARUNTER ZU VERSTEHEN GLAUBEN

Seit wir uns auf Onlineportalen wie Facebook und Twitter rumdrücken, haben wir den Begriff Freundschaft für uns ganz neu definiert. Bereits Studivz.-NutzerInnen konnten sich Freundschaften per Mausklick bestätigen lassen und sie genau so schnell wieder beenden. Teilweise türmten die SammlerInnen unter uns ganze Berge vermeintlicher Freunde und Freundinnen. Viele davon waren uns vielleicht erst einmal begegnet, auf einer Tanzfläche im Berghain oder im Italien-Urlaub am Grillstand.

Wenn wir ehrlich zu uns sind, ist der Beigeschmack den diese sogenannten Freundschaften hinterlassen müssten, mit den Jahren und der Gewohnheit abhanden gekommen. Einst schmunzelte man über 400 Freunde, heute gelten die FolloweInnen als Statussymbol, noch vor Job oder Automarke.

Wer da tatsächlich noch echte Freundinnen unter den kaum tatsächlich bekannten Gesichtern findet, kann sich glücklich schätzen. Oder schämen. Denn mal ehrlich, wer schickt seinen Freunden und Familie regelmäßig einen Abriss über das Tagesgeschehen, teilt Gedanken und Gefühle und lässt sich dazu hinreißen sämtliche Garderobe als OOTD per WhatsApp weiterzuleiten? Eben. Sowas geht eigentlich nur mit Fremden.

Freunde und Familie würden vermutlich anfangs staunen, sich über die Aufmerksamkeit freuen und nach und nach genervt die Sinnhaftigkeit in Frage stellen. Fremde tun das nicht. Denn wer sich einst nach nur einem Glas Wein dazu entschlossen hatte Kontaktdaten auszutauschen, ward sich der Gefahr bewusst die online lauert: der medialen Ausschlachtung des Privatlebens bis zum Umkippen.

Während also echte Sammler und wahre InfluencerInnen nach und nach den Überblick verlieren dürften, wer da noch zu den Freundinnen aus Realität und Alltag gehört, halten die anderen ihren wenigen tatsächlichen Freundschaften die Treue.

Das hier wohlmöglich aufkeimende Problem ist nämlich, dass echte Freundschaften das Bedürfnis nach Nähe verlieren, wenn sie im andauernden Austausch hören, lesen und sehen was das Gegenüber so zu bieten hat. Die Geheimnisse, die Gemeinsamkeiten, werden einfach jedem zuteil und so verschwindet das magische Band einer Besonderheit.

Menschen die im realen, nichtvirtuellen Leben, viele Freundschaften pflegen, scheinen online ein gutes Gespür für Selektion zu haben. Sie wissen sowohl wie viel und wie häufig sie Informationen teilen, als auch die Menge ihrer Kontakte überschaubar zu halten.

Menschen die wenig tatsächliche Freundschaften aus Fleisch und Blut pflegen, haben vielleicht keine Ahnung wie es sich im Alltag ohne Smartphone und Internet sozial lebt. Ihr Sozialleben speist sich aus dem, was online Aufmerksamkeit beschert. Freundinnen die abends auf ein Bier vorbeikommen oder die am Wochenende feiern, Sport treiben oder mit ins Museum gehen, bleiben aus. Eine Onlinefreundschaft scheint da heilsam. Raus aus der Einsamkeit.

Es wäre spannend was zuerst da war. Huhn oder Ei? Einsamkeit vor oder nach der Dauernutzung des Internets?

WÜNSCHE FÜR’S ALTER

Sagen wir es wie es ist. Wir werden alle nicht jünger. Diese platte Floskel benennt sehr verspielt eine unumstößliche Wahrheit: wir werden sterben.

Dazwischen befinden sich, so zumindest die Hoffnung, ein paar wirklich gesunde, schöne und wilde Jahre der Jugend und Frische. Abenteuer und Freundschaften die uns vielleicht in Etappen oder ein ganzes Leben lang begleiten sollen.

Während mein Partner und ich gestern Abend in den Sternenhimmel philosophierten, machte ich eine Beobachtung. Alte Menschen die keine Familie haben, keine Freundschaften (mehr) und ohne nennenswerte Rücklagen, einsam in ihren Vier Wänden sitzen, weil eine WG oder ein Platz im Altenheim zu teuer ist, haben es schwer.

Noch benommen von Nasenspray und den letzten Tagen fieser Erkältung, dachte ich daran zurück wie einsam mir meine Wohnung vorgekommen war. Das große Kind schon wieder in der Schule und das kleine Kind bei den Großeltern. Eigentlich eine tolle Ausgangslage sich zu erholen.

Ich lag im Bett, stöberte in wachen Momenten durch das Internet und in müden Augenblicken berieselte ich mich an einer Staffel Friends auf Netflix. Wer da nicht unweigerlich auf seine eigenen Freundschaften schielt, hat wohl keine.

So konnte ich abends auf drei Genesungswünsche von Kolleginnen und Kollegen blicken, zwei Angeboten von Freundinnen mich besuchen zu kommen und diverser Nachrichten meiner Mutter, die mich auf den aktuellen Stand ihres Lebens brachte. Das Telefon stand nur still, weil ich es lautlos machte. Eine Nachbarin fragte, ob ich Lust auf Hof und Menschen habe und abends füllten sich die vier Zimmer wieder mit Leben.

„Ja!“,dachte ich. „So ein Glück. So viele Lieben.“

Wenn ich diese im Alter abziehe, durch den Auszug meiner Kinder, das Ableben der Großeltern und irgendwann auch Eltern und die ersten verstorbenen Freunde, bliebe ohne Frage nicht viel übrig. Der Lebenspartner nimmt dann einen großen Stellenwert ein, weshalb sich so viele Menschen vermutlich auch noch binden wollen, wenn die Jahre der Fruchtbarkeit vorüber sind.

Wenn die Kinder ausgezogen sind oder es niemals Kinder gab, wird es ebenfalls still. Da kann man nur hoffen, auf eine optimistische Zukunft voller Lebenskraft und Gesundheit zu blicken. Reisen und Hobbys spielen dann eine große Rolle und erfüllen den Menschen. Natürlich kann ich mich auch Jahre lang in der Wohnung einschließen und malen, schreiben, musizieren. Aber was wenn mir diese Einsamkeit zu Kopf steigt? Ein Leben alleine mit seinen Interessen? Wie ist das so ein Mensch zu sein?

Beobachte ich meine Großmütter, sehe ich zwei Wesen die nicht unterschiedlicher sein könnten.

Die eine Oma ist seit drei Jahren Witwe und war schon immer ein übersprudelnder Bach der Lebensfreude. Mit fünfzig begann sie erst das Flamenco tanzen. Sie ist Malerin und hat einen großen, bunten Freundeskreis. Sie ist ein so offener und herzlicher Mensch, dass sie alle im Sturm erobert. Ein Familienmitglied welches man gerne anruft oder besucht.

Meine andere Großmutter ist noch verheiratet und unternimmt am liebsten alles zu zweit. Außer Arztbesuche. Die gehen auch alleine. Sie ist überhaupt sehr gerne alleine und duldet an ihrer Seite fast ausschließlich den Partner. Alle anderen strengen sie an. Was wenn der Partner aber wegbricht? Wenn sie es nicht schafft die Familie um sich zu halten, weil sie garstig wird oder ignorant bleibt, wird sie im hohen Alter sicherlich sehr schnell spüren was es heißt alleine zu sein.

Könnte ich wählen, würde ich gerne beide Frauen in mir vereinen. Alleine sein zu können, ohne die Einsamkeit zu schmecken. Freundschaften zu pflegen und auch ohne Partner immer Lebensmut zu schöpfen. Sich auf alle Eventualitäten so gut es geht vorbereiten.

Es macht uns mitunter deshalb Angst alt zu werden, weil wir von Einsamkeit sprechen. Alter bedeutet Verluste. Es bedeutet eine teilweise unerträgliche Ruhe. Nicht immer in Frieden. Es bedeutet, sich viel mit sich selbst zu beschäftigen, mitunter schmerzlich zu erkennen, dass niemand mehr da ist, der sich mit einem beschäftigt.

Menschen die das Glück haben sehr alt zu werden, haben das Pech oft alleine zu sein. Freundschaften kann man aufbauen, aber es wird nicht leichter. Familienanschluss hält man nur, wenn es eine Familie gab.

Es sind nicht die Falten und grauen Haare die uns sorgen, es sind die Stunden in denen niemand mehr Geschichten mit uns teilt. Körperliche Wärme austauscht. Uns sanft über das Haar streicht, wenn es Zeit ist zu gehen.

Ich wünsche mir solche Menschen. Ich wünsche mir so ein Mensch zu sein. Jemand, dem irgendwann jemand das Leben aus den Haaren streichelt.

ES IST WIEDER FREUNDINNENSOMMER

Juhu, yippie und yeah! Die ersten Sonnenstrahlen verwandeln die Großstadt in eine warme, stickige Brühe und meine Lust sich in Sommerkleider zu hüllen, hält sich in Grenzen.

Meine Lust mit Freundinnen im Hof oder am See zu sitzen und uns literweise Wein hinter die Binde zu kippen, steigt mit den Temperaturen erheblich.

Tratschen über alte Lieben, die Arbeit, ein bisschen die Kinder und natürlich unsere Vergangenheit. Man waren wir doof, faul, launisch, kindisch oder unfähig. Nach drei Litern Wein ist jeder von uns Expertin seines eigenen Lebens. Alles so klar wie der Grund unseres Glases.

Wir fragen uns manchmal schon, ob wir etwas oder jemanden bereuen, aber die Antwort lautet eigentlich stets „Nö“. War halt so. Prägte uns. Hat uns tolle Kinder geschenkt. Alles in allem ganz gut und glimpflich gelaufen. Abstriche gibt es ja immer.

Stimmt das denn auch? Sind wir glücklicher? Definitiv! Es hat ewig gedauert, aber da wo wir heute stehen, wollten wir lange hin. Wir waren so unsicher und manchmal naiv.

Wenn wir heute einen Raum betreten, verstecken wir uns nicht mehr hinter Tonnen Makeup oder blöden Sprüchen. Manchmal zelebriert man beides noch, aber unser Panzer ist weg. Wir sind angekommen.

Und während wir mit Anfang dreißig wissen wo lang es geht, sitzen wir unter der Sonne Berlins, trinken noch einen Schluck und hoffen auf die kommenden zehn Jahre Freundschaft, die uns überhaupt hat all das überstehen lassen. Prost!

FREUNDINNEN

Meine beste Freundin lernte ich vor etwa zehn Jahren kennen. Sie sprach mich in der Kita unserer Söhne an und wich seither nicht mehr von meiner Seite. Wir begleiteten uns durch die Elternzeit, die Trennung der Kindsväter, Arbeitslosigkeit und Studium, diverse Jobs und Affären und waren Partnerinnen in Crime wo es eben ging. Streit gab es so gut wie keinen und unsere größte Krise überlebten wir, weil wir ohnehin eher in Harmonie als in Konkurrenz zueinander standen.

Meine andere engste Freundin, war lange Zeit meine Nachbarin. Sie lockte mich mit einem Stück Kuchen zu sich und ich blieb Jahre lang auf Sekt oder Tee bei ihr. Jeden Donnerstag sahen wir GNTM oder irgendeine andere Show und lästerten über Männer, Kinder und das Leben. Sie färbte mir die Haare orange und ich nickte ihren jetzigen Freund und damit verbundenen Start in ihr neues Leben ab.

Ob auf Arbeit oder im Studium, meist sprechen mich Menschen an. Ich bin eher schüchtern, wenn es darum geht Freundinnen zu finden. Sie fliegen mir quasi zu. Bei Männern ist das anders. Ich habe eine ganze Schublade voller Kumpels oder Ehemaliger die zu Freunden wurden.

Männer sind in meinen Augen unkomplizierter und leichter zu manipulieren. Sie mögen dich, wenn du über ihre Witze lachst oder mit ihnen flirtest. Es klingt grausam, aber das Spiel um einen Platz in ihrem Herzen, folgt in hohem Maße über ihr Ego, vielleicht noch über ihren Unterleib. Frauen sind da etwas anders. Möchtest du eine Freundin finden, muss es funken.

Nicht dieses verliebte Getue, in den Haaren spielen und keck lachen. Richtige Funken müssen sprühen. Freundinnen finden sich, weil sie tatsächlich etwas gemeinsam haben. Sie nähern sich einander an, auf einer ganz anderen Ebene als Männer und Frauen es tun. Und dann…ja meist bleiben sie auch. Loyalität ist in einer Freundschaft zwischen Frauen ebenso wichtig, wie Kontakt zu halten. Immer mal wieder Interesse zu signalisieren und zu zeigen „komme wer oder was da wolle, ich habe dich nicht vergessen“.

Ich bin froh Freundinnen zu haben uns nicht nur männliche Kumpels. Kumpels sind das Salz in der Suppe und ein Garant für wunderbare Momente.

Freundinnen bleiben. Sie teilen. Sie verstehen. Sie sind da.