BROTHER FROM ANOTHER MOTHER-

Sister from another mister?

Warum haben wir Freunde und Freundinnen, mit denen wir über die gleichen Witze lachen können, deren Denkansätze wir teilen können und die uns nie langweilig werden, auch nach Jahren inniger Freundschaft?

Warum finden wir in unseren Freundschaften oft das, was in der Partnerschaft manchmal auf der Strecke bleibt?

Jemand mit dem wir Emotionen teilen, die gleichen Bedürfnisse und uns am Ende des Tages auseinander gehen, ohne den Drang zu verspüren sexuell zu verschmelzen.

Manche Menschen scheinen uns so nahe, sodass sich zwangsläufig die Frage stellt: wo bleibt der Partner, der mir so viel gibt wie meine besten Freunde?

Wie oft saß ich neben Menschen, die weder über meine Witze lachten, noch meine Gedankengänge nachvollziehen konnten. Dennoch hielten wir Händchen, saßen beisammen als seien wir gegen jeden Sturm erhaben.

Waren die Beziehungen echt? So real wie unsere Freundschaften?

Gab es niemanden der uns ähnlich ist auf dem Markt der Eitelkeiten? Irgendwo da draußen sollte doch jemand sein, der uns nahe kommen kann, auf so vielen Ebenen.

Manchmal treffe ich auf Paare die diesen Spagat spielend schaffen. Sie sind Freunde und Paar. Nicht selten begegnen mir Menschen, die sich im Kompromisse schließen fit halten. Gemeinsamkeiten haben Seltenheitswert.

Einer sagte erst kürzlich zu mir, dein Seelenverwandter ist nicht zwangsläufig dein bevorzugter Partner. Richtig.

Aber einer der mich einmal so zum lachen bringt wie meine besten Freundschaften es können, ist mit Sicherheit der heilige Gral. So lange genießen wir was wir haben und sehnen uns nach dem was noch fehlt.

KEINE FREUNDE, ABER DATES

Alleinerziehende die sich nicht mit anderen Alleinerziehenden vernetzen, haben eines mit Zugezogenen gemeinsam: keine Freunde, aber Dates.

Es fragte mich erst kürzlich eine Kommilitonin, wo in Berlin denn die besten Bekanntschaften zu schließen sein. Sie dachte an Technoclubs. Diese Stadt sei ihr noch fremd, aber Techno ginge ja immer. Ich musste ein wenig schmunzeln, denn in Technoclubs habe ich allerhöchstens Bettgesellschaft gefunden, aber selten jemanden für den Spielabend oder Museumsbesuch. Natürlich gab es Ausnahmen, aber eben nur wenige.

Sport könnte helfen, riet ich ihr. Sie war Single und ungebunden. Warum also nicht so viel wie möglich ausprobieren. Raus in die Welt. Anders als bei mir, keine Kinder.

Kinder führen dazu, je nach Zeitpunkt ihrer Geburt, den Freundeskreis ausdünnen zu lassen. Viele meiner engsten Freundinnen haben Kinder. Ein erstaunlich großer Anteil ist wie ich alleinerziehend. Zu groß das Stigma den Mann rauben zu wollen. Zu häufig keine Zeit, weil Familienausflüge geplant sind. Da stört man nur.

Dennoch ist es nicht unmöglich jemanden kennenzulernen. Als Single war ich ständig ausgebucht. Die sogenannte Milf ist auf Tinder echt beliebt. Ich habe mich bei dem Gedanken immer geekelt, auf einen sexy Motherfucker, aber niemals die große Liebe zu stoßen. Also blieb ich zum Glück sehr klar in dem was ich wollte und fand die Liebe doch noch.

Freundinnen zu haben und Freundschaften zu pflegen, ist mit Kindern nicht leicht geworden. Es ist aber auch nicht ausgeschlossen. Wenn ich früher vor allem Männer meine Kumpels nannte, sind es heute eher Frauen die zu Vertrauten geworden sind. Partnerin in crime. Wir kennen das Gefühl alleine zu bleiben und wir kennen das Gefühl begehrt zu werden, aber selten wirklich gewünscht.

Sucht euch Freundinnen! Geht raus und findet Menschen wie euch. Sie sitzen mit dem Glas Wein in der Wanne oder vor Netflix und warten. Sie warten nicht auf Mister Right. Sie warten auf die beste Freundin. Eine die bleibt. Eine die Kaffee trinkt und sich niemals am Kind stört. Eine die zuhören kann, ohne an Sex zu denken.

Wir sollten unseren Tacho verschieben. Den Kompass neu justieren. Single, aber nie allein. Mutter, in einer Mütter-Clique. Endlich in Frieden mit sich selbst.

DER NEID DER NACKTSCHNECKEN

Fragt ihr euch auch manchmal was aus bedeutenden Menschen eurer Vergangenheit geworden ist und werdet dann zu ihren heimlichen BeobachterInnen?

Heute habe ich mich mit der Absicht alte Freunde und Bekannte online zu finden, auf einer dieser Plattformen angemeldet. Ich bin da sicher seit Jahren nicht mehr drauf gewesen und dachte es sei schön zu sehen, wie es meiner besten Freundin aus Schulzeiten ginge und ob die Kinder die ich mit Anfang 20 als Babysitterin betreut habe, schon erwachsen geworden sind. Sind sie.

Und all meine ehemaligen Freundinnen sehen so glücklich aus. Oft verheiratet, noch niemand geschieden, mit Kindern oder Karriere. Und mittendrin ich. Oder eher außen vor.

Ich kann und möchte mich nicht beklagen. Da sind meine eigenen Kinder und ich hätte sicher längst verheiratet sein können, wäre da nie meine kindliche Angst vor Bindung gewesen (die sich erst mit Anfang 30 zu legen scheint). Außerdem wollte ich nie Karriere machen. Ein Beruf im sozialen Bereich ist Berufung oder dein Untergang. Man bezahlt uns häufig in mangelnder Anerkennung und kryptischer Währung. Aber darum soll es heute nicht gehen.

Stattdessen sehe ich hier aber, was ich nicht habe. Dieses Lächeln der Leichtigkeit im Gesicht. Mir ist klar, auf Fotos kann man Momente wiederfinden, die sogesehen natürlich vergänglich sind. Eben noch in die Kamera gelacht und im nächsten Moment mit Durchfall aufs Klo geflitzt. Über die Liebe, die Wahnsinnsreise und den Aufstieg in der Firma geschrieben und beim Herunterfahren in den Pulloverärmel geheult. Ja, ja. Wieso aber dieser Neid?

Woher kommt das Gefühl, tauschen zu wollen? Zum einen kenne ich die anderen und ihre Wirklichkeiten gar nicht mehr und zum anderen sind diese Momente, klitzekleine Ausschnitte. Mehr nicht.

Warum glaube ich, im Leben nicht vorwärts gekommen zu sein, während andere gefühlt fünf Runden an mir vorbeigezogen sind?

Bei der einen ehemaligen Freundin begutachte ich kritisch ihren flachen Bauch. Oberflächlich. Dennoch, sie war zweimal schon schwanger (wie ich) und sieht hervorragend aus.

Bei der nächsten lese ich, sie sei derzeit überglücklich. Dazu strahlt sie in die Linse und deutet an, die Hochzeit vor sechs Jahren sei ihre beste Entscheidung gewesen. Meine beste Entscheidung war es den Ex rauszuwerfen und nochmal auf Neustart zu drücken.

Ein paar alte Kumpels stehen hingegen an einem Felsvorsprung und grinsen debil ob der Naturschönheiten im Hintergrund. Ich meine tatsächlich die Natur und nicht irgendwelche Badenixen. Meine letzte Reise war toll, aber mit zwei Kindern im Gepäck und ohne Vermögen auf dem Konto nicht das selbe.

Ein paar Exfreunde von mir posten sich lachend, befreit, kreativ und sensibel. Unter ihren Bildern reihen sich charmante Kommentare anderer Frauen ein. Ja, ich bin vergeben und kann über Flirts senieren, aber hey verdammt, wieso sind die nach drei bis acht Jahren schon über mich hinweg? Suchen die auch mal nach mir? Linsen heimlich auf mein Profilbild bei WhatsApp?

Es sind diese kleinen Momente absoluter Hirnrissigkeit, die ich mir ab und an gönne. Da zu sitzen und sich zu fragen, ob mein Leben an mir vorbeizieht oder ob ich es nicht habe entgleiten lassen.

Ich weiß um die Umstände. Da sind meine Kids und ein Vollzeitjob. Ein Studium. Eine Partnerschaft. Eine Familie. Ein Haushalt. Ich weiß, dass ich Freundschaften jenseits meines Kiezes kaum pflegen kann, weil ich ohne Auto lebe und manchmal so müde bin, dass mir eine Stunde Fahrt durch die Großstadt wie eine Lebensaufgabe erscheint.

Es ist albern und müßig sich zu vergleichen. Es ist, als würde eine Nacktschnecke auf das Haus ihrer Genossin schauen und sich fragen wie es darunter wohl aussieht. Und die Schnecke sieht zurück und wünscht sich manchmal genauso unbeschwert durch die Gegend schleimen zu können. Oder so ähnlich…