DAS DING MIT DER FREUNDSCHAFT

Können Männer und Frauen miteinander befreundet sein?

Lange Zeit dachte ich „Ja klar, was spricht denn dagegen?“, um später festzustellen: eine ganze Menge.

Ist nur einer von beiden am anderen interessiert, funkt der Funke dazwischen.

Da wird geflirtet, gehofft und sich verbogen. Wenigstens einmal dem anderen so nahe sein, wie eben irgend möglich. Sich einmal berühren, küssen, wohlmöglich mehr.

Zeigt der andere kein Interesse, führt das unweigerlich oft zu Frust und damit hat sich die schöne Freundschaft schnell erledigt.

Natürlich kann es auch passieren, dass beide sich einfach überhaupt nicht attraktiv finden oder zumindest keine tatsächliche Anziehung spüren. Selten.

Oftmals geht da eben doch die kurze Frage durch den Kopf „sollen wir oder sollen wir lieber nicht?“ und damit beginnt das Karussell zu drehen.

Nicht umsonst reagieren viele Frauen empfindlich auf die beste Freundin des Partners, auf die Ex oder die heiße Cousine. Jede Frau, sei es die Nachbarin oder die alte Bekannte aus Studienzeiten wird genau unter die Lupe genommen und nur wenn die Attraktivität weitestgehend konkurrenzlos bleibt, geben wir uns einen Ruck und lassen die zwei machen. Was soll schon passieren?

Es gibt natürlich auch die Möglichkeit bereits mindestens eine Nacht geteilt zu haben und sich somit diesem ewigen Kribbeln zu entledigen. Was probiert wurde, kann auch schnell wieder uninteressant werden. Der Druck ist raus, die Freundschaft kann frei jeglicher Sexualität aufgebaut werden. Es sei denn man hat auf der Weihnachtsfeier dann eben doch zu tief ins Glas geguckt oder Jahre später weckt das Parfum von einst wilde Erinnerungen.

Wie wir es drehen und wenden, es bleibt mysteriös. Warum wollen wir uns ständig fortpflanzen? Uns im Grunde der Neugier beugen und wenigstens einen Abstecher (im wahrsten Sinne des Wortes) in Richtung „Nicht-ganz-so-Freundschaft“ unternehmen?

Reine Biologie? Ein Überbleibsel aus längst vergangenen Zeiten?

Vermutlich.

Es bleibt spannend. Denn wir begegnen so oft Menschen des anderen Geschlechts die uns ähneln, Spaß bereiten und wir nicht zwangsläufig alles unter dem Drama der Beziehung oder Berührung kompliziert gestalten müssten.

Ist so viel nachhaltiger, die gute alte Freundeskiste.

DIE UNGEZÄHMTE

Wie oft denken wir (ich?), der richtige Partner müsse erst noch erfunden werden.

Jemand der bleibt. Jemand der gemeinsam wachsen möchte, sich nicht vor Kompromissen scheut und selbst langweilige Momente souverän vorbeiziehen lässt. Jemand der Herausforderungen liebt, aber keine Bedingungen nach dem Motto „es braucht ewige Schmetterlinge und du bist verantwortlich sie mir zu bereiten“ stellt.

Nun, die letzten Beziehungen und Jahre haben es gezeigt. Nicht der Mann ist bindungsscheu, weil ungezähmt mehr Freude bringt, sondern ich und all meine fabelhaften Freundinnen zu wild, zu fordernd, zu aufregend.

Wir sind die Generation an Frauen, die sich nicht mehr so leicht unterkriegen lässt. In den letzten zwei Tagen habe ich jeweils eine Stunde gebraucht Möbel zu rücken, Zimmer zu renovieren und aufzuräumen. Ich habe einen Entschluss gefasst und mich dahintergeklemmt. Kein Hadern und kein Abwarten. Schon gar keine Hilfe eines Mannes oder ein mitleiderregender Anruf um Unterstützung bittend. Ich bin es auch, die neben dem Beruf noch für das Studium lernt und zwei Kinder unterschiedlichen Alters und unterschiedlicher Bedürfnisse versorgt, umsorgt und großziehen wird.

Für mich und viele andere Frauen ist der Mann längst zu einem Liebhaberprojekt geworden. Eine schöne Sache auf Zeit. Etwas, was wir uns gönnen und nichts das wir brauchen. Die Liebe bleibt dabei zwangsläufig immer im Vordergrund, weil wir aufhören in Abhängigkeiten zu denken. Weder brauchen wir das Geld der Männer, noch deren starke Arme. Wenn wir uns ihnen nähern wollen, dann auf geistig und emotionaler Höhe und gelegentlich sicher auch zum Sex.

Dass einige Männer sich davon mitunter bedroht, mindestens aber eingeschüchtert fühlen können, ist klar. Was könnten sie uns mehr bieten, als ihre geistige Reife? Möbel schrauben sicher nicht.

Wir Frauen denken noch immer zu sehr in ausgelatschten Pfaden. Wir meinen der Mann sei es der permanent auf der Flucht um seine Freiheit ist. Die Realität ist anders. Wir Frauen genießen Freiräume und erfahren Selbstbestimmung. Unsere Kompromissbereitschaft hat dann ein Ende, wenn der Partner aufhört uns ernstzunehmen oder erzählt wir bräuchten ihn, um uns vollwertig zu fühlen.

Alles was wir tatsächlich brauchen, können wir uns besorgen. Alles was Männer wollen könnten, wäre diese Unabhängigkeit zu zähmen. Wer den Eindruck hat nicht mehr gebraucht zu werden, seine Position zu untergraben und vielleicht dem Druck nicht stand halten kann, einer Frau einfach nur Liebe zu geben, wird schnell schwach und sucht bald das Weite.

Die Wahrheit ist, natürlich können wir selbst Löcher bohren, Glühbirnen wechseln und wir kennen die Telefonnummer jedes Lieferservice, der Hausverwaltung oder irgendeiner Bumsbirne.

Was uns tatsächlich einfach manchmal fehlt, ist jemand der auf Augenhöhe bereit ist mit uns diese Freiheit zu teilen. Und der Genuss kommt darunter eigentlich nie zu kurz. Schade, wer noch immer denkt wir müssten zahm sein.

GEWALT AN ALLEN

Zuerst einmal, ja, heute ist der internationale Tag gegen Frauengewalt. Ein wichtiges Thema und ohne Frage nicht kleinzureden.

Was aber ist Gewalt? Wie definiert man Gewalt? Wo fängt Gewalt an und wie erkennen wir diese?

Ist Gewalt ausschließlich die sogenannte Tracht Prügel?

Beginnt Gewalt erst im Erwachsenenalter oder setzt sie bereits viel eher ein?

Sind die Opfer von Gewalt lediglich an ihren blauen Flecken zu bemessen und der Härtegrad ebenso?

Nein.

Gewalt beginnt vielerorts schon lange vor dem ersten symbolischen Akt des Schlagens. Gewalt kann sich abspielen, wo wir Schutzräume vermuten und uns auf Menschen verlassen wollen.

In der Kita werden ErzieherInnen gewalttätig ihren Schutzbefohlenen gegenüber. Zu Hause brüllen Eltern ihre Kinder an und erheben im Streit die Hand.

Manche Gewalt ist sehr subtil. Fast unbemerkt und still. Es genügt ein Blick, eine vorher festgemachte Regel die nicht eingehalten wird und mit Drohungen quittiert.

Manchmal ist Gewalt ein Zeichen von Schwäche und nicht selten eine Demonstration von Macht.

Wer Gewalt praktiziert, wurde häufig selbst Opfer eben dieser Erfahrung. Wurde gepeinigt als Kind. Gedemütigt. Es schlichen sich sogenannte Erziehungsstile ein, die mit Verachtung gestraft werden müssten. Oft sind sie die Norm. Und auch wenn wir die TäterInnen nicht in Schutz nehmen können, sind auch sie meist selbst Opfer gewesen. Noch heute.

Gewalt kann nur gestoppt werden, wenn wir die Opfer schützen. Von Anfang an. Wenn wir die rote Karte zeigen und aufhören Opfer zu verhöhnen, nicht ernst zu nehmen oder ihnen und anderen das Gefühl geben Gewalt sei normal. Ist sie nicht.

Es gibt hier kein richtig oder falsch. Gewalt kann niemals richtig sein. Sie ist Ausdruck dessen, was unsere Gesellschaft krank macht. Einander in Hass und Angst zu begegnen, schwächt uns. Macht uns angreifbar, lässt uns verwundet zurück.

Erhebt eure Hand für Frieden. Gegen Gewalt an allen!

FEMINISMUS IST NICHT NACKT

Wenn ich auf meinen Wäscheständer schaue, sehe ich das obligatorische Kleidchen und ein paar neckische Strumpfhosen zwischen vermeintlich sexy Unterwäsche.

Ich muss mich zwangsläufig fragen, wieso ich im gefühlten Winter das Bedürfnis verspürt habe so rumzulaufen. Was treibt uns Frauen (viele, nicht jede) dazu an, auch bei tiefsten Temperaturen, im Kleid, einer Strumpfhose oder unpraktischen, aber hübschen Schuhen das Haus zu verlassen? Genau, Sozialisierung!

Irgendwer brachte uns im Laufe unserer Kindheit bei, nur zurecht gemacht, seien wir echte Mädchen. Die Haare lang, die Kleidung sauber, unsere Nägel gepflegt und stets darum bemüht vorallem durch Optik aufzufallen.

Mit der Zeit dämmerte uns zwar, dass Aussehen nicht alles sein könne und die stereotypische Frau so gar nicht unseren fortschrittlichen Weltbild entsprechen möge, so ganz ließen wir uns aber doch nicht darauf ein.

Stattdessen modellieren wir ein neues Bild der Frau. Die Frau die nun angeblich freiwillig auf ihren Körper achtet und sich im Minirock Größe 36 wohlfühlen mag, obwohl Diäten und eine Menge Disziplin von Nöten sind diesen angeblichen Wohlfühlstandard aufrecht zu erhalten.

Wir gehen noch immer oberkörperfrei demonstrieren und merken gar nicht welchen Bärendienst wir den Männern erweisen. Statt einer Botschaft die es sich lohnt unter die Leute zu tragen, bringen wir Medien und Männer in Wallung. Die Mission scheitert schon an der Idee. Aufmerksamkeit durch Optik. Hier kann man sicher nicht einmal von Überraschung sprechen, denn voraussehbarer geht es kaum. Eine Frau hat nichts zu sagen, eine Frau muss ihren Körper sprechen lassen, um gehört zu werden.

So lassen wir uns noch immer (vielleicht unbewusst) diktieren was wir tragen sollen, geben dem Partner nach, weil der nun einmal Overkneestrümpfe lieber mag als Jogginghosen und gehen davon aus wir haben genau das auch favorisiert.

Haben wir?

Also ich trage auch gerne Pels. An meinen Beinen. Am ehesten, wenn ich Single bin.

Ich gehe in meinem wärmsten Mantel spazieren und der ist nicht für seine Schönheit bekannt. Ich esse ungesund, wenn mir danach ist und kenne keinen Mann der mir zu Liebe auf Schnitzel verzichten würde, weil mich seine Gesundheit interessiert oder ich im Grunde nur nicht gerne mit Dicken kuschel (Hypothese zur Überspitzung).

Ein Mann kann uns genau das einreden und wir merken es nicht einmal.

Wir sind genau so groß geworden.

Unser ganzes Leben lang war geprägt von diesen kleinen und feinen Prinzipien die es zu leben galt. Eine Frau muss hübsch sein, bescheiden agieren und das Gefühl haben sich auch nur genau so wohlzufühlen.

Selbst Frauen die dick sind, würden sich hüten zusätzlich einen Kurzhaarschnitt und Damenbart zu tragen. Zu viel des Guten eben. Wer auf dem Markt der Eitelkeiten überleben möchte, beruflich anerkannt und von der Männerwelt gesehen werden, passt sich an.

Anpassung jedoch ist unnatürlich. Da wird gezupft, gestützt und verdrängt. Erst die Bauchschürze und später die eigene Autonomie.

Wir sollten uns so nicht fühlen müssen.

Emanzipation war niemals sexy. Sie muss nicht nackt sein, um ihre Werte besser zu verkaufen.

Ich bin eine Frau, aber nicht die Wichsvorlage. Ich bin ein Mensch und habe Bedürfnisse und faktisch genauso oft die Möglichkeit einen Bart, Busch, Bauch oder Wutanfall zu bekommen wie die Männer.

Mein FEMINISMUS sieht vor sich bewusst zu entscheiden, aber sich niemals mehr zu entschuldigen. Meine Weiblichkeit speiste sich lange aus der Idee von dem was weiblich sein soll. Warum aber fühle ich mich eher künstlich als weiblich?

Feminin ist nicht euer Problem. Ich sage den Männern ja auch nicht wie sie mir gegenübertreten sollen, damit ich sie ernst nehme.

TRAUMFRAU ZU VERGEBEN

Vergebens auf der Suche nach Mr Right, machen sich Frauen da draußen auf einem Bild zu entsprechen. Dem Bild der sogenannten Traumfrau.

Aber was muss eine Frau denn mitbringen, um diesem Bildnis gerecht zu werden?

Wird eine Traumfrau nicht irgendwann auch nur zur Realität, damit also zum Alltag und nach und nach langweilig, wenn aus Traum eben Wirklichkeit wurde?

Angenommen ein Mann wünschte sich eine Partnerin die sich dezent schminkt, Absatzschuhe und nette Kleider trüge. Sie sollte außerdem stark und unabhängig sein, denn Kletten mag bekanntlich keiner, aber dennoch permanente Zuneigung durch Verfügbarkeit signalisieren.

Sie muss sich sehen lassen können. Eine Frau für’s Auge. Dumm darf sie auf keinen Fall sein, um ihn nicht zu blamieren, aber möglichst schön unkompliziert bleiben, denn selbstständig denkende Frauen sind ebenfalls ungern gesehen.

Diese Traumfrau sollte arbeiten und ihr Geld selbstständig verdienen, damit sie niemandem auf der Tasche liegt, bei gleichzeitiger Unterordnung seiner Vorstellung von Macht und Position. Er muss die Brötchen verdienen, er muss sich stark und männlich fühlen dürfen.

Sie sollte den Kinderwunsch nicht frei äußern, sondern darauf warten wann ihr Herr und Meister sich bereit erklärt. Der Körper darf dabei weder in Mitleidenschaft gezogen werden, noch das Sexleben oder die Aufmerksamkeit unter dem Spross zu leiden haben. Alles müsste so bleiben wie es war, nur hat man jetzt eben den Stammhalter gezeugt. Nachwuchs ist bekanntlich auch sowas wie ein Denkmal und Erbe.

Dann wird sich außerdem gefragt, ob diese Frau eigene Entscheidungen treffen kann. Dafür muss es möglich sein sie ab und an wohldosiert gehen zu lassen. Sie verreist also gerne, aber schenkt dem Angebeteten so viel Liebe wie möglich. Sie vermisst ihn, wünschte er wäre da. Er müsste natürlich zum Ausgleich noch häufiger verreisen, die Nächte durchmachen mit Freunden und bitte, Lady, keine Eifersucht!

Zicken sind sowieso ganz schlimm. Was kann er für seine Libido und Anziehungskraft auf das andere Geschlecht? Also sollte sie ihm huldigen, indem sie akzeptiert was eben unumgänglich scheint. Auch andere Frauen haben Recht auf ein Stück vom Kuchen. Umgekehrt ist sie natürlich treu.

Andere Männer dürfen gucken, aber sie rennt treudoof immer nur zu ihm. Dabei muss sie neben ihrer Fähigkeit als Sexbombe aber noch ein paar andere Skills draufhaben. Kochen können, wäre nett. Eine Palette schlechter Witze erzählen können. Angemessen oft die Klappe halten, aber ihm andächtig lauschen wollen. Sportinteressiert sein, ohne ihm sein Fachwissen abzusprechen. Der Haushalt ist für sie Leidenschaft und am liebsten erledigt sie all das nackt.

Es ist hart die Traumfrau all dieser Männer da draußen zu sein. Schon ein untreuer Mann bringt das Gleichgewicht ins schwanken. Was weiß denn die Traumfrau von den Träumen des jeweiligen Mannes?

Liest man sich auf Tinder oder anderswo nämlich mal durch was da so gesucht wird, überbieten sich die Herren an Unmöglichkeiten. Schmink dich nicht zu stark, aber mach dich schön! Sei schlank, aber verbiete dir nicht das Essen! Keine Kinder, aber Sex ist unbedingt wichtig! Eine Menge Erfahrung, aber bitte ohne Vergangenheit! Usw.

Liebe furchtbare Single-Männer, wir Frauen haben eigentlich nur einen Wunsch auf unserer Liste:

Seid keine Arschlöcher!