DIE VIELEN PHASEN EINER TRENNUNG

Jeder hat es schonmal gehört, oft wird es belächelt, aber es gibt sie. Die sogenannten Trennungsphasen, durch die wir mehr oder weniger alle mal durch mussten.

In Sitcoms verlacht und in der Realität oft nur von außen erkennbar. Wer lässt sich schon gerne sagen, er würde das Paradebeispiel einer psychologischen Studie über Trennungsschmerz sein?

Besonders spannend wird es, wenn wir die Person gar nicht kennen. Wir also eigentlich auch kaum Mitgefühl empfinden oder uns die Fremde trennt, wo Freundschaft Zusammenhalt schafft.

Wenn Menschen im Internet sich die Blöße geben und ihre Trennung inszenieren wie ein Stück von Shakespeare, kann es schonmal grotesk lustig oder tieftraurig werden. Emotional aber auf jeden Fall.

Eben noch war das Paar glücklich. Vielleicht sogar überglücklich. Hier ein Foto gemeinsam vor dem Sonnenuntergang und da Liebesschwur um Liebesschwur, unter Tränen oder mit wildzerzaustem Haar. Hände die sich berühren oder wer es dezenter mag, kleine Emojis unter Fotos. Je öffentlicher eine Beziehung zelebriert wird, umso schlimmer das Ende dieser.

Zunächst der reale Cut, dann der virtuelle. Es wird sich nicht nur entfolgt, sondern auch jegliche gemeinsame Zeit fotografisch gelöscht.

Dann beginnt die Zeit der Trauer. Möglicherweise war da auch noch Hoffnung und der andere wird hintenrum versucht bei Laune zu halten, indem man auf die guten alten Zeiten hinweist. „Schau wie viel Spaß wir hatten!“.

Hattet ihr?

Jedenfalls ist es nun aus. Endgültig.

Endgültig bedeutet auch, nun so zu tun, als sei alles okay, obwohl nichts funktioniert. Man hat keinen Hunger mehr und kann nicht schlafen. Weint und beißt ins Kissen, hofft auf das Unmögliche. Virtuell bekommen wir davon entweder gar nichts mit (manche Menschen wollen eben nicht alles teilen oder sich selbstzerfleischen) oder wir sehen einen fast nackten Leib vor uns. Verletzt, gedemütigt, unfassbar dünnhäutig.

Es wird geweint, es wird über das Weinen geschrieben. Texte fließen aus Federn, wie Milch aus der Kuh. Jeder darf anteilnehmen und soll Aufmerksamkeit schenken, wo der Ex sie versagt hat.

Es beginnt das trauern in Leid und mündet in Selbstmitleid. „Ich armer Tropf…wieso nur?“. Wir kennen das alle.

Nach und nach wandelt sich unser Gefühl. Wir werden langsam wütend. Vielleicht auf den anderen, manchmal auf uns. Fehler einzusehen fällt jedoch in der Regel schwer. Es ist der andere der uns jetzt im Stich ließ. Wir kauen nicht länger Nägel. Wir gehen wieder aus!

Wir posten davon Bilder. Wohlmöglich werden wir ja noch heimlich beobachtet. Eins in der Wanne, eins in heißen Strumpfhosen und eins kurz vor dem Date sowie danach.

Wir tun so, als sei das alles jetzt gewollt. Unser leichtes Leben ohne den anderen. Endlich frei, endlich Single.

Wir geben uns solche Mühe authentisch zu wirken, dass man uns von außen mit Fremdscham noch schont. Liebeskummer kennt ja jeder.

Nach ein paar Dates spüren wir es wieder. Die Hoffnung auf eine Reunion sinkt. Der andere bleibt fort. Wir geben also auf und winden uns. Die Dates waren Mist. Keiner dabei der über den anderen hinwegtröstet. Der Sex war okay, aber der Geruch, die Berührung, die Stimme…alles nicht der andere.

Wir packen unseren Stolz nochmals ein. Jammern hilft. Essen uns fett, trinken uns dämlich, gehen shoppen. Ablenkung hilft tagsüber, abends sind wir traurig. Online posten wir ein paar Sinnbotschaften und wirken als hätten wir die Weisheit mit Löffeln gefressen.

Endlich beginnt sie, die Zeit der Projekte. Wir wollen wirken. Letzte Hoffnung auf die Aufmerksamkeit des anderen ist ja noch da. Also schreiben wir etwas, was Bedeutung haben könnte. Stellen Nähe her, lassen Gemeinsamkeiten einfließen. Wir wollen dem anderen nahe sein, sei es durch eine versteckte Botschaft in einem alten Lied oder einen Lieblingspulli auf dem Selfie.

Unsere Wut kehrt langsam ein. Der andere bleibt weg. Wir haben inzwischen wieder schlechte Dates und suchen und suchen. Rastlos.

Die Wut führt zu Verallgemeinerungen. Alle Menschen sind schlecht. Insbesondere das andere Geschlecht. Alles Erlebte war ätzend. Ein Drama es nicht früher bemerkt zu haben. Nun wird es Zeit wie Phönix aus der Asche zu steigen und dem blöden Ex zu zeigen was er davon hat. Wir sind drüber hinweg!

Also wird gepostet wie glücklich wir als Singles sind. So glücklich und zufrieden.

Eigentlich sind wir allein. Wir sind noch traurig und einsam. Je weniger wir gewollt werden, umso unglücklicher sind wir. Jede Umarmung fehlt uns. Nachts ist es so still. Das Bett zu groß.

Online sind wir drüber hinweg. Wir sind stark. Emanzipiert. Niemals hilflos oder einsam.

Doch ab und an, nachts, wenn das daten nicht klappt, weinen wir wieder ins Internet. Löschen den Post morgens schnell und hoffen niemand hat es gelesen:“Ich kann nicht mehr. Ich bin so einsam.“ und geben uns zuversichtlich.

Wir posten uns wieder sexy. Begehrenswert. Jemand will uns, behaupten wir. Jedes Date ist plötzlich der potentielle Traumpartner. Jede Tür eine offene.

Wir gehen hindurch und nichts passiert. Keiner will uns. Denn wir sind noch nicht bereit. Jeder spürt es sofort. Da möchte jemand nicht für sich geliebt und kennengelernt werden, sondern für die Rache, gegen die Einsamkeit und die Bestätigung braucht ihn auch.

Alle gehen.

Und weil um uns schon seit einem Jahr alle Frühling feiern und der Ex schon wieder glücklich ohne uns ist, geben wir auf.

Wir gehen nicht mehr gerne aus. Wir verachten andere Paare. Wir setzen uns auf das Sofa und essen was wir wollen, tragen was wir wollen, sehen Filme die der andere gehasst hat. Wir hören in uns rein und erkennen uns wohlmöglich endlich.

Die Wut ist von uns auf andere übergegangen. Kommt immer wieder zurück. Prallt ab. Bleibt bestehen. Wir wollen ein Paar werden. Die Einsamkeit kotzt uns an. Wir sind noch nicht bereit…

KEINE FREUNDE, ABER DATES

Alleinerziehende die sich nicht mit anderen Alleinerziehenden vernetzen, haben eines mit Zugezogenen gemeinsam: keine Freunde, aber Dates.

Es fragte mich erst kürzlich eine Kommilitonin, wo in Berlin denn die besten Bekanntschaften zu schließen sein. Sie dachte an Technoclubs. Diese Stadt sei ihr noch fremd, aber Techno ginge ja immer. Ich musste ein wenig schmunzeln, denn in Technoclubs habe ich allerhöchstens Bettgesellschaft gefunden, aber selten jemanden für den Spielabend oder Museumsbesuch. Natürlich gab es Ausnahmen, aber eben nur wenige.

Sport könnte helfen, riet ich ihr. Sie war Single und ungebunden. Warum also nicht so viel wie möglich ausprobieren. Raus in die Welt. Anders als bei mir, keine Kinder.

Kinder führen dazu, je nach Zeitpunkt ihrer Geburt, den Freundeskreis ausdünnen zu lassen. Viele meiner engsten Freundinnen haben Kinder. Ein erstaunlich großer Anteil ist wie ich alleinerziehend. Zu groß das Stigma den Mann rauben zu wollen. Zu häufig keine Zeit, weil Familienausflüge geplant sind. Da stört man nur.

Dennoch ist es nicht unmöglich jemanden kennenzulernen. Als Single war ich ständig ausgebucht. Die sogenannte Milf ist auf Tinder echt beliebt. Ich habe mich bei dem Gedanken immer geekelt, auf einen sexy Motherfucker, aber niemals die große Liebe zu stoßen. Also blieb ich zum Glück sehr klar in dem was ich wollte und fand die Liebe doch noch.

Freundinnen zu haben und Freundschaften zu pflegen, ist mit Kindern nicht leicht geworden. Es ist aber auch nicht ausgeschlossen. Wenn ich früher vor allem Männer meine Kumpels nannte, sind es heute eher Frauen die zu Vertrauten geworden sind. Partnerin in crime. Wir kennen das Gefühl alleine zu bleiben und wir kennen das Gefühl begehrt zu werden, aber selten wirklich gewünscht.

Sucht euch Freundinnen! Geht raus und findet Menschen wie euch. Sie sitzen mit dem Glas Wein in der Wanne oder vor Netflix und warten. Sie warten nicht auf Mister Right. Sie warten auf die beste Freundin. Eine die bleibt. Eine die Kaffee trinkt und sich niemals am Kind stört. Eine die zuhören kann, ohne an Sex zu denken.

Wir sollten unseren Tacho verschieben. Den Kompass neu justieren. Single, aber nie allein. Mutter, in einer Mütter-Clique. Endlich in Frieden mit sich selbst.

DIE WELT IN DEINEM KOPF

Wir sind uns vermutlich alle darin einig, geliebt werden zu wollen. Am allerliebsten aufrichtig und ohne dafür etwas leisten oder jemand sein zu müssen. Ehrliche Liebe, frei jeglicher Ansprüche und von Druck.

Leider lese ich zeitgleich auch von Menschen, die sehr wohl Ansprüche stellen. Niemand würde unter Niveau, Würde oder Zwang eine Beziehung zu einer anderen Person eingehen. Zumindest nicht freiwillig.

Jemand der eine andere Person kritisch betrachtet, beispielsweise während oder nach eines Dates, findet relativ häufig die Fehler, selten aber die wahre Liebe auf den ersten Blick.

Am Ende des Dates könnte die Frage nach Fortsetzung gestellt werden oder man geht sich gleich aus dem Weg.

Was aber, wenn mein Gegenüber tatsächlich einfach so gar nichts interessantes an sich hat? Wenn diese Person ein Leben in seinem Kopf führt, gerne auch online, aber in der realen Welt heillos überfordert ist?

Was muss ich mitbringen, um dem Gegenüber tatsächlich zu gefallen, damit am Ende der Funke überspringt?

Wir können nicht ernsthaft so naiv sein zu glauben, unser Gegenüber müsse uns einfach nur in einem abgeschlossenen Raum (Chat oder die eigenen vier Wände) treffen, sich unterhalten und damit sei die ewig-treue Beziehung geboren.

Die Ansprüche die wir an andere haben, haben andere doch auch an uns. Natürlich wäre es großartig, wenn nicht mehr dazu gehöre, als zu sein. Die Realität sieht aber anders aus. Humor lässt sich erst erkunden, indem man humorvolle Geschichten schafft. Gemeinsamkeiten stellt man in Aktion fest und schöne Momente auf die man zurückschauen will, werden nicht dauerhaft hinter verriegelten Türen kreiert. Es gehören Abenteuer, Nähe und Distanz dazu. Sich mit anderen auszutauschen, etwas Prägendes erleben, sich verschiedenen Situationen auszusetzen und erfahrbar machen, wie man individuell reagiert und sich dennoch bewusst füreinander entscheidet. Solche Dinge passieren nicht einfach so. Sie wollen gelebt werden.

Es ist ein Leben und will gelebt werden. Miteinander oder alleine. Wer sich für das Miteinander entschieden hat, wird den Schritt nach draußen wagen müssen. So ein weißes Pferd mit dem Ritter in schimmernder Rüstung, passt nämlich selten ins Wohnzimmer.

BLINDDATE

Früher waren Blinddates hauptsächlich von Freunden und Verwandten arrangierte Verabredungen, um verkuppelt zu werden. Es gab eine nicht geringfügige Chance, dass die angetroffene Person schon mindestens einmal auf Herz und Nieren überprüft und von den Kupplern für gut befunden wurde.

Heute sind Blinddates in der Regel alles Verabredungen mit Fremden aus dem Internet. Dazu muss man das Gegenüber nicht mal mehr von sich durch viele Worte, pointierten Texte und eine vertrauenswürdige Stimme überzeugen, sondern lediglich mit einem attraktiven Foto. TINDER sei Dank.

Wenn wir uns also für das Date herausputzten, wussten wir damals meist schon etwas mehr über die andere Person, konnten uns ein Bild zeichnen lassen und was noch beruhigender war:

Jemand wusste wo und mit wem wir uns wann treffen.

Das ist ein Sicherheitspost!

Liebe Leute,

wenn ihr euch online verabredet und ggf. bis auf das Foto und eine vage Beschreibung nichts von dem anderen Menschen wisst, sichert euch so gut es geht ab. Teilt Freunden mit wo ihr hingeht, haltet das Handy griffbereit. Trefft euch an öffentlichen Plätzen und nein, es ist fast nie eine gute Idee (insbesondere nun einmal leider für Frauen), die Männer sofort mit nach Hause zu nehmen. Eure Adresse ist dann abgespeichert, je nach Pegel.

Wenn ihr Kinder zu Hause habt, geht ihr nicht mit fremden Männern aus, ohne einen Babysitter im Hause. Kindern am nächsten Tag den Schrecken zu ersparen in einer leeren Wohnung aufzuwachen, sollte selbsterklärend sein.

Es ist übrigens genauso beschissen, Männer mit in seine Wohnung zu nehmen, wenn das Kind im Bett liegt und durch einen leichten Schlaf geweckt wird. Schlimmer wäre jedoch, wenn der potentielle Partner kein Partner, sondern ein großes Arschloch wäre. Sich absichern, lautet die Zauberformel.

Natürlich wollen wir unsere Dates gestalteten wie wir lustig sind. Wir wollen frei sein und Spaß haben. Möchte der andere auch. Manchmal auf eine Weise die unsere Grenzen bei weitem überschreitet.

Der andere kann im Idealfall ein großartiger Mensch und ein tolles Date sein. Im schlimmsten Fall ist er ein Idiot, Krimineller und nichts sollte uns wichtiger sein, als ein gesundes Misstrauen.

Es heißt immer, wir sollten einen Vertrauensvorschuss liefern. Nö wieso? Vertrauen muss verdient sein. Es gibt Wege sich dieses Privileg schnell zu erarbeiten. Indem man Grenzen respektiert, nachfragt, kommuniziert und sich in Geduld übt.

Wer auf eine Verabredung geht, wird nicht immer bekommen was er sucht, liebe Männer (und natürlich auch Frauen). Findet euch damit ab.

Wer für sich selbst Verantwortung übernehmen möchte, schützt sich nicht nur mit Verhütungsmitteln, sondern auch einer Portion Vorsicht. Wer Kinder zu Hause hat, benötigt sogar noch mehr Achtsamkeit.

Menschen die ihre Kinder in Gefahr bringen, um einen ihnen völlig Fremden zu sich einzuladen, müssen überlegen, ob sie hier klug oder einfach nur egoistisch handeln. Es geht nicht darum keine Dates haben zu dürfen, es geht darum das Beste für unsere Liebsten zu erwirken.

Wir würden unsere Kinder ja auch nicht alleine, planlos und ohne Ziel in ein Flugzeug setzen und schauen was passiert. Wieso also das Fremde, Unbestimmte ins Haus holen und die Tatsache ignorieren, dass auch Kinder ein Recht auf Schutz und Privatsphäre haben. Insbesondere während sie schlafen.

Blinddates machen Spaß und können später zu wunderbaren Lieben führen. Sie können eine ganze Nacht andauern und viele Jahre Glück bescheren. Sie können aber auch direkt in die Hölle führen und uns an unserem Menschenverstand zweifeln lassen. Wir sehen nun einmal nicht hinter die Fassade, bis sie sich uns als hässliche Grimasse offenbart.

Wer keine Lust hat sich verkuppeln zu lassen (oder keine Möglichkeit), darf natürlich immer auf die Onlinesuche gehen. Nur bitte, schaltet eure Selbstachtung ein! Bleibt behutsam euch und euren Kindern gegenüber!

TINDER FÜR’S VOLK

Was früher Opium bzw. Fernsehen wahr, ist heute die riesige Datingindustrie für OnlinerInnen.

Sie sitzen vor ihren winzigen Bildschirmen und bestaunen die Auslage. Alles so schön bunt hier!

Rothaarige, große Kerle, pummelige Frauen, mit oder ohne Anhang, mit oder ohne Bindungsphobie usw.

Und dann veröffentlichen sie auf Twitter oder mindestens unter ihren Freunden und Freundinnen peinliche Kommentare, laden Screenshots ihrer Unanehmlichkeiten hoch und feixen, eigentlich schier verzweifelt, über irgendwelche Trottel, die ihnen bereits nach drei Zwei-Wort-Sätzen nicht anspruchsvoll genug rüberkamen.

Es ist schon schwer mit der Liebe. Mal erwischt es einen und mal erwischt einen eine Grippe. Die Liebe will so richtig nicht zu uns passen. Wie ein drückender Schuh, der im Grunde zu schön ist ihn wegzuwerfen, aber zu schmerzhaft ihn täglich zu tragen.

Also wird gesucht, gewischt, gehofft, Hoffnung zerstört.

Und ich las von Menschen, die über 1500 Matches hatten, mich fragend was dazu führte 1500 mal nach rechts zu wischen?

Habe ich auf der Straße jemals ansatzweise 1500 Mal meine Telefonnummer rausgerückt? 1500 Mal in einem fremden Bett, ist mir auch nicht passiert.

Und wenn man dann begreift, dass die Wahl dort eben eher zur Qual wird, also rein gar nichts mit Liebe zu tun hat, sondern nur mit der Beschleunigung seines eigenen Schicksals, welches einem verdammt noch mal bis hierhin etwas schuldig blieb, kann einem sowas passieren.

Man wischt sich durch sein eigenes trostlosen Singleleben und hofft irgendeiner wird vielleicht nicht genau das gleiche am anderen Ende der Verbindung machen.

Falls doch und das ganze Spiel fliegt auf, bleibt ja noch der Screenshot, der das Gegenüber in der Öffentlichkeit bloßstellt und einem das Gefühl gibt wenigstens nicht ausgerechnet diesen Versager abbekommen zu haben.

Beruhigend.