DIE LEERE DIE MAN SPÜRT

Seit Tagen esse ich nichts mehr. Ein Zeichen das sich etwas verändert hat. Eine echte Leere für eine symbolische.

Auf meinem Couchtisch steht eine einsame Blume im Glas. Geschenkt von einer Mitwisserin, Verbündeten und meiner besten Freundin.

„Das wird sich erstmal nicht richtig anfühlen.“,sagen sie mir. Jemand lehnt sich an meine Schulter und spendet Trost.

„Eineinhalb Jahre.“,wurde gesagt. Eine Zeit die erstmal gut klingt und dennoch schwer erträglich.

Sie bringen mir Schokolade und mein Lieblingsgetränk. Als sei ich sowas wie eine Patientin, aber es stimmt ja auch. Ich fühle mich verwundet.

Alle paar Minuten leuchtet mein Display. Irgendwer ist immer da und fragt, hört zu, nimmt Anteil. Irgendjemand.

Ich habe heute viel gelacht. Dieses hysterische Lachen, bei jedem Anlass der sich bot. Schlechte Witze auf andere Kosten und ein paar wirklich miese auf meine eigenen.

„Mir sagte das auch mal jemand.“, tröstete einer. Ich dachte an meine Vergangenheit und hatte Angst vor der Zukunft.

Abends gab’s ein Stück Schokolade. „Ein Anfang…“,dachte ich und wünschte es hätte nie geendet.

WISSEN IST OHNMACHT

Obwohl wir uns gerne verlieben, wundern wir uns häufig über den Ausgang unserer Beziehungen. Oft jedesmal aufs neue.

Männer wissen es und Frauen wissen es eigentlich auch. Zu Beginn bedeuten wir einander alles, sind interessant, aufregend und neben uns verblasst der Rest der Welt. Später sind wir in den Augen so vieler Männer die Zicken, gelten als anstrengend, als desinteressiert oder nervig. Wir werden ausgetauscht gegen eine jüngere Version und müssen mitansehen wie unser Partner einer anderen nachschaut, anfangs heimlich und später immer offensichtlicher.

Und wir? Wir Frauen ziehen über unsere Männer her. Wie unfähig sie seien. Früher war mehr Lametta.

Da wurde gelacht und sich gegenseitig verwöhnt. Da gab es wenig Streit und überhaupt schien man auf einer Wellenlänge zu schwimmen. Heute ist er faul, langweilig und steht in Verdacht untreu zu sein.

Was einst noch frisch und unbesiegbar erschien, ist mit den Jahren fragile Kunst oder harte Arbeit.

Dabei gibt es eigentlich nichts spannenderes, als sein Ego durch jemanden streicheln zu lassen, der einen lange kennt. Jemand der da ist, obwohl oder vielleicht gerade wegen all der Macken. Jemand der morgens genauso aussieht wie die anderen Tage zuvor. Jemand der sich wirklich besinnen muss, um die zauberhaften Kleinigkeiten seiner Beziehung zu sehen, schätzen und in Ehren zu halten.

Es ist nicht schwer sich zu Beginn Honig ums Maul zu schmieren. Da ist noch Luft nach oben. Wer aber noch nach Jahren der Zweisamkeit, gemachten positiven wie negativen Erfahrungen beieinander steht und sich nicht aus den Augen verloren hat, verdient die Anerkennung und Bewunderung anderer.

Mir ist klar, jeder Flirt da draußen ist geschenkt. Was weiß der andere schon von mir? Wer weiß was wir voneinander halten, nachdem wir uns das erste Mal nackt gesehen haben, innerlich wie äußerlich? Mein Partner, der Mensch den ich auserkoren habe und mit dem ich durch eine lange Zeit gegangen bin, dem zu sagen „Ich finde dich heute echt heiß.“, sollte sich glücklich fühlen, weil ich alles gesehen habe und alles sehen wollte.

Nicht schlecht über den anderen zu reden, sich nicht mehr lieblos zu begegnen und das Ego genau von dir stärken zu lassen, ist meine Liebeserklärung an dich. Da kann keiner mithalten.

Weil ich das weiß, bin ich nicht mehr ohnmächtig.

ANSPANNEND

Alleinerziehende in einer Beziehung mögen mein Gefühl nachvollziehen können und sich in meiner folgenden Geschichte vielleicht wiederfinden. Anderen wünsche ich einen erholsamen Feiertag.

An Feiertagen sitze ich manchmal mit meinen Kindern in der Wohnung und hoffe inständig auf eine kostengünstige Möglichkeit die beiden zu bespaßen. Natürlich kann man auch bei Regen rausgehen und in der Wohnung haben beide ihre Kinderzimmer voll bis unters Dach mit Spielzeug.

Da bleibt aber immer dieses Gefühl zurück, sie sollten mehr von der Welt sehen und mehr von ihrer Mutter haben. Förderung, Unterhaltung, Abenteuer oder irgendwas dergleichen. Die Realität sieht aber so aus, dass ich ohne meinen Partner so gut wie keine Unternehmungen mit beiden, außerhalb des Kiezes mache. Die Bedürfnisse beider gehen zu sehr auseinander und während ich noch versuchen würde sie in die Tram, dann S-Bahn und später den Bus zu schleusen, dreht sich mir bereits der Magen um, im Wissen um den langen Rückweg. Mit nur einem Kind ist es nochmal leichter, aber ab zweien aufwärts eine nicht gern durchgeführte Aktion Richtung Stress.

Nun ist das aber eigentlich nicht so schlimm. Die Kinder erfahren auch nur mit mir schon genug Spaß und Spannung. Wir treffen Freundschaften in der Nachbarschaft. Wir gehen an den See.Wir gehen essen oder einkaufen und spielen ausgiebig im Park oder auf unserem Hof hinterm Haus. Wir laden Freunde ein und feiern manchmal kleine Feste mit den Nachbarskindern.

Ausflüge mit dem Partner sind dennoch eine kleine Abwechslung. Ein Vergnügen, um das er uns nur dann bringt, wenn er keine Lust auf Familie hat oder beruflich unterwegs ist. Und hier kommt mein Haken. Mein Herzstück dieser Geschichte und der Gedanke den sich vielleicht kaum jemand auszusprechen wagt:

Wenn der Partner kein Interesse hat mit den Kids abzuhängen, dann kann er einfach Nein sagen. Er ist komplett aus der Pflicht.

Dieses Wissen macht mich nervös, spannt mich an und gibt mir unterschwellig oft eine Unruhe, die ich insbesondere an Wochenenden und Feiertagen spüre. Wird er oder wird er heute nicht mit uns den Tag verbringen? Plant er ein paar Stunden oder das ganze Wochenende ein? Sehen wir ihn dann die kommenden Wochen seltener oder führt es zu mehr Nähe?

Ich hörte von einem Freund, dessen Mutter sich jedesmal betrunken hätte, wenn der Partner kam. Sie war nervös und hatte Angst ihm nicht zu genügen. Ihn mit ihrem Alltag zu langweilen oder sich nicht locker und witzig genug zu präsentieren. Eine Alleinerziehende ist kein Jackpot. Sie ist stets darum bemüht auszubalancieren, was die Bedürfnisse zwischen Kindern und Partner betrifft. Sie ist so sehr abhängig von den Launen der anderen, dass eigene Wünsche oft lange erst zum Schluss ausgesprochen werden. Da wo der Partner Stütze sein müsste, wird er zum lockeren Spielball. Er hüpft heran und springt wieder weg.

Dieses Gummibandprinzip macht nervös. Macht traurig und befangen. Es lässt sich schwer aushalten und nicht wenige Frauen gehen darum gar keine Partnerschaft mehr ein. Sie sind es leid sich entscheiden zu müssen oder vor die Wahl gestellt zu werden. Sie sind es leid dem anderen vorher erklärt zu haben wie ihre Realität aussieht, aber am Ende an eben genau dieser wieder zu scheitern, weil der andere sich das in kurzer Verliebtheit eben anders vorgestellt hatte.

Partner die ihren Frauen einen Gefallen tun wollen, fragen sich vorher was sie wollen und wenn da nicht groß und breit „eine Familie“ steht, Finger weg!

Danke.

it’s better to burn out than to fade away

Meine Mutter meinte einmal zu mir, ich sei ein so leidenschaftlicher Mensch, meine Partner fühlten sich zu diesem Feuer hingezogen, aber würden sich auch regelmäßig daran verbrennen.

Zugegeben, damals war ich Anfang zwanzig und eine echte Dramaqueen.

Meine Partner hatten es mit mir sicher nicht immer leicht. Ich diskutierte viel, sendete unklare Signale und konnte mich in einer Beziehung schon auch mal verlieren. Dafür brauchte es weder den richtigen Mann, noch große Schwüre. Wen ich erobert hatte, dem war ich dann noch nicht einmal besonders treu, denn ich wollte ja immer alles und am liebsten sofort. Meine Ungeduld führte mich in eine Verlobung und zu zwei Kindern. Wäre ich mein Leben und besonders die Beziehungen langsamer angegangen, wäre sicher einiges anders gelaufen. Ist es aber nicht.

Stattdessen habe ich eine Menge in Kürze über mich und andere gelernt. Mein Verhalten rührte sicher aus großer Unsicherheit. Ich wollte geliebt werden und lieben. Manchmal zu unüberlegt und immer mit dem Kopf durch die Wand.

Inzwischen weiß ich welche Art Beziehung ich führen möchte und kann, ohne selbst zu verbrennen.

Um Stabilität zu erzeugen, nach der ich mich im Grunde immer gesehnt hatte, muss ich zu Ruhe kommen. Dafür benötigt es viel Reflexion und oftmals mehr Kopf als Bauch. Natürlich ist es schön sich von seinen Gefühlen leiten zu lassen, aber meine Gefühle sind durch negative Erfahrungen und den Verlust des Urvertrauens in der Kindheit geprägt. Ich fühlte mich unter Druck alles besser zu machen. Eine wahre Liebe zu finden, jemanden der mich richterlich um meine Hand bittet und mit mir in ein Schloss zieht.

Da dies nicht passieren konnte, weil ich in meinen Beziehungen nie genug Liebe, Zeit und Aufmerksamkeit fand (so dachte ich ja), ließ ich eine Beziehung nach der anderen scheitern. Sicher war ich nicht alleine verantwortlich, aber ich trug meinen Teil dazu bei.

Was mich das Leben und die Beziehungen gelehrt haben, man kann seiner Vergangenheit nicht davon laufen. Jeder Streit, jede Verletzung, jeder Schwur und jede Manipulation. All das diente nur dem Wunsch endlich geliebt zu werden, endlich lieben zu dürfen. Nun ist aber nicht jedes Gegenüber genauso verloren wie man selbst. Manche haben mit ihrem inneren Kind lange Frieden gefunden und einige sind niemals in die Verlegenheit gekommen Frieden schließen zu müssen.

Also veränderte ich mich. Ich akzeptiere nun was ich nicht bekommen kann. Es gibt nicht den einen Mann, der nur für mich geboren wurde und mir mit all seiner Hingabe das Leben ermöglicht, von dem ich dachte es haben zu wollen. Wollte ich nämlich eigentlich nie.

Ich wollte die Liebe meiner Eltern. Die Nähe zu meinem Vater und dieses große normale Glück, welches Trennungskinder immer vermissen. Ich wollte gesehen und geschätzt werden. Einfach ich sein dürfen, ohne etwas dafür tun zu müssen.

Jetzt wo ich um dieses Bedürfnis weiß, stelle ich mir immer wieder auch bewusst die Frage, ob ich meinem Partner denn auch so viel zugestehe?

Darf er sein wer er ist? Lasse ich ihm den Raum den er braucht? Akzeptieren wir uns wie wir sind? Je häufiger ich mit „Ja“ antworte, umso freier fühlt sich unsere Liebe an. Sie ist selbstgewählt, wird nicht erzwungen oder künstlich am Leben erhalten.

Meine Leidenschaft hat sich immer günstig auf mein Liebesleben ausgewirkt. Partner kamen wie die Motten zum Licht. Der berühmte Teufel steckt jedoch im Detail. Es heißt ja nicht umsonst Leid schaffen.

Heute halten meine Beziehungen, weil uns nicht langweilig wird, obwohl wir nicht mehr mit dem Feuer spielen müssen. Obwohl wir ruhiger sind. Bedacht in unserem Umgang miteinander. Sie halten, weil ich Spannung erzeugen kann, ohne anspannend zu sein oder den Bogen zu überspannen. Es war ein Weg über verbrannte Erde, aber ich bin froh am Ende nicht auf mein Glühen verzichten zu müssen, sondern es gemeinsam auskosten zu dürfen.

DIE WELT IN DEINEM KOPF

Wir sind uns vermutlich alle darin einig, geliebt werden zu wollen. Am allerliebsten aufrichtig und ohne dafür etwas leisten oder jemand sein zu müssen. Ehrliche Liebe, frei jeglicher Ansprüche und von Druck.

Leider lese ich zeitgleich auch von Menschen, die sehr wohl Ansprüche stellen. Niemand würde unter Niveau, Würde oder Zwang eine Beziehung zu einer anderen Person eingehen. Zumindest nicht freiwillig.

Jemand der eine andere Person kritisch betrachtet, beispielsweise während oder nach eines Dates, findet relativ häufig die Fehler, selten aber die wahre Liebe auf den ersten Blick.

Am Ende des Dates könnte die Frage nach Fortsetzung gestellt werden oder man geht sich gleich aus dem Weg.

Was aber, wenn mein Gegenüber tatsächlich einfach so gar nichts interessantes an sich hat? Wenn diese Person ein Leben in seinem Kopf führt, gerne auch online, aber in der realen Welt heillos überfordert ist?

Was muss ich mitbringen, um dem Gegenüber tatsächlich zu gefallen, damit am Ende der Funke überspringt?

Wir können nicht ernsthaft so naiv sein zu glauben, unser Gegenüber müsse uns einfach nur in einem abgeschlossenen Raum (Chat oder die eigenen vier Wände) treffen, sich unterhalten und damit sei die ewig-treue Beziehung geboren.

Die Ansprüche die wir an andere haben, haben andere doch auch an uns. Natürlich wäre es großartig, wenn nicht mehr dazu gehöre, als zu sein. Die Realität sieht aber anders aus. Humor lässt sich erst erkunden, indem man humorvolle Geschichten schafft. Gemeinsamkeiten stellt man in Aktion fest und schöne Momente auf die man zurückschauen will, werden nicht dauerhaft hinter verriegelten Türen kreiert. Es gehören Abenteuer, Nähe und Distanz dazu. Sich mit anderen auszutauschen, etwas Prägendes erleben, sich verschiedenen Situationen auszusetzen und erfahrbar machen, wie man individuell reagiert und sich dennoch bewusst füreinander entscheidet. Solche Dinge passieren nicht einfach so. Sie wollen gelebt werden.

Es ist ein Leben und will gelebt werden. Miteinander oder alleine. Wer sich für das Miteinander entschieden hat, wird den Schritt nach draußen wagen müssen. So ein weißes Pferd mit dem Ritter in schimmernder Rüstung, passt nämlich selten ins Wohnzimmer.