DIE WAHL UNS NICHT IN DIE ECKE DRÄNGEN ZU LASSEN

Heute habe ich einen ehrlichen Erfahrungsbericht über eine Abtreibung gelesen. Einen sehr positiven Bericht. Ohne Drama, ohne Spuk und Reue. Ich fühlte mich zum ersten Mal wunderbar aufgehoben, unter all den negativen Schlagzeilen und bedrückenden Anekdoten anderer Leidensgenossinnen.

Die Journalistin des Berichtes beschrieb nüchtern und klar warum diese eigene Erfahrung ihr weder Angst gemacht, noch geschadet hatte und sprang damit von dem Zug, auf den sich so viele Betroffene durch Abtreibungsgegner gedrängt fühlen.

Hier war keine hilflose Frau, die sich Tränen, Ohnmacht und Verzweiflung entgegenstehen sah. Hier war eine Frau die wusste was sie tat und damit dennoch ruhigen Gewissens abends ins Bett steigen konnte.

Eine dieser Frauen war auch immer ich.

Ich wurde weder brutal geschwängert, noch gezwungen das ungeborene Leben vorzeitig abzubrechen. Mein damaliger Partner hätte sich dieses kommende Kind mehr als gewünscht. Die Familie hätte uns unterstützt und ich war bereits Mutter und wusste was auf mich hätte zukommen können. Ich war keine sechszehn, nicht naiv oder überfordert.

Ich war schlicht und einfach nicht bereit für diese Verantwortung.

Der Eingriff hat mich nie traumatisiert oder mir geschadet. Ich bekam noch ein Kind und konnte diese Schwangerschaft bewusst genießen.

Obwohl ich sicherlich auch nervös gewesen war, bin ich weder emotional zusammengebrochen, noch daran verblutet, wie es uns viele GegenerInnen weismachen wollen. Es ist ein medizinischer Eingriff. Sicherlich unter guter Vorbereitung und Begleitung leichter, als wenn wir aus Mangel an Fachwissen und Empathie falschen Vorstellungen unterliegen.

Jede Geburt birgt Risiken. Die Unterleibschmerzen können von Kind zu Kind heftiger werden. Damit habe ich nicht gerechnet und wurde überrascht. Es passiert aber so oder so, ob durch natürliche Geburt, Kaiserschnitt oder nach einem Abbruch. Unsere Körper sind eben auch nur menschlich.

Ja, es gibt Frauen die sich dazu gezwungen sahen und darunter leiden. Ja, es gibt Frauen die an fragwürdiges Personal geraten oder in Beratungsstellen landen, die ihren Namen nicht verdient haben. Wir lesen aber in aller Regel immer überall zunächst die negativen Berichte. Niemand kauft eine Story ohne das nötige Drama.

Warum sich also nicht mehr Frauen zu Wort melden, die den Schrecken nehmen, das Stigma wegwischen und den Schleier lüften, ist mir fraglich.

Dieser Eingriff kostet uns manchmal Mut, manchmal aber auch nur drei Tage auf Krankenschein für den Arbeitgeber. Dieser Eingriff kann unser Leben maßgeblich verbessern oder aber alles so bleiben lassen wie es vorher war. Dieser Eingriff ist keine Ausnahme, Seltenheit oder traumatische Erfahrung. Es ist ein Weg der sich steinig anfühlt, weil wir ihn steinig aussehen lassen. Weil wir Ärztinnen nicht das Gefühl geben, ihren Stempel zu lösen. Ihnen Unterstützung untersagen, indem wir ständig Missstände aufzeigen, statt die Notwendigkeit aufzuzeigen. Uns schämen, obwohl es andere einen Dreck angeht wie wir unsere Zukunft gestalten und über unsere Körper bestimmen.

Eine bessere Anerkennung der Freiheit und Selbstbestimmung für die Frau gibt es nicht. Wir sind auch dann selbstwirksam, wenn wir nüchtern und völlig undramatisch berichten können.

Damit schmälern wir weder das Leid der anderen, noch erbieten wir der Sache nicht den nötigen Respekt. Wir bleiben einfach rational, aus so vielfältigen Gründen, wie uns in einer emotionalen Situation eben möglich sind.