SICH VERGESSEN

Wenn ich zur Arbeit gehe, erscheine ich mit geradem Rücken und Stärke in meiner Brust. Ich weiß genau wer ich bin und wie ich den Tag gestalten werde. Ich bleibe exakt so flexibel, dass es mich nicht überrascht, wenn etwas anders als geplant läuft. Am Ende des Tages bin ich mit mir und meiner Arbeit meist zufrieden und fühle mich richtig und angekommen.

Im Studium geht es mir auch so. Ich bin mir meiner Werte bewusst und kann sie kommunizieren. Da ist so viel Kraft und Ausdauer in mir, von Ehrgeiz ganz zu schweigen. Nur selten erlebe ich derzeit Misserfolge.

Umso schwerer kann ich mir eingestehen, in einer Beziehung noch immer zu viele Kompromisse einzugehen. Mich selbst ein Stück aus den Augen verloren zu haben, obwohl ich mit festen Beinen in die Beziehung schritt.

Anfänglich gehe ich keine Bindung ein, ohne klar zu kommunizieren wo mein Weg hinführen soll. Ich bin vorbereitet auf das Leben, die Liebe und habe eine Klarheit und Entschlossenheit, die dem anderen meist gleich gefällt.

Manchmal ist mein Gegenüber etwas verunsichert und vermutlich fasziniert meine Offenheit auch.

Im Laufe der Beziehung wird aus mir jedoch diese unsichere Person, die meine Mutter war. Das kleine Mädchen, welches ich einst gewesen bin. Jemand die es allen Recht machen mag und sich zwischen mehreren Optionen immer für die gefälligste entscheiden würde. In diesem Moment wird aus der eigentlich festen Persönlichkeit und starken Frau eine andere.

Ich gebe meine Wünsche nicht auf, aber erhebe auch keinen Anspruch mehr sie durchzusetzen. Stattdessen finde ich einen Weg mich mit den Bedürfnissen der anderen zu arrangieren.

Wenn ich früher dann oft nörgelig wurde, weil das Unterbewusstsein mir meine Zufriedenheit nach oben schickte, bin ich inzwischen Expertin darin mich anzupassen und wohldosiert Grenzen kundzutun.

Die Realität sah nämlich lange so aus, dass Partner mir anfänglich wie kleine Welpen nachliefen, sich aber dann an mir gesund gestoßen hatten. Ich gebe Selbstbewusstsein. Ich biete Vertrauen. Ich liefere Geborgenheit und verlange nichts.

Sobald also die Sicherheit der einen Person über die Bedürfnisse der anderen gestellt wurde, gab es kein Zurück mehr. Ich war gefangen. Meine Selbstsicherheit kam ins Wanken. Wollte ich wirklich dies und das zu Beginn oder ist der Wunsch des Partners durchaus angemessen und meinem überlegen?

Solche Gedanken können einem eigentlich nur kommen, wenn man in frühester Kindheit dahingehend Sozialisierung erfahren hat. Meine Mutter passte sich immer an. Sie war stark und schwach zu gleich. Sie blieb, gab und nahm so wenig.

Ich möchte heute nicht mehr so sein.

Meine Bedürfnisse sind genauso viel wert wie die des anderen. Wer sich das Leben an meiner Seite nicht so vorstellt, wie ich es sehe, findet seinen Frieden eben woanders. Den Weg über meine Träume, muss er jedoch nicht nehmen.

DICH UND ALL DIE ANDEREN LOSLASSEN

Laut meines Jahreshoroskops, werde ich 2020 endlich einem dreijährigen Fluch entkommen. Irgendeinem Planeten habe ich es wohl zu verdanken, ständig von einer Trennung zum nächsten Drama zu stolpern. Damit sei dann aber endlich Schluss. Die Belohnung wartet also im Jahr 2020.

Und tatsächlich. Mein Leben fühlte sich die letzten Jahre rastlos an. Auf der Überholspur sozusagen. Meist habe ich gar nicht begriffen wie mir geschieht. Eine Beziehung endete und die nächste stand in den Startlöchern. Ich blieb mir und meinen Mustern treu und hangelte durch ein Leben voller Ideen und Möglichkeiten. Dabei lernte ich mich besser kennen und verfluchte alte Gewohnheiten.

Zum Glück.

Denn so wie ich jetzt bin, mag ich mich. Ich treffe eigentlich unentwegt Entscheidungen. Mal überlege ich, ab und an erlaube ich mir impulsiv zu bleiben.

Ich habe viel erlebt und gleichzeitig immer wieder gleiche Knöpfe gedrückt. Ängste lassen sich nicht so schnell bereinigen. Ich traf oft auf Menschen die mir Lektionen verpassten und fand in keiner einzigen meinen Frieden.

Als ich endlich soweit war, war es mein Gegenüber leider nicht. Stattdessen blieb er ruhelos. Blieb unzufrieden. Ich war angekommen, er nicht. Sowas nenne ich ein ganz schlechtes Karma.

Nun bin ich aber enthusiastisch. Da gibt es also einen neuen Abschnitt, vielleicht in Stärke, Kraft und Liebe, auf die ich schon mein Leben lang hingearbeitet habe.

Ich habe meine Vergangenheit gebraucht, um da zu stehen wo ich jetzt bin. Stolz, schön, ungebeugt.

2020 – Das wird unser Jahr.

DIE LEERE DIE MAN SPÜRT

Seit Tagen esse ich nichts mehr. Ein Zeichen das sich etwas verändert hat. Eine echte Leere für eine symbolische.

Auf meinem Couchtisch steht eine einsame Blume im Glas. Geschenkt von einer Mitwisserin, Verbündeten und meiner besten Freundin.

„Das wird sich erstmal nicht richtig anfühlen.“,sagen sie mir. Jemand lehnt sich an meine Schulter und spendet Trost.

„Eineinhalb Jahre.“,wurde gesagt. Eine Zeit die erstmal gut klingt und dennoch schwer erträglich.

Sie bringen mir Schokolade und mein Lieblingsgetränk. Als sei ich sowas wie eine Patientin, aber es stimmt ja auch. Ich fühle mich verwundet.

Alle paar Minuten leuchtet mein Display. Irgendwer ist immer da und fragt, hört zu, nimmt Anteil. Irgendjemand.

Ich habe heute viel gelacht. Dieses hysterische Lachen, bei jedem Anlass der sich bot. Schlechte Witze auf andere Kosten und ein paar wirklich miese auf meine eigenen.

„Mir sagte das auch mal jemand.“, tröstete einer. Ich dachte an meine Vergangenheit und hatte Angst vor der Zukunft.

Abends gab’s ein Stück Schokolade. „Ein Anfang…“,dachte ich und wünschte es hätte nie geendet.

WAS IST IN DICH GEFAHREN?

Menschen die sich von einem Moment zum anderen wandeln, ihre Stimmung sich verändert, ihr Wesen nicht mehr dem entspricht, welches uns so wohlbekannt vorkommt, lassen uns stutzig zurück im Idealfall. Im schlimmsten Fall bringen sie uns um den Verstand.

Manchmal sind es wir selbst, die ihr Verhalten von jetzt auf gleich ändern, ohne Vorwarnung eine Entscheidung treffen, die andere ins Wanken bringt. Wir wissen nicht wieso und woher der Sinneswandel kam, aber da ist er nun.

Die klugen Köpfe unter uns, die mit viel Empathie gesegnet wurden, gehen in sich und sprechen erstmal an und später aus, dass etwas nicht stimmt. Dass sich etwas verändert, etwas anders geworden ist und vielleicht nicht mehr zurück zu holen sein wird. Manchmal bemühen wir uns um eine Besserung oder geben das alte nicht auf, lassen neue Gefühle nicht gleich Herr über unser Leben werden. Jeder hat mal eine schlechte Woche, jeder fühlt sich im Alltag gefangen oder kann sich nicht mehr vorstellen was da einst noch so reizte.

Wir überlegen dann. Wir horchen in uns rein. Wir teilen uns hoffentlich mit.

Wenn jemand uns vor vollendete Tatsachen stellt, sind wir wie hilflose Kinder. Da bleibt wenig Zeit sich an eine Situation zu gewöhnen und die Energie die es benötigt sich umzustellen, begräbt sich unter der Verlustangst und dem Kummer. Wenn wir also wissen wie es sich anfühlt, wissen wir auch was wir dem anderen nicht an tun wollen.

Wir gehen vorsichtig vor. Wir sprechen das Unangenehme aus. Wir reden, reden, reden. Wir teilen die Gefühle und lassen sie so wirken. Wir überprüfen, ob der andere damit umgehen kann und lassen uns nicht von einer Laune leiten, sondern der Vernunft und dem Gefühl das mal da war.

Wir suchen eine gemeinsame Lösung. Einen Weg. Eine Art moralische Verpflichtung dem anderen, aber auch uns gegenüber. Alles was wir unvollendet zurücklassen, holt uns in irgendeiner Form später ein. Wir arbeiten uns wohlmöglich ein Leben lang an dieser Aufgabe ab.

Wir gehen den Weg niemals alleine. Jede Entscheidung trifft auf uns und betrifft in der Regel auch andere. Wenn wir in der Lage sind unser Gefühl frei zu kommunizieren, erlauben wir dem anderen uns besser zu verstehen und ggf. zu helfen eine Lösung zu finden.

Wer diesen Weg abkürzt, weil impulsive Sprünge sich einfacher anfühlen, wird den eigenen Horizont nicht erweitern, sondern stagnieren wo er immer stand. Entwicklung ist keine leichte Lektion.

TRAUMFRAU ZU VERGEBEN

Vergebens auf der Suche nach Mr Right, machen sich Frauen da draußen auf einem Bild zu entsprechen. Dem Bild der sogenannten Traumfrau.

Aber was muss eine Frau denn mitbringen, um diesem Bildnis gerecht zu werden?

Wird eine Traumfrau nicht irgendwann auch nur zur Realität, damit also zum Alltag und nach und nach langweilig, wenn aus Traum eben Wirklichkeit wurde?

Angenommen ein Mann wünschte sich eine Partnerin die sich dezent schminkt, Absatzschuhe und nette Kleider trüge. Sie sollte außerdem stark und unabhängig sein, denn Kletten mag bekanntlich keiner, aber dennoch permanente Zuneigung durch Verfügbarkeit signalisieren.

Sie muss sich sehen lassen können. Eine Frau für’s Auge. Dumm darf sie auf keinen Fall sein, um ihn nicht zu blamieren, aber möglichst schön unkompliziert bleiben, denn selbstständig denkende Frauen sind ebenfalls ungern gesehen.

Diese Traumfrau sollte arbeiten und ihr Geld selbstständig verdienen, damit sie niemandem auf der Tasche liegt, bei gleichzeitiger Unterordnung seiner Vorstellung von Macht und Position. Er muss die Brötchen verdienen, er muss sich stark und männlich fühlen dürfen.

Sie sollte den Kinderwunsch nicht frei äußern, sondern darauf warten wann ihr Herr und Meister sich bereit erklärt. Der Körper darf dabei weder in Mitleidenschaft gezogen werden, noch das Sexleben oder die Aufmerksamkeit unter dem Spross zu leiden haben. Alles müsste so bleiben wie es war, nur hat man jetzt eben den Stammhalter gezeugt. Nachwuchs ist bekanntlich auch sowas wie ein Denkmal und Erbe.

Dann wird sich außerdem gefragt, ob diese Frau eigene Entscheidungen treffen kann. Dafür muss es möglich sein sie ab und an wohldosiert gehen zu lassen. Sie verreist also gerne, aber schenkt dem Angebeteten so viel Liebe wie möglich. Sie vermisst ihn, wünschte er wäre da. Er müsste natürlich zum Ausgleich noch häufiger verreisen, die Nächte durchmachen mit Freunden und bitte, Lady, keine Eifersucht!

Zicken sind sowieso ganz schlimm. Was kann er für seine Libido und Anziehungskraft auf das andere Geschlecht? Also sollte sie ihm huldigen, indem sie akzeptiert was eben unumgänglich scheint. Auch andere Frauen haben Recht auf ein Stück vom Kuchen. Umgekehrt ist sie natürlich treu.

Andere Männer dürfen gucken, aber sie rennt treudoof immer nur zu ihm. Dabei muss sie neben ihrer Fähigkeit als Sexbombe aber noch ein paar andere Skills draufhaben. Kochen können, wäre nett. Eine Palette schlechter Witze erzählen können. Angemessen oft die Klappe halten, aber ihm andächtig lauschen wollen. Sportinteressiert sein, ohne ihm sein Fachwissen abzusprechen. Der Haushalt ist für sie Leidenschaft und am liebsten erledigt sie all das nackt.

Es ist hart die Traumfrau all dieser Männer da draußen zu sein. Schon ein untreuer Mann bringt das Gleichgewicht ins schwanken. Was weiß denn die Traumfrau von den Träumen des jeweiligen Mannes?

Liest man sich auf Tinder oder anderswo nämlich mal durch was da so gesucht wird, überbieten sich die Herren an Unmöglichkeiten. Schmink dich nicht zu stark, aber mach dich schön! Sei schlank, aber verbiete dir nicht das Essen! Keine Kinder, aber Sex ist unbedingt wichtig! Eine Menge Erfahrung, aber bitte ohne Vergangenheit! Usw.

Liebe furchtbare Single-Männer, wir Frauen haben eigentlich nur einen Wunsch auf unserer Liste:

Seid keine Arschlöcher!