CORONA VS ALLEINERZIEHEND

Als Alleinerziehende bin ich ja mit so einigen Hürden vertraut. Die Nächte in denen ein Kind nicht durchschlafen kann, wach liegen, Einkäufe buckeln und natürlich stets aus eigener Tasche bezahlen, Stigmatisierung aus jeder Ecke und diese Einsamkeit am Abend, wenn die Belastungen zu schwer wiegen.

Mein Netzwerk ist gut und groß. Freundschaften die hilfsbereit die Einkäufe der kommenden Woche mit mir erledigt haben und Zuspruch, dieser Tage ganz besonders aufeinander zu achten. Wir unterstützen jetzt die älteren Familienmitglieder, so es geht und schränken uns hier und da eben etwas ein. Der Radius für die Kids wird kleiner und Freiräume etwas beschnitten.

Zu dumm nur, dass nun, wenn auch aus guten und nachvollziehbaren Gründen, die Bildungseinrichtungen und Kitas geschlossen werden. Und noch schlimmer, der Verdienstausfall erst einmal nicht ausgeglichen wird. Mich trifft es doppelt hart. Ich arbeite in einem sozialen Beruf. Bin gerade von der Grundschule in die Kita gewechselt und stehe vor der Herausforderung zwei Kinder alleine betreuen zu müssen, während in den kommenden Wochen definitiv kein Geld reinkommen wird. Denn ich gehöre nicht zu den Auserwählten die demnächst die Notbetreuung machen können. Das sind in unserem System vorrangig natürlich die alleinstehenden Kinderlosen. Und so sehr ich diesen Einsatz begrüße, genau da liegt wieder der Vorteil klar auf der Hand. Singles werden bevorzugt. Besser noch: verheiratet und kinderlos. Zwei Einkommen oder wenigstens die Möglichkeit sich zweimal im Beruf finanziell einzuschränken, ohne gleich am Hungertuch zu nagen.

Auf mich und viele andere Alleinerziehende trifft dies nicht zu. Weder wurde das bedingungslose Grundeinkommen durchgesetzt, noch die Mieten gedeckelt. Es gibt auch keine niederschwelligen Zuschüsse vom Staat, sondern nur langwierige Behördengänge, die sich nicht mit Corona und zwei Kindern vereinbaren lassen.

Aktuell bin ich mehr als erschöpft und wünschte mir manchmal die Freiheit nicht für drei sorgen zu müssen. Im kommenden Monat nicht einmal von 60 Prozent meines Gehalts die Miete und laufenden Kosten decken zu können, ist ein Armutszeugnis für meinen Berufsstand, unser Land und diese Gesellschaft.

Corona zeigt uns zumindest eine Sache deutlich: wir sind schwach. Und einige von uns werden schwach gehalten.

2 Kommentare zu „CORONA VS ALLEINERZIEHEND

    1. Die ersten von uns werden in den unbezahlten Urlaub geschickt und einige bekommen nur 60 Prozent ihres üblichen Gehalts. Es wird gerade verhandelt. Montag wissen wir mehr. Insbesondere freie Träger haben wohl Handlungsspielraum.

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