MEIN HAPPYEND

Als ich vor knapp fünf Monaten verlassen wurde, brach mein Herz spürbar. Es brach aber nicht nur, sondern wuchs auf völlig neue Weise beeindruckend schnell zusammen.

Was ich versuche zu beschreiben, ist der Umstand, heute eine andere Frau zu sein.

Üblicherweise habe ich Trennungen immer schneller überwunden, wenn ich sofort wieder in den Sattel stieg. Also rein ins Single-Portal und losgesucht. Ein paar Dates später stand er dann da. Der Neue.

Oftmals habe ich mich dann gar nicht lange mit meiner Vergangenheit aufgehalten. Die Zeit der Trauer war vorbei, die gemischten Gefühle schrieb ich der neuen Verliebtheit zu. Manchmal fing die neue Liebe auch langsamer an, erstmal treffen, Kaffee trinken, ein Konzert besuchen, etwas quatschen im Park oder am Ufer der Spree. Abends ging es dann entweder ans Eingemachte oder blieb bei einem Abschiedsdrücker vor meinem Haus. Nie und nimmer hätte ich das für falsch, unüblich oder abwegig gehalten. Sich Ruhe zu gönnen, stand nicht auf meiner Agenda. Ein neuer Mann an meiner Seite, die ruhelose Suche nach der großen Liebe eben.

Aber sie waren keine großen Lieben.

Sie waren kleine Geschenke an mein Herz zur Versöhnung und zum Trost. Wie Schokoladeneis und Liebesfilme. Meine Liebesfilme sollten im echten Leben stattfinden und so sehr ich auch versuchte in der Beziehung dann reflektiert, besonnen, erwachsen zu handeln, so sehr hatte ich mir in der Phase davor etwas vorgemacht.

Denn jetzt ist es eben doch anders. Jetzt ist da kein Date, keine Affäre, keine rastlose Idee von Liebe und Familie.

Da sind die Kinder und ich. Meine Freundinnen, meine Familie, mein Wirken und mein sich langsam wieder erholendes Herz. Und dieses Herz hat gelernt, dass egal wie wunderbar der nächste Mensch auch sein mag, ich dies nur ergründen kann, wenn ich mir Zeit dafür nehme. Wenn er mir Zeit dafür lässt. Wir einander kennenlernen und feststellen, ob es wirklich passt oder sich lediglich um eine Form von Anziehung handelt, die wir auch ohne Beziehung ausleben könnten.

Weil all diese Gedanken aber erst nach und nach aufkamen, muss ich etwas schmunzeln. Ich sehe meine Freundinnen die ähnlich oder völlig anders gelebt haben. Die solche Erfahrungen bereits gemacht und mich gewarnt hatten oder die von großen Erwartungen noch immer auf das falsche Pferd Liebe setzen.

Wir alle haben etwas gemeinsam. Die Enttäuschung. Verbunden mit der Angst niemals mehr jemanden zu finden, der sich als würdig erweist. Zu verbittern oder sich immer und immer wieder an Männer zu haften, die uns eigentlich nichts geben.

Mit diesem Gefühl habe ich abgeschlossen. Zum wohl ersten Mal. Ich bin weder wütend, noch traurig. Ich bin versöhnt mit mir und all den Männern meiner Vergangenheit. Wir wussten es nicht besser. Wir wollten lieben und wollten die eine große Sache für den anderen sein. Wir gaben uns hin und scheiterten insofern, eben auf Abbruch drücken zu müssen, so sehr unsere Herzen auch an der Idee von uns hingen.

Hätten wir einander kennenlernen dürfen, vollkommen frei von Erwartungen und gesellschaftlichem Druck, wären wir wohlmöglich nie zusammen gekommen oder heute eine stabile Einheit.

Mit diesem Wissen, um die Fragilität, um das Konstrukt, die Erfahrung die es brauchte, lebe ich alleine sehr gut. Von einem Tag zum anderen. Ohne Hoffnung und ohne Schmerz.

Vielleicht wird es nie den einen an meiner Seite geben, aber es gab sehr viele andere. Ich war wohl nie die eine für all jene, aber ich war da. Wir haben einander viel beigebracht und jetzt und hier ist mein Herz endlich in der Lage zu erkennen was wirklich wichtig ist. Ein Stück Weg, den ich gehen musste. Etwas Zeit, die es brauchte mich kennenzulernen. Etwas Raum, mich so zu lieben, wie ich bin.

Vermutlich war ich in mich ebenso sehr verliebt wie in mein Gegenüber. In mein Feuer, meine Leidenschaft und mein Engagement. Ich durfte mich in den letzten Monaten aber auch lieben für die andere Seite in mir. Und ich möchte nie mehr ruhelos nach jemandem suchen, der mich nur fünfzig Prozent meiner selbst sein lässt.

Das Alleinsein ist eine schöne Erfahrung. Ich bin nicht einsam. Ich lebe in Ruhe.

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