ZWISCHEN AUFSICHTSPFLICHT UND KONTROLLWAHN

Wenn wir Eltern werden, entscheiden wir uns bewusst für ein paar Dinge die wir besser machen wollen als unsere Eltern. Manches Mal übernehmen wir gerne einige ihrer Erziehungsmethoden und unbewusst, auch gar nicht so selten, greifen wir auf alte Muster zurück.

Da gibt es Beispiele von Kindern die ganz bewusst Rebellion gegen die eigene Erziehung betreiben und an ihren Kindern nun stets und ständig Wiedergutmachung leisten. Waren die Eltern streng, sind wir es heute nicht mehr. Waren die Eltern grenzenlos, setzen wir bewusst einige mehr. Haben die Eltern keine Orientierung geboten, nehmen wir dem Kind jede Entscheidung ab usw.

Tatsächlich ist es aber nicht minder selten, dass wir als Eltern dann eben auch sagen „Hat mir schon nicht geschadet, gebe ich jetzt also auch so weiter!“. Inwiefern diese Aussage auch zutrifft, entscheidet natürlich jeder selbst. Nicht jeder erkennt das Fehlverhalten seiner Eltern als solches an und nicht wenige setzen dennoch auf das falsche Pferd in Sachen Verpflichtungen.

Wir sind von Gesetzeswegen, außerdem auch moralisch und emotional sowie biologisch dazu verpflichtet unsere Kinder so lange zu beaufsichtigen, bis sie den Kinderschuhen entwachsen sind. Je nach Kind und Umständen, geben wir ihnen mehr Raum zur eigenen Entfaltung und nehmen ihnen nicht jede Entscheidung ab.

Wir vergessen häufig, dass Kinder nicht ewig Babys bleiben, aber sind ebenso unklug darin, sie mit Erwachsenen zu verwechseln. Ein Kind kann nicht verantwortlich gemacht werden für all seine Entscheidungen. Es fehlen schlicht die Erfahrungen und die geistige und körperliche Reife.

Dies ist kein Freibrief Kinder ewig klein zu halten. Sie wachsen. Äußerlich und innerlich. Sie durchleben Phasen die uns nicht immer schmecken und sie werden mehr als einmal an Grenzen stoßen und um Unterstützung bitten. Bleiben wir verpflichtet wachsam an ihrer Seite zu stehen? Definitiv!

Wer seine Kinder im Nebenzimmer mit dem Computer oder Smartphone stundenlang alleine lässt, kann sich auf ein großes gegenseitiges Vertrauensverhältnis stützen oder für naiv gehalten werden. Wer denkt die Pubertät ist kein Prozess ständig sich verändernder Stimmungen, Meinungen, Ansichten und Reaktionen sowie Aktionen, hat bis hierhin schlichtweg Glück gehabt oder starke Nerven. Wer denkt ein Jugendlicher kann sich aus allen Lagen selbst befreien, liegt falsch. Zeigt mir einen Erwachsenen der alles alleine lösen kann.

Kindern den Weg zu bereiten, ist im Grunde genauso wenig notwendig, wie sie alles alleine meistern zu lassen. Begleitung ist das Schlüsselwort. Angemessene und verantwortungsvolle Nähe. Keine Kontrolle.

Wir lassen Kindern Freiräume an Stellen die sie überblicken können, so lange sie sich wohlfühlen, uns nicht brauchen und wir darauf bauen können, dass sie sich und anderen keine Schäden zufügen. Sie sollen Erfahrungen sammeln. Sie sollen Fehler machen. Wir sind da, authentisch und liebend.

Gebt eure Kinder nicht mit der Pubertät an ihr Kinderzimmer ab. Nehmt ihnen im Kleinkindalter nicht die Luft zum Atmen.

Es ist schwer Eltern zu sein. Es ist schwer Kind zu sein. Gemeinsam werden wir stark.

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