DIESER FUNKELGLITZER-ZUNDERSCHWINDEL

Zwischen Mitte zwanzig, Tendenz eher Richtung fast vierzig, geben sich viele GroßstädterInnen heute gefühlt mehr Mühe etwas aus ihrem Leben zu machen.

Die jüngeren Leute sind noch in ihrer Ratlosigkeit unbeschwert leise. Beruhigend, denn das Getue der bereits fünf Jahre Älteren, ist kaum mehr auszuhalten.

Jeder hat die Weisheit mit dem Löffel gefressen. Alles so schön Bio, bewusst, durchdacht und unter den besten Sternen bereitet. Nie geht etwas schief und falls doch, darf es bald als euphorische Botschaft auf einem der vielen Kanäle herhalten. Tiefe? Fehlanzeige.

Da wird Sinnentleerung zur Marketingmaschine. Echtheit bleibt unter einem Haufen Pseudo-Philosophie stecken. Philosophie können wir jetzt nämlich alle. Dieses Ding in Metaphern und kraftlosen Worthülsen.

Wir verschränken unsere Arme, um sie sogleich in die Hüfte zu stämmen:“Ich kann das! Du kannst das! Keine Ausreden mehr!“

Jeder Schlag ins Gesicht eine Lektion und jede Lektion Verpackung für verkaufte Scheiße um Follower zu generieren. Klick mich, Babe. Gib mir das Gefühl jemand zu sein!

Und so reisen wir alle durch unsere Leben, mit einer Idee im Gepäck von dem was wir sein sollten und der Hoffnung niemand erkenne wie banal unser Alltag, wie miefig unser Morgenatem und langweilig unsere Geschichte war, bis wir sie online aufgewertet haben.

Heute sind normale Jobs entweder wieder trendy, weil Handwerk so ehrlich und robust ist und soziale Belange reichen doch immerhin noch aus sich zu profilieren, aber unterm Strich ist alles Kunst. Künstliches schwadronieren über unsere letzten Reisen, tolles Nachhaltigkeitsbewusstsein, unsere gesellschaftliche Verantwortung und die viele viele Liebe die wir bis in die Zehenspitzen fühlen und zu vergeben haben.

Nichts, aber auch gar nichts davon sagt etwas über uns aus.

Wer wir waren, wer wir sind. Wer uns sozialisiert hat und wo der Finger noch heute in der Wunde liegt. Unser Perfektionismus und der Drang allen unseren Stempel aufzudrücken. Unser ewiges Peter Pan Syndrom als Ausdruck absoluter Unfähigkeit. Wir wollen nicht erwachsen sein. Geben uns nicht einmal mehr Mühe dies zu verheimlichen. Wir sind Generation bedeutungsvoll. Wir wollen gesehen und verstanden werden. Wollen geliebt werden und haben verlernt ehrlich zu lieben.

Unser Leben ist ein Schaulaufen und Hetzerei durch Funkelzunderfeenzauber, der uns vermutlich verwehrt wurde und nun so sehr herbeigesehnt ist.

Eines Tages verblassen wir. Und was von uns bleibt sind leere Worte und der fade Geschmack nichts bewirkt zu haben.

3 Kommentare zu „DIESER FUNKELGLITZER-ZUNDERSCHWINDEL

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