VON TIEFSCHLÄGERN ERHOLEN

Als ich vor zwei Tagen auf Arbeit, so in meinen Augen und denen meiner Kolleginnen, frauenfeindlich und abwertend angegangen wurde, lag meine eigentlich gute Stimmung brach.

Ich war verunsichert und wie gelähmt. In meiner Angst um meinen Ruf und der Sorge dieser Kollege könne auch andere auf ähnliche Weise belasten, lief ich Sturm. Ich bündelte meine Kräfte und erzählte erst den engsten Kolleginnen und später auch den Männern sowie Leitungen von diesem Vorfall. Bis auf eine Ausnahme fielen alle aus den Wolken. Nach und nach öffnete sich eine Kollegin um die nächste bei mir und erzählte von immer absurderen Momenten mit diesem Menschen. Mir war flau und ich wollte mich zurückziehen, zumal seine Sticheleien nicht enden wollten. Meist immer auf der Suche nach Schnitzern meinerseits, die mir dann natürlich auch hin und wieder vor lauter Anspannung passierten.

Heute Nacht wachte ich mehrfach auf und schlief schlecht ein. Warum hatte mich dieser Typ so getroffen? Was war es was er in mir auslöste? Ich denke Scham. Ich wollte ihn nicht mehr sehen, mich nicht mehr mit ihm konfrontiert sehen und hatte Angst vor der Wirkung seiner Worte und Meinung über mich. Was wenn das Team mich auch durch seine Augen betrachtete? Was wenn meine Leitung sich seinen Anschuldigungen annahm und mir nicht glauben wollte?

Wie ein Missbrauchsopfer fühlte ich mich.

Ich war beschmutzt worden von seiner dreckigen Phantasie. Einer Vorstellung von mir die nicht zutraf und einer Herabwürdigung meiner bis hierhin gut geleisteten Arbeit über zwei Jahre. Ich hasste ihn. Ich hatte Angst vor ihm. Es gab keine Zeugen und er versuchte mich recht subtil diese Woche im Team schlecht zu machen. Zum Glück standen alle, bis auf besagte Ausnahme, hinter mir. Ich hatte mir nie etwas zu Schulden kommen lassen und werde geschätzt und gemocht. Er war es, der bereits mehrfach auffällig geworden war und in seiner herablassenden Art viele junge Kolleginnen herabgesetzt hatte. Er war es, der mehrfach Thema der Supervision wurde und er war es auch, der schon negativ bei der Leitung aufgefallen war. Ich bisher nie.

Wir arbeiten in einem sozialen Beruf. Menschlichkeit ist mein Ethos. Ich baue darauf professionell und feinfühlig zu arbeiten und respektvoll behandelt zu werden, so wie ich andere respektvoll behandele. Persönliche Vorlieben oder Konflikte trage ich nicht auf Arbeit aus und jemand der sich mir im Vertrauen öffnet, wird niemals sein Vertrauen missbraucht sehen. Ich habe in diesem Team nie die Erfahrung machen müssen, persönliche Tiefschläge dieser Art einzustecken. Natürlich gibt es untereinander Kritik und manche Handlungen anderer so wie die eigenen können hinterfragt werden. Natürlich ist nie alles harmonisch und der Stress lässt uns zwar auch enger zusammenrücken, aber auch oft an Grenzen stoßen. Aber niemand, wirklich niemals, hatte mich herabgewürdigt, wohlmöglich mit meinen privaten Angelegenheiten bestraft für fachliche Differenzen. Wieso auch?

Als ich schweißgebadet aufwachte, war mir klar, dieser Stachel sitzt tief. Es tat weh heute zur Arbeit zu gehen und ich zitterte beim Blick auf die Uhr und seines baldigen Erscheinens. Ich öffnete mich nochmals einer Kollegin, diese ist zeitgleich Mitarbeiterinteressenvertretung. Sie nahm sich Zeit und hörte zu. Sie war empört wie alle bereits vor ihr. Sie war wütend für mich. War verständnisvoll an den richtigen Stellen und gab mir früher frei. Ich huschte nach Hause in mein Bett und versuchte den Frühdienst auszuschlafen. Leider vergebens.

Es dauerte etwa vier Stunden, einen guten Song und ein paar Pläne für den Abend ohne Kinder, bis ich mich aus meiner Ohnmacht befreit hatte. Das Karussell in Gedanken dreht sich noch, aber langsamer. Ich scheue mich nicht vor Konfrontation, aber vor dem kommenden Montag habe ich großen Respekt.

Ich würde mir wünschen, mein Team, insbesondere die Frauen, würden all ihre Erlebnisse mit ihm auspacken und damit Scham und Schuld auf unserer Seite endgültig begraben. Er ist der Täter und das Opfer seines schlechten Stils. Seine soziale Arbeit steht in krassem Missverhältnis zu seinem Sozialverhalten.

Ich hoffe sehr auf eine starke Haltung meinerseits. Ich wünsche mir bis dahin ein paar gute freie Tage. Entspannung und Wunden die schnell schließen. Ich möchte eines Tages traumatisierten Kindern und Jugendlichen helfen und weiß nicht, ob meine Stärke ausreicht, wenn mich seine Worte hier und heute so treffen. Wohlmöglich heile ich aber und nehme diese Lektion als das an was sie war: wir müssen uns nie für das schämen was ein anderer uns versucht hat anzutun.

Ich bin nicht sein Opfer. Du bist ein Arsch.

2 Kommentare zu „VON TIEFSCHLÄGERN ERHOLEN

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