MISSVERSTANDEN?

Tief in mir schlummert schon lange ein sehr missverstandener Mensch und darum sollte ich mich sicherlich noch häufiger reflektieren und das von außen Gesagte wirken lassen.

Mir wurde bereits häufig unterstellt ich sei mutig und selbstsicher, obwohl ich mich schüchtern und nervös fühlte. Ich gelte als ehrlich, manchmal frech und offenherzig, obwohl ich bei weitem zu trennen weiß wem ich wieviel von mir preisgebe und wann. Ein jeder bildet sich über den anderen eine Meinung und oftmals halte ich mich über meine so lange bedeckt, bis mir der andere mehrere Anlässe bietet diese Diplomatie abzubrechen.

So auch auf Arbeit. Ein Mensch der mich kaum drei Monate kennt und mir Dinge vorwirft, andichtet und in mich hineininterpretiert, haltlos und anschuldigend. Dass ich mich vorher in keinster Weise zu ihm und seinen Provokationen geäußert hatte, schien ihm nicht aufzufallen. Meine Zurückhaltung seinen Unwahrheiten gegenüber, musste er als Schwäche ausgelegt haben. In seinen Augen hatte ich einen Stempel, den kein anderer mir zugeschrieben hatte. Und während ich möglichst professionell bleiben wollte, wurde er immer persönlicher und unnachgiebiger.

Manchmal bleibt mir die Spucke weg, wie Selbst- und Fremdwahrnehmung auseinanderdriften. Wie wir nicht davor geschützt sind uns als Erwachsene noch immer in jeglichen Fokus zu rücken und das Hineinversetzen in andere Menschen schwer fällt. Wir wollen lieber sehen was wir uns denken. Unser Glaube versetzt Berge. In Wut, Überheblichkeit oder einfach purer Ignoranz stehen wir dann über anderen. Beweggründe sind irrelevant, weil sie nicht die eigenen sind. Unsere Messlatte für den anderen gilt nicht im erster Linie an uns. Wir sind ja die Guten. Wir sind die Fähigen.

Heute wurde ich als „dauerhorny“ bezeichnet.

Ein Kollege wollte damit begründen, wieso er mir unterstellt hat ständig an PMS zu leiden. Seine Diagnose, seine Wahrnehmung und sein Sexismus. Ich sei dauerspitz und damit er legitimiert mir dieses vernichtende Urteil zuzuschreiben. Welches von beiden ich unerträglicher finden soll, weiß ich noch gar nicht.

Professionell wie ich sein möchte, ging ich auf diese anstößige Bemerkung gar nicht ein und verließ den Raum. Es geht ihn ja nichts an, dachte ich. Weder habe ich einen Partner, noch hatte ich in meiner letzten Beziehung Seitensprünge. Im Gegenteil, ich war treu, bin bis heute gar nicht über den Mann hinweg und verliere ein Kilo um das andere, aber sicher kein Wort über ein nicht vorhandenes Sexleben. Ich war entrüstet und gleichzeitig fasziniert wie eingebildet jemand sein kann, wie in die Ecke ich mich als Frau und Mensch gedrängt fühle und wie wenig Lust ich hatte mich zu rechtfertigen. Wofür auch? Was weiß er von mir? Ich maße mir nicht an ihm zu sagen wer er sei. Privatleben hin oder her. Selbst wenn er als Pabst Zeitungen austragen müsste und auf Goldfische stünde, alles hat seinen Rahmen und ich bin nicht sein Richter.

Wieso aber passiert sowas überhaupt?

In meiner Reflexion kam mir der Gedanke, dass gerade meine Art andere nicht ständig anzuprangern und Dinge zu hinterfragen, sie eventuell nicht persönlich zu nehmen, sondern gesellschaftskritisch oder systemisch anzusprechen, anderen wahnsinnig auf den Zeiger ginge. Größe als Standpunkt kommt nicht an. Die Menschen versuchen einen dann nach unten zu ziehen, zu verletzen und klein zu kriegen. Sie werden gemein oder herablassend und obwohl ich mich mehrfach nicht habe runterziehen lassen, bin ich doch Opfer geworden.

Ich habe mich geärgert und geschämt. Beschämt gefühlt. Mich unverstanden gefühlt und verletzt. Ich sehe mich so nicht und ich ertrage es schwer so gesehen zu werden. Noch schlimmer finde ich jedoch die Tatsache direkt angesprochen zu werden, als sei diese Provokation mir gegenüber legitim. Als hätte ich keinen Anstand verdient und sei stark genug dies nun mit mir herumzutragen.

Wütend ließ ich den Kollegen zurück. Zitternd. Aufgeregt. Alles in mir schüttelte sich. Ich wollte weinen und dachte sowas könne mir doch nicht noch in meinem Alter passieren. Ist es aber. Ich finde das ätzend und weiß es wird Folgen haben, mindestens einen Kratzer hinterlassen. Ich habe mich reflektiert und festgestellt, seine Meinung über mich ist der Wahrheit so nahe wie meine Nase meinen Zehenspitzen.

Manche Menschen sind furchtbar. Und egal wie sehr ich sie in Schutz nehmen, welche Gründe sie hatten oder woher ihre Aggression kommt, niemand hat das Recht sich so zu verhalten. Niemand.

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