WARUM ICH KEIN BUCH ÜBER TINDER VERÖFFENTLICHE

Mir ging vor etwa zwei Monaten ein Licht auf. Die Männer auf Tinder und anderen Plattformen dieser Art sind nicht meine Zukunft.

Habe ich daraus ein Buch gemacht? Wohl kaum.

Hätte ich dazu etwas schreiben können? Sicherlich.

Es gab sexistische Kommentare, aber nicht viele. In der Kürze meiner Anmeldung vermutlich auch kein repräsentatives Ergebnis. Es gab billige Flirtversuche und ein paar wirklich unlustige Kommentare. Wobei dies auch im Auge der Betrachterin variieren könnte. Es gab Vorurteile zu meinem Leben als Singlemutter und nicht selten einfach inkompatible Matches, wie sich kurz danach rausstellen sollte. Was soll’s? Ich meldete mich einfach nach zwei Wochen wieder ab und bereute es nicht. Ich habe es weder vermisst plumpe Texte zu lesen, noch die Idee dahinter irgendwann die Nadel im Heuhaufen zu finden, noch dazu mit einem Profil auf dem ich so tue als sei ich eine Göttin der Liebe/die Frau ihrer Träume.

Und so schnell wie ich es Leid war, endete eben meine Phase des schnellen Onlineshoppings. Statt recht-links-links, sah ich in der Realität lieber wieder nach links, rechts, links. So lebt es sich ja auch sicherer. Mindestens im Straßenverkehr.

Nun aber, ich lese häufig von Menschen die genau diesen Sprung nicht wagen. Die sich eben doch niemals wirklich lösen wollen. Als hinge das Glück nur einen Klick entfernt irgendwo da draußen ab vom richtigen Moment und Wisch. Zu aller Erstaunen kommt es nicht oder nur selten.

Wir mögen bereits drei tolle Dates gehabt haben oder einen wunderbaren Mann unter vielen gefunden und ach so viele Liebesgeschichten von Bekannten unserer Freundinnen kennen, doch wie ging es denn tatsächlich aus? Sind wir nicht wieder auf der Suche? Haben wir uns nicht binnen acht Jahren zum fünften Mal angemeldet, nur die Plattformen wechseln durch? Ich fürchte ja.

Also warum sich ewig der Illusion hingeben es gäbe ihn da draußen. Dort auf Tinder und Co. Die unentdeckte Liebe..die Chance auf Neubeginn. Die Hoffnung.

Wir sollten uns schützen und aufhören die Mistmaden unter ihnen zu beschuldigen und bloßzustellen. Es entblößt uns mehr als sie. Wir sind noch da. Wir nutzen Tinder wie das Dschungelcamp. Zu unserer Unterhaltung und für den Kitzel den es uns bringt alles Schlechte dieser Welt vereint in einem niederträchtigen, demütigendem und bunten Rahmen präsentiert zu bekommen. Wir füttern diese Plattformen mit Idiotie und Wahn, statt zu erkennen, hier ist niemand zu holen. Wir können uns nur verlieren.

Ich würde niemals ein Buch über diese Erfahrungen schreiben. Sie sind mir nicht auferlegt worden. Nicht einfach passiert. Ich habe sie bewusst suchen müssen, indem ich mich jeden Tag aufs neue dafür entscheide. Ich kann mich dagegen entscheiden, mit nur einem Klick. Die große Liebe wartet woanders. Dafür muss ich nicht durch die Hölle gehen. Wirklich nicht.

6 Kommentare zu „WARUM ICH KEIN BUCH ÜBER TINDER VERÖFFENTLICHE

    1. Mein erstes Date über Onlinekontakt hatte ich vor über fünfzehn Jahren. So neu ist das auch gar nicht mehr. 😉 Tinder verführt wohl einfach nur dazu, Menschen schnell als Ware zu handeln und damit bekommt es diese perversen Züge.

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  1. Kommt es nicht immer darauf an, was wir erwarten und wovon wir uns treiben lassen.
    Im Grunde legen diese Plattformen doch nur unsere eigene Seele offen. Wie im Leben finden wir dort nur jemanden, wenn wir uns selbst nicht unter Druck setzten, offen sind und uns Zeit für die Kommunikation nehmen. Da gibt es auf jedenfall bessere Plattformen wie Tinder. Leider sind wir aber nirgendwo besser, wie wir im Reallife auch sind 🙂

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    1. Sicher. Ich maße mir nicht an zu urteilen, ob jemand seine Schwerpunkte da falsch setzt oder die Erwartungen zu hoch sind. Ich finde es dennoch befremdlich die Eigenverantwortung so gänzlich beiseite zu schieben. Wenn ich mich irgendwo nicht wohl fühle, lehne ich diesen Ort kategorisch ab. Im Internet ist das leichter, als auf Arbeit oder im sozialen Umfeld der Realität. Wer sich auf Tinder immer und immer wieder von den dort herrschenden und akzeptierten Mechanismen getriggert fühlt, hat entweder ein hohes Maß an Geduld, wohlmöglich sogar Leidensfähigkeit oder ist einfach eine Dramaqueen und sucht den Stress bewusst. Meine zwei Cent zum Dienstag.

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