VON KATZEN, KINDERN UND KLAUSUREN

Heute bin ich fast 25.000 Schritte gelaufen. Kopfhörer rein, Musik an und los. Ich lief durch den geordneten Prenzlauer Berg und über die mondänen Straßen Mittes.

Ich lief zu elektronischen Klängen schneller und wurde langsamer wenn mir melancholisch irgendein Indiesänger ins Ohr säuselte.

Vor einem Stammcafé traf ich alte Bekannte und hielt auch nicht an, als meine Schultern schmerzten. Ich kam am Bodemuseum raus und grinste, wissend das dies mein letztes Ziel war, aber heute noch nicht genug ist.

Erst vor der Brandenburger Tor, inmitten der Touris und mit einem Schlenker durch die Gedenkstätte der Opfer des Nationalsozialismus, wurde mein Schritt wieder ruhiger. Die Gedanken klarer. Der Grund für meinen Lauf in den Samstag bewusst.

Die Kinder waren weg. Meine Klausurenzeit hatte begonnen. Ich drückte mich vor der Einsamkeit und all diesen Aufgaben die da zu Hause auf mich lauerten.

Lernen, arbeiten, Wäsche waschen und mit dem Kater spielen. Alles Aufgaben die mir manchmal die Luft zum Atmen nehmen.

Hier draußen in den Straßen Berlins ist diese nur unbedeutend frischer. Es riecht nach Autos und Menschen. Einige sind frisch geduscht und wuselig noch dazu. Ich laufe durch sie hindurch. Laufe meinem Stress davon. Sehe sie, höre keinen. Die Musik erfüllt mich, die Sonne blinzelt mir zu und meine Beine tragen mich überall entlang.

Nach sechszehn Kilometern zu Fuß, schlage ich in einem Bäcker auf und hole mir einen Pfannkuchen mit Karamell. Mein Frühstück, um halb vier Uhr nachmittags.

Ich liebe diese Ausbrüche aus meinem normalen Alltag. Neben der Verantwortung etwas verantwortungsloses zu tun. Bei all den Wichtigkeiten des Lebens etwas belangloses zu machen. Einfach nur zu gehen. Schnell und bewusst. Ein Fuß vor den anderen und ohne Mühe die ersten zwei Stunden und mit viel Anstrengung die anderen zwei.

Als ich zu Hause ankomme, schnurrt der Kater. Er sieht mich neugierig an und schlängelt sich um meine Stiefel. Ich mache mir einen Milchkaffee und falle aufs Bett. Noch ein paar Minuten süßes Nichtstun und dann muss ich wieder lernen. Der Stift liegt bereit, aber ich warte noch etwas und sehe dem Tier beim Spielen zu.

Es kann so leicht sein.

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