DER MANN DER MICH MIT EINEM GEGENSTAND VERWECHSELTE

Es kommt nicht oft vor, dass Erwachsene sich so offen und unreflektiert äußern, wie die Berliner Großstadtmänner. Ob auf Tinder oder einer anderen App, im Freundeskreis oder der Mann der eben noch mein erobertes Herz brach.

Männer die einem ganz selbstverständlich sagen, sie seien lieber Peter Pan als [hier bitte männliches Gegenstück einsetzen, mir fiel einfach keiner ein]. Ewig Kind, niemals erwachsen.

Obwohl das schon schlimm genug ist für all jene Frauen die sich trotz Evolution noch immer ihrer Biologie unterwerfen und Kinder nicht nur zeugen, sondern eben auch großziehen wollen, gibt es immer noch Typen, die einen draufsetzen.

Erst kürzlich zeigte eines dieser Exemplare auf seine neueste Anschaffung, ein Musikgerät. Er hätte lange darauf warten müssen und als es endlich kam, recht teuer noch dazu, habe er es ausgepackt, zweimal benutzt und seither staube es da eben ein. Soweit so gut. Jeder von uns kennt dieses Phänomen.

Als er den Bogen dann jedoch zu mir und all den Frauen davor schlug, blieb mir kurz die Spucke weg.

Jobs, Gebrauchsgegenstände und eben auch Menschen würden ihm schnell überdrüssig. Sind sie erobert und wurden sie lange genug ausprobiert, sei der Zauber schnell dahin und aus der Verliebtheit oder gefühlten Liebe würde dann eben Abneigung werden. Manche Menschen hätten Glück. Die dürften als Freundschaft erhalten bleiben. Einige stauben aber vor sich hin und würden mit Nichtachtung gestraft.

Natürlich überspitze ich. Die Aussage und der Vergleich zu dem Musikinstrument wurden jedoch so getroffen.

Nachdem ich meine Worte wieder gefunden hatte, sprudelte es nur so aus mir heraus.

Wie können jemand Menschen, die ja nun eindeutig in der Regel (Exemplar Mal außenvor) Gefühle besäßen, mit Gegenständen vergleichen wollen? Müsste einem dieser Vergleich nicht weh tun? Setzt hier nicht unsere Empathie ein und lässt jedes Wort auf der Zunge verstummen, bevor wir dem anderen nicht nur das Herz brechen, sondern gleich die ganze Würde nehmen?

Es kam leider schon oft vor, dass Männer in der Großstadt ihren Partnerinnen müde wurden. Das Angebot an schönen und ledigen Frauen ist hier um einiges größer und Männer altern häufig unfairer Weise sehr angenehm. Zumindest bis in ein gewisses Alter. Dann setzen auch bei ihnen die ein oder anderen nicht mehr zu tarnenden Makel ein, aber bis dahin mag der Samen gestreut oder das Junggesellenleben akzeptiert worden sein.

Alles in allem ist es beschämend mit wie wenig Mitgefühl manche Männer gesegnet wurden. Wie sie sich ohne große Irritationen durch ihr Liebesleben wuseln und ohne Rücksicht auf Verlust von einer Sache zur nächsten straucheln. Und das scheinen wir Frauen für sie ja zu sein. Eine Sache. Ein Ding. Ein flüchtiger Moment, auf dem der Staub haften blieb, nachdem wir beiseite gestellt wurden.

Ich wünsche mir für meine Zukunft all jene Männer von vornherein ausschließen zu können. Ihnen auch gar nicht mehr interessant zu werden.

Ich bin kein Ding. Wir sind keine Gegenstände. Wer mein Herz nicht hat schlagen hören, scheint selbiges bei sich lange schon zu vermissen.

3 Kommentare zu „DER MANN DER MICH MIT EINEM GEGENSTAND VERWECHSELTE

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