EINKÄUFE

Als ich eben im Supermarkt stand, war es wieder da. Dieses Gefühl absolut etwas, bzw. jemanden, zu vermissen.

Ich habe dieses Gefühl in den letzten zwei Monaten häufig beobachten können. Meist erst auf dem Weg nach Hause, mit Taschen links und rechts beladen. Diesmal schon zehn Schritte vorher, als ich nach der Milch griff.

Während meine Hand den Wagen schob, mein Blick zum Milchregal gewandt, stach er zu. Der Trennungsschmerz.

Dieses Bedürfnis jetzt mit ihm einkaufen zu gehen und daraus resultierend die Frage, warum ausgerechnet hier mein großer Schmerz liegt. Könnte ja auch anderswo passieren. Zum Beispiel abends an einem Sonntag im Bett. Oder morgens, wenn ich den Kaffee zubereite und die Kinder für das Frühstück rufe.

Hier stand ich also und nahm den Liter Milch, schluckte und tat was ich immer tue. Einkaufen.

Als der Wagen voll war, das Band belegt, die Tüten gefüllt und ich meinen Weg nach Hause antrat, wogen nicht die Lebensmittel schwer, sondern mein Herz.

Als wir einmal im Urlaub einkaufen waren, packten wir uns den Korb mit unnützen Sachen voll. Ich musste grinsen, weil seine Auswahl genauso wenig erlesen war wie meine. Irgendein Schrott, den man sich in der Heimat nur selten einpackt, aber im Urlaub magische Schätze waren.

Wir waren groß darin uns unter Einfluss von Alkohol und gelöster Stimmung teure Salate an der Bar zu mixen, um sie dann im Hotelbett mit mäßiger Begeisterung, aber doch diebischer Freude zu zerpflücken.

Wir gingen durch die unterschiedlichen Gänge und kamen am anderen Ende wieder zusammen, lächelnd.

Wir standen an der Kasse und ich wusste, egal wieviele Hände ich freigehabt hätte, er würde eher fünf Tüten tragen, als mich eine davon schleppen zu sehen.

Es waren diese Kleinigkeiten, die eine Beziehung für mich im Nachhinein zu einem Paradies sehr individueller Details macht. Momente die in jeder Beziehung auftreten, aber in der Regel einem Paar zugeschrieben werden, wie ein Fingerabdruck einer Person.

Die Persönlichkeit unserer Beziehung fand sich am stärksten wohl im Supermarkt wieder. In diesem Wirrwarr aus Möglichkeiten, Lauten, Menschen und Farben. Wir fanden uns immer wieder. Jetzt gehe ich dennoch alleine.

Es wird noch eine Weile dauern wieder wie einst meine Einkäufe zu erledigen. Lustlos, liebslos, bedeutungslos.

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