FEMINISMUS IST NICHT NACKT

Wenn ich auf meinen Wäscheständer schaue, sehe ich das obligatorische Kleidchen und ein paar neckische Strumpfhosen zwischen vermeintlich sexy Unterwäsche.

Ich muss mich zwangsläufig fragen, wieso ich im gefühlten Winter das Bedürfnis verspürt habe so rumzulaufen. Was treibt uns Frauen (viele, nicht jede) dazu an, auch bei tiefsten Temperaturen, im Kleid, einer Strumpfhose oder unpraktischen, aber hübschen Schuhen das Haus zu verlassen? Genau, Sozialisierung!

Irgendwer brachte uns im Laufe unserer Kindheit bei, nur zurecht gemacht, seien wir echte Mädchen. Die Haare lang, die Kleidung sauber, unsere Nägel gepflegt und stets darum bemüht vorallem durch Optik aufzufallen.

Mit der Zeit dämmerte uns zwar, dass Aussehen nicht alles sein könne und die stereotypische Frau so gar nicht unseren fortschrittlichen Weltbild entsprechen möge, so ganz ließen wir uns aber doch nicht darauf ein.

Stattdessen modellieren wir ein neues Bild der Frau. Die Frau die nun angeblich freiwillig auf ihren Körper achtet und sich im Minirock Größe 36 wohlfühlen mag, obwohl Diäten und eine Menge Disziplin von Nöten sind diesen angeblichen Wohlfühlstandard aufrecht zu erhalten.

Wir gehen noch immer oberkörperfrei demonstrieren und merken gar nicht welchen Bärendienst wir den Männern erweisen. Statt einer Botschaft die es sich lohnt unter die Leute zu tragen, bringen wir Medien und Männer in Wallung. Die Mission scheitert schon an der Idee. Aufmerksamkeit durch Optik. Hier kann man sicher nicht einmal von Überraschung sprechen, denn voraussehbarer geht es kaum. Eine Frau hat nichts zu sagen, eine Frau muss ihren Körper sprechen lassen, um gehört zu werden.

So lassen wir uns noch immer (vielleicht unbewusst) diktieren was wir tragen sollen, geben dem Partner nach, weil der nun einmal Overkneestrümpfe lieber mag als Jogginghosen und gehen davon aus wir haben genau das auch favorisiert.

Haben wir?

Also ich trage auch gerne Pels. An meinen Beinen. Am ehesten, wenn ich Single bin.

Ich gehe in meinem wärmsten Mantel spazieren und der ist nicht für seine Schönheit bekannt. Ich esse ungesund, wenn mir danach ist und kenne keinen Mann der mir zu Liebe auf Schnitzel verzichten würde, weil mich seine Gesundheit interessiert oder ich im Grunde nur nicht gerne mit Dicken kuschel (Hypothese zur Überspitzung).

Ein Mann kann uns genau das einreden und wir merken es nicht einmal.

Wir sind genau so groß geworden.

Unser ganzes Leben lang war geprägt von diesen kleinen und feinen Prinzipien die es zu leben galt. Eine Frau muss hübsch sein, bescheiden agieren und das Gefühl haben sich auch nur genau so wohlzufühlen.

Selbst Frauen die dick sind, würden sich hüten zusätzlich einen Kurzhaarschnitt und Damenbart zu tragen. Zu viel des Guten eben. Wer auf dem Markt der Eitelkeiten überleben möchte, beruflich anerkannt und von der Männerwelt gesehen werden, passt sich an.

Anpassung jedoch ist unnatürlich. Da wird gezupft, gestützt und verdrängt. Erst die Bauchschürze und später die eigene Autonomie.

Wir sollten uns so nicht fühlen müssen.

Emanzipation war niemals sexy. Sie muss nicht nackt sein, um ihre Werte besser zu verkaufen.

Ich bin eine Frau, aber nicht die Wichsvorlage. Ich bin ein Mensch und habe Bedürfnisse und faktisch genauso oft die Möglichkeit einen Bart, Busch, Bauch oder Wutanfall zu bekommen wie die Männer.

Mein FEMINISMUS sieht vor sich bewusst zu entscheiden, aber sich niemals mehr zu entschuldigen. Meine Weiblichkeit speiste sich lange aus der Idee von dem was weiblich sein soll. Warum aber fühle ich mich eher künstlich als weiblich?

Feminin ist nicht euer Problem. Ich sage den Männern ja auch nicht wie sie mir gegenübertreten sollen, damit ich sie ernst nehme.

2 Kommentare zu „FEMINISMUS IST NICHT NACKT

  1. Du bist ja eine kleine Feministin. Und der Mann ist mal wieder böse? 🙂

    Dreh den Spieß doch mal um. Magst Du Männer die sich wie Hinz und Kunz benehmen? Die in Alpha Jacke und Picaldi Jogginghose rumrennen? Mit Brust- und Rückenbehaarung wie der letzte Neanderthaler? Ja? Dann habe ich nichts gesagt.

    Andernfalls gehört gepflegt sein doch einfach dazu. Klar verlangt es in gewisser Weise die Gesellschaft, aber schlussendlich ist es doch deine Entscheidung was Du tust und was nicht. Du willst mit einem Busch und behaarten Beinen rumlaufen? Bitte, warum tust Du es nicht? Warum echauffierst Du dich darüber dass die Männer daran schuld sind?

    Die Frauen wollen auch einen rasierten Mann untenrum. Die Frauen wollen auch gepflegte Männerhände und eine perfekte Kauleiste. Einen Mann der gut riecht. Wo ist das Problem? Mal abgesehen davon, dass ich MICH gerne pflege und all die Dinge von alleine mache. Für MICH. Nicht für andere…

    Liken

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