MORALINSAURE DROPS

Eine meiner Dozentinnen für Ernährung und Gesundheit, führt ein sehr lockeres Regiment. In ihren Kursen bleibt es uns überlassen wie wir unser Dasein fristen, denn sie blickt bereits soweit auf uns und unsere Lebensweisen herab, dass jeglicher Versuch uns zu verändern und Verantwortung für uns zu übernehmen ihr zuwider ist. Die Einstellung hat sie nicht von ungefähr, denn sie trägt das große üble Wissen der Verdammnis in sich.

Diese Frau ist spindeldürr und bewegt sich scheinbar mit vierzig kmh durch alle Räume. Ihrer Aussage nach ernährt sie sich im Prinzip nur noch von Kräutern, regionalem Gemüse und Olivenöl aus Griechenland. Eigens für sie eingeflogen.

An ihrem Körper befindet sich weder Plastik, noch sogenannte Bio-Baumwolle. So kann sie Gift Nummer eins nicht mit Gift Nummer zwei tauschen.

Sie weiß wieso es sich nicht lohnt Avocados zu kaufen, kennt den Weg der Orange auf unsere Teller und rät dringend dazu ab andere für einen kochen zu lassen. Zucker hält sie für genauso giftig wie Fleisch und tierische Produkte würde sie nur empfehlen, wenn kurz vor Herzversagen sowieso alles gesagt ist.

Diese Frau ist spitze.

Sie vereint optisch alle Vorurteile in sich, die wir schon immer hatten, wenn wir sagen „Nichts darf man mehr!“. Deo das Krebs genauso erregt wie Duschbäder. Kleidung die entweder nicht fair oder giftig produziert wurde, im besten Fall meist sogar beides. Südfrüchte in unseren Supermärkten, die hier so gar nicht wachsen und damit entweder dem heiligen Gral der ewigen Jugend begegnet sind oder einfach genmanipulierte, gespritzte Wesen der dritten Art wurden.

Wir laufen durch Straßen die uns mit soviel Feinstaub, Abgasen und Lärm belästigen, fallen zu Hause in unseren Kühlschrank made bei Schrott und schmieren uns abends eine dicke Paste Gift ins Gesicht. Wir gehen davon aus, wo Bio draufsteht, ist auch Bio drin, aber haben uns kaum Gedanken gemacht was das bedeutet. Wer dieses Siegel bekommen darf und wo die Trennschärfe zu Nichtbio liegt. Unser Gemüse wird bei guter Pflege wochenlang nicht schlechter und obwohl uns die Lebensmittelindustrie etwas anderes einredet, wäre heutzutage kein einziges Nahrungsergänzungsmittel in unserem Land mehr notwendig, es sei denn wir sind altersbedingt unterernährt, gehen nicht mehr in die Sonne oder sind ein Baby.

Die wenigsten von uns wissen wie sie sich ernähren sollen. Die meisten von uns machen alles falsch. Es liegt dabei nicht nur am Verbraucher, nein. Da sind Unternehmen die verkaufen wollen und in bester Absicht Massen versorgen. Sie produzieren über den Bedarf, hauen raus was wir später wegwerfen werden, weil wir irgendwie doch zweifeln, dass eine angebrochene Verpackung zwei Wochen Appetitlosigkeit standhält.

Wir gehen billig einkaufen, weil wir gelernt haben das Schnäppchen gejagt werden müssen. Vor jedem Feiertag rennen die Leute los und decken sich mit allem ein was das Herz begehrt. Der Verbrauch steigt an und damit holen wir uns wieder von Sklaven geschaffene Ware, chemisch vergiftet und bis zur Unkenntlichkeit durch die Marketingabteilung schöngeredet: Bio, Billig! Kauft!

Wenn wir also wirklich etwas ändern wollen, dann unsere Sicht auf die Dinge. Was brauchen wir und nicht was wollen wir.

Brauche ich zehn Hosen? Brauche ich zwölf Paar Schuhe? Brauche ich im Winter Erdbeeren oder Fisch aus dem Pazifik? Muss für meine Avocados irgendwo irgendwer sterben oder wird an meinem Gewissen irgendwer reich?

Wir haben aus Zeitmangel verlernt Dinge selbst herzustellen. Früher wurde genäht, gekocht, eingelegt. Es wurde sich ausgetauscht mit dem Nachbarn „wer hat und kann was?“ und überlegt wie man seinen Sonntagsbraten zubereitet, statt zu Fastfood zu greifen. Alles war entschleunigt, weil die Menschen sich weniger Druck machten alles auf einmal leisten zu müssen.

Meine Dozentin lebte mir die neue Form des Drucks vor. Quasi die formvollendete Ausführung, was passiert wenn ein System kippt. Sie isst kaum noch, sie hält sich gegen alle Spielregeln an das was ihr Körper und Menschenverstand ihr signalisiert, sie ist frei von Konflikten, woher und unter welchen Bedingungen ihre Waren kommen. Dieses Leben ist sehr entbehrungsreich, aber im Grunde ja nicht.

Niemand zwingt uns dazu die Amazon-Wishlist vollzukrachen. Kein Mensch verhungert, wenn er isst was sein Körper braucht, nicht was der Geist fordert. Niemand muss nackt herumlaufen, aber ob es am Ende immer modisch ist, bleibt natürlich fraglich.

Wir können unser Gewissen wohlmöglich außen vor lassen, unsere Gesundheit nicht. Sie wird uns eines Tages zeigen, was wir mit all dem Stress, der Plastik, dem Zucker, den Zusätzen, der Belastung in Wasser und Luft und der Ausbeutung anderer Lebewesen und Menschen angerichtet haben.

Der Mensch bleibt ein Egoist. Verzicht war schön immer etwas für die anderen.

Ein Kommentar zu „MORALINSAURE DROPS

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s