DER SALONFÄHIGE RASSISMUS

Vor Jahren prophezeite ich meinem Ex die düstere Vision eines Landes und einer Zeit, in der jede noch so geringe Beteiligung der AFD am politischen Geschehen, böse Folgen haben würde. Er belächelte mich.

Heute ist es bittere Realität.

Natürlich mögen die Wahlergebnisse nur wenig Einfluss auf tatsächliche Entscheidungen und Beschlüsse haben, aber die Menschen haben sich verändert und das nicht zum besseren.

Haben jahrelang Arschlöcher und Rassisten hinter vorgehaltener Hand am Stammtisch über Migrantinnen und Migranten gelästert, wird heute offenkundig mit der geistigen Haltung einer Amöbe geprahlt. Es gibt auf den billigen Plätzen der Selbstdarstellung kein Halten mehr, wenn es darum geht sich selbst für dumm zu verkaufen und anderen ihre Würde abzusprechen.

Es wird gehetzt, bedroht und ohne Umschweife gelebt, was eigentlich längst schon unter Erfahrungen begraben liegen müsste.

Seit wann Geburt, Herkunft, Aussehen, Geschlecht, ja sogar Alter oder Sexualität eine Rolle gespielt haben, um menschliche Werte, Bedürfnisse oder Gefühle zu identifizieren, ist mir nicht ganz klar. Mit jeder weiteren Wahl alter Werte und dunkler Vorstellungen einer homogenen Welt, wird mir übel.

Ich mag privilegiert sein, weil meine Haut weiß ist und ich in einem Land geboren bin, dem es augenscheinlich noch zu gut geht, aber ich fühle den Schmerz und die Angst. Ich fühle die Unruhe und schmecke eine Realität, die keine sein dürfte.

Da draußen gibt es sie wieder. Sie verstecken sich nicht mehr und nehmen kein Blatt vor den Mund, wenn es darum geht ihre Fremdenfeindlichkeit, ihren Hass und ihre Gier nach Macht und Kontrolle über andere zu stülpen.

Man könnte meinen, diese Offenheit zeigt uns nun wenigstens wem wir noch vertrauen wollen, wer unseren Moralvorstellungen und unseren Werten am nächsten ist. Die Wahrheit ist eine traurigere. Die Arschlöcher verbünden sich nun. Greifen an, weil sie sich gemeinsam stark fühlen. Ich hoffe wir anderen werden immer lauter, stärker und klüger sein als sie es sind.

Gegen Diskriminierung. Gegen den Hass.

3 Kommentare zu „DER SALONFÄHIGE RASSISMUS

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