WAAGSCHALE

Zu Beginn möchte ich schreiben, es ist relativ normal negativen Ereignissen größere Bedeutung beizumessen, als den vielen kleinen und großen schönen Dingen des Lebens. Unser Evolutionsprogramm hat unseren Vorfahren, damit also auch mehr oder minder ausgeprägt uns, eine Vielzahl spannender Verhaltensweisen abgespeichert. Diese benötigten wir früher einmal, um unser Überleben in einer gefährlichen Welt, ohne weitere nützliche Eigenschaften, außer Verstand und Bewusstsein, zu sichern.

Da sitzen wir also und könnten uns jetzt natürlich darauf ausruhen diesem Programmierungsschnitzer nachzugeben. Ganz natürlich eben. Können wir ja nichts dafür.

Oder aber wir erkennen, eben leider doch viel zu oft die negativen Aspekte unseres Lebens zu betrachten. Wir geben den Dämonen den Vorzug, in diesem doch sehr begrenzten Leben. Wer nicht an frühere Leben und eine Wiedergeburt glaubt, dürfte ja mal eins und eins zusammenzählen. Er käme schnell auf sehr hohe Wahrscheinlichkeit, Leben ist begrenzt. Nicht unendlich.

Was also tun, wenn wir sowieso nicht lebendig hier herauskommen und unter all den Jahren, Erfahrungen, mit Menschen und unter allen möglichen Umständen eben viel negatives passiert? Genau, es passieren lassen. Unseren Weg begleiten und dann hoffentlich, oft aus eigener Kraft, aber auch nicht selten mit Hilfe anderer, geschehen lassen, verblassen, vorbeiziehen.

Wir können dann nämlich zurückblicken und uns sagen „war schrecklich, hat mich beeinflusst und hier und da sogar beeinträchtigt, aber…“. Und dieses „aber“ kann mitunter unser ganzes Leben verändern.

Es kann bedeuten, positiven Erlebnissen den Vortritt zu geben. Raum schaffen für Momente, in denen andere Menschen uns geholfen haben, uns sahen, uns heute noch lieben und unterstützen. Natürlich ist es leichter die schlechten Erlebnisse zu teilen. Diese erzeugen Mitleid oder Anteilnahme. Es heißt man soll Freude teilen, aber am Leid der anderen erfreuen sich leider doch erschreckend häufiger deine Mitmenschen. Sie weiden sich am Leid des anderen, weil es sie lebendig fühlen lässt. Weil Schmerz sich auch nach Glück und Leben anfühlen kann. Weil Leid weniger Neid hervorruft, als Glück es fast immer macht.

Wenn wir aber sagen „Das Jahr war schrecklich!“, schmälern wir dann nicht viele wunderbare Menschen, die in unser Leben traten? Ideen die uns kamen, um uns mit eigener Kraft aus dem Tief zu ziehen? Waren da nicht Situationen mit unseren Kindern, viele Tage und Wochen, die wir gelacht und geliebt haben? Waren da nicht tolle Erfahrungen die wir machen durfen? Situationen für die uns andere bewundern würden? Dinge die wir nie zuvor getan hatten und so auch nicht mehr kommen werden? Momente des puren Glücks und seien sie noch so selten.

Sie waren da, sie kommen wieder, sie werden übersehen oder klein geredet.

Wäre das Leben eine Waage, würden die glücklichen Menschen sich von den unglücklichen nur darin unterscheiden, wie sie ihr Leben und all ihre Erfahrungen bemessen. Wiegt Freude schwerer als Leid, gehörst du definitiv zu den Menschen, die ihr Leben bis zuletzt als wunderbares Geschenk begreifen und diese Demut gegenüber dem Funkenschlag den wir Leben nennen, sollten wir alle als Feuerwerk betrachten, nicht als Flächenbrand.

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