MAMA, ICH KANN DAS ALLEINE!

Nicht selten machen Menschen andere Menschen von sich abhängig. Nicht selten handelt es sich dabei um nahestehende Personen, ob in einer Partnerschaft, ob bewusst oder völlig ahnungslos.

Manchmal sind auch Mütter die jenigen, die ihre Kinder bis ins hohe Alter nicht loslassen können und ihnen einreden, ohne die mütterliche Fürsorge geht’s nicht.

Ob das viel in Filmen und Büchern zitierte Bild der Schwiegermutter, die ihren Sohn, zum Ärger der Partnerin, jeden Tag fünfmal anruft oder die Glucke, die ihr Kind gar nicht erst ausziehen lässt, weil eigenständige Kinder eben keine Kinder, sondern Erwachsene geworden sind.

Sie alle haben vermutlich etwas gemeinsam, nämlich Angst. Sorge um das eigene Kind, Sorge nicht zu wissen wer sie ohne den anderen eigentlich seien.

Wer Kinder hat, verliert sich manchmal in ihnen. Da wird jeder Tag die ersten Jahre zur Zerreißprobe, zwischen mütterlicher Zuwendung und unerträglicher Nähe. Bleibt diese dann plötzlich aus, fehlt etwas. Eine Aufgabe mindestens. Aber wieso eigentlich plötzlich?

Wenn wir genauer hinschauen, wollen unsere Kinder doch nichts anderes als endlich autonom werden. Sie wollen uns entwachsen. Sie wollen eigenständige Menschen sein. Wir geben ihnen das Rüstzeug für eine Welt, in der sie sich früher oder später ohne uns bewegen müssen. Mütter die diesen Schritt unterbinden, indem sie dem Kind vielleicht einreden es könne ohne Unterstützung nichts werden, gibt es leider einige.

Kinder die nur schwer dieser Annahme entwachsen, leider auch. Sie bleiben ewige Kinder. Unselbständige Wesen, die wohlmöglich den Schritt nie aus dem Elternhaus wagen oder auch danach noch in ständiger Abhängigkeit zum Hörer greifen, um sich versichern zu lassen, ihre Mama ist noch da. Bereit sie in ihre offenen Arme zu nehmen.

Meine Großmutter entschied sich eines Tages, ihre Tochter in eine Wohnstätte zu geben. Da war diese bereits erwachsen und alle anderen Kinder, ohne Beeinträchtigung wie bei ihr, aus dem Haus. Es war Zeit. Zeit für meine Großmutter loszulassen und Zeit für meine Tante sich auf die eigenständigste Weise von ihr zu emanzipieren. Für beide ein großer und schwerer Schritt und dennoch notwendig. Keine nächtlichen Störungen, kein aneinander Rumnästeln. Jeder lebt sein Leben und jeder kann frei entscheiden, im Rahmen der Möglichkeiten. Sie sehen sich, sie haben sich, sie gehen dennoch getrennte Wege.

Eine Dozentin von mir hingegen lebt mit ihrer beeinträchtigten Tochter zusammen und pflegt diese, obwohl bereits jenseits der fünfzig. Daran kann nichts verwerflich sein, außer die missglückte Idee von Inklusion und Selbstbestimmung. Natürlich kann man sich je nach Fall und Situation kein Urteil erlauben. Dass wir in einer Gesellschaft aber noch immer glauben, Mutter zu sein, bedeutet sich sein Leben lang dem anderen zu verpflichten und gleichzeitig dem Kind aufzubürden es sei eine Verpflichtung, ist schade.

Kinder sind nicht unser Lebenssinn, den wir verlieren, weil wir ihn ziehen lassen. Sie sind nicht für uns verantwortlich. Das sind wir selbst. Und wir sind es ihnen schuldig, sie gehen zu lassen, wenn sie das möchten. Sie niemals von uns abhängig zu machen und ihnen alles, aber auch wirklich alles zuzugestehen, was sie sich wünschen.

Hören wir ihnen zu und ignorieren nicht, was sie sich von uns wünschen. Ein eigenes Leben.

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