ANSPANNEND

Alleinerziehende in einer Beziehung mögen mein Gefühl nachvollziehen können und sich in meiner folgenden Geschichte vielleicht wiederfinden. Anderen wünsche ich einen erholsamen Feiertag.

An Feiertagen sitze ich manchmal mit meinen Kindern in der Wohnung und hoffe inständig auf eine kostengünstige Möglichkeit die beiden zu bespaßen. Natürlich kann man auch bei Regen rausgehen und in der Wohnung haben beide ihre Kinderzimmer voll bis unters Dach mit Spielzeug.

Da bleibt aber immer dieses Gefühl zurück, sie sollten mehr von der Welt sehen und mehr von ihrer Mutter haben. Förderung, Unterhaltung, Abenteuer oder irgendwas dergleichen. Die Realität sieht aber so aus, dass ich ohne meinen Partner so gut wie keine Unternehmungen mit beiden, außerhalb des Kiezes mache. Die Bedürfnisse beider gehen zu sehr auseinander und während ich noch versuchen würde sie in die Tram, dann S-Bahn und später den Bus zu schleusen, dreht sich mir bereits der Magen um, im Wissen um den langen Rückweg. Mit nur einem Kind ist es nochmal leichter, aber ab zweien aufwärts eine nicht gern durchgeführte Aktion Richtung Stress.

Nun ist das aber eigentlich nicht so schlimm. Die Kinder erfahren auch nur mit mir schon genug Spaß und Spannung. Wir treffen Freundschaften in der Nachbarschaft. Wir gehen an den See.Wir gehen essen oder einkaufen und spielen ausgiebig im Park oder auf unserem Hof hinterm Haus. Wir laden Freunde ein und feiern manchmal kleine Feste mit den Nachbarskindern.

Ausflüge mit dem Partner sind dennoch eine kleine Abwechslung. Ein Vergnügen, um das er uns nur dann bringt, wenn er keine Lust auf Familie hat oder beruflich unterwegs ist. Und hier kommt mein Haken. Mein Herzstück dieser Geschichte und der Gedanke den sich vielleicht kaum jemand auszusprechen wagt:

Wenn der Partner kein Interesse hat mit den Kids abzuhängen, dann kann er einfach Nein sagen. Er ist komplett aus der Pflicht.

Dieses Wissen macht mich nervös, spannt mich an und gibt mir unterschwellig oft eine Unruhe, die ich insbesondere an Wochenenden und Feiertagen spüre. Wird er oder wird er heute nicht mit uns den Tag verbringen? Plant er ein paar Stunden oder das ganze Wochenende ein? Sehen wir ihn dann die kommenden Wochen seltener oder führt es zu mehr Nähe?

Ich hörte von einem Freund, dessen Mutter sich jedesmal betrunken hätte, wenn der Partner kam. Sie war nervös und hatte Angst ihm nicht zu genügen. Ihn mit ihrem Alltag zu langweilen oder sich nicht locker und witzig genug zu präsentieren. Eine Alleinerziehende ist kein Jackpot. Sie ist stets darum bemüht auszubalancieren, was die Bedürfnisse zwischen Kindern und Partner betrifft. Sie ist so sehr abhängig von den Launen der anderen, dass eigene Wünsche oft lange erst zum Schluss ausgesprochen werden. Da wo der Partner Stütze sein müsste, wird er zum lockeren Spielball. Er hüpft heran und springt wieder weg.

Dieses Gummibandprinzip macht nervös. Macht traurig und befangen. Es lässt sich schwer aushalten und nicht wenige Frauen gehen darum gar keine Partnerschaft mehr ein. Sie sind es leid sich entscheiden zu müssen oder vor die Wahl gestellt zu werden. Sie sind es leid dem anderen vorher erklärt zu haben wie ihre Realität aussieht, aber am Ende an eben genau dieser wieder zu scheitern, weil der andere sich das in kurzer Verliebtheit eben anders vorgestellt hatte.

Partner die ihren Frauen einen Gefallen tun wollen, fragen sich vorher was sie wollen und wenn da nicht groß und breit „eine Familie“ steht, Finger weg!

Danke.

2 Kommentare zu „ANSPANNEND

  1. Sehr gut geschrieben …. ich selbst bin nicht alleinerziehend, kann deine Sorgen dennoch nachvollziehen …. nur verstehen kann ich es nicht. Meine persönliche Einstellung ist da ganz klar, wenn man sich zu einem Zeitpunkt zu einem Kind entscheidet sollte klar sein das man fortan seine eigenen Interessen hinten anstellt bzw. diese anders organisieren muss und das gilt für beide Elternteile. Klar ein wenig Zeit für Mama und Papa ist wichtig und nötig aber wie ich schon sagte, Organisation ist das Stichwort. Auch bei alleinerziehenden sollte der Elternteil der nicht mit den Kindern lebt alles dafür tun die sozialen Kontakte zu seinen Kids in vernünftiger Form zu pflegen, tut er das nicht, kann er es auch gleich lassen denn es tut nur den Kindern weh, die sich immer wieder auf die laufen des betreffenden Elternteils einstellen müssen.

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    1. Hier geht es weniger um den nicht bei der Familie lebenden Elternteil, sondern neue Partner. Viele Alleinerziehende finden zwar einen Partner, aber insbesondere kinderlose Leute, sind sich nicht der Verantwortung und Aufgabe bewusst und probieren erstmal aus. Sowas ist natürlich vollkommen ok, aber nach einer Trennung für alle Beteiligten, eben insbesondere aber die Kinder, sehr schwierig. Wer sich einen Partner mit Kindern sucht, sollte sich vorher Gedanken machen, auch wenn es bei all den Schmetterlingen im Bauch schwer fällt. Sich als Alleinerziehende dennoch immer schuldig zu fühlen, weil der neue potentielle Partner am Ende eben vielleicht doch wieder ging oder die Kinder sich mit diesem neuen Menschen unwohl fühlen, ist ein Thema, welches gerne verschwiegen wird. Stattdessen heißt es immer: die Frau hat Schuld. Sie ist so eine Schlampe, sich ständig neue Männer zu suchen. Die armen Kinder! Die Realität sieht eher so aus: Frau trifft Mann, bleibt vorsichtig, lässt sich letztlich doch drauf ein und entweder es glückt oder der Mann ergreift wieder die Flucht. Das einzige was man Alleinerziehenden tatsächlich zugestehen möchte, ist zum Wohle der Kinder Single zu bleiben. Ein Schicksal mit dem es sich schwer abzufinden gilt.

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