DIE FÜNF-JAHRES GARANTIE

Gestern habe ich in der taz gelesen, nach fünf Jahren würden BerufseinsteigerInnen in pädagogischen Berufen (ErzieherIn) den Job wieder hinschmeißen. Sie sind schlicht ausgebrannt und hatten sich ihre Arbeit sicher anders vorgestellt.

Wunsch und Wirklichkeit liegen in kaum einem Berufsbild so weit auseinander wie in diesem.

Fast dreißig Kinder zu betreuen, zu bilden und zu begleiten, zu fördern und zu unterstützen, ist anstrengend. Eine Altersspanne von 0-27 abdecken zu können, ist Pflicht. Sich mit Eltern über Bildung und Erziehung zu einigen, ein Muss. Mit älteren Kollegen und Kolleginnen in Streit geraten, eine Häufigkeit.

Leistung ist immernoch bemessbar, am zukünftigen Erfolg des Sprösslings. Also wird bereits in der Kita das Alphabet gelernt und in der Grundschule dann aus dem kleinen Freigeist ein Uniformierter geformt. Die Kinder sollen Disziplin aufweisen und gleichzeitig Kinder bleiben dürfen. Eltern sind auf der einen Seite geschockt wie wenig ihr Kind individuellen Bedürfnissen nachgehen kann, bei gleichzeitigem Wunsch es mit der grauen Masse schwimmen zu lassen. „Wieso kann mein Kind das noch nicht?“,fragen sich da viele. Aber was ist „das“?

Schnürsenkel zu binden, ist prinzipiell schnell gelernt. Für ein Kind aber höchst anstrengend und in der Regel erst mit sieben richtig drin. Eltern die ihren Kindern aber bereits mit fünf Lesen beibrachten, verlieren schnell die Nerven, wenn der Drittklässler plötzlich in seinen ersten Burnout steuert.

Pädagogen sind dem Kind und Jugendlichen verpflichtet. Sie sind Dienstleister am Kind und doch so viel mehr. Neben Schutz und Pflege, gilt es seit Jahren besonders um Bildung und Beobachtung. Menschen zu sehen und zu deuten, fast wie ein Therapeut es tut. Dabei wird vergessen, dass drei Jahre Ausbildung niemals abdecken, was im Anschluss verlangt wird. Die Verantwortung wird aber nicht kleiner. Man steht mit einem Bein im Knast, heißt es so schön. Dabei geht es vor allem darum, nicht anerkannt und geschützt zu werden.

Pädagogen sind noch immer Basteltanten und Gefängnisaufseherinnen für einige Eltern und Lehrerinnen. Daher verdienen sie auch entsprechend weniger. Das sie mitunter im Unterricht helfen, die Hausaufgaben betreuen und kreative und fördernde Angebote schaffen, wird übersehen.

Nicht selten sind Lehrer überfordert und wünschen sich drei Pädagogen im Klassenzimmer. Nicht selten sind diese den ganzen Tag im Haus, für deutlich weniger Lohn. Sie dürfen sich die Probleme der Kinder auch nachmittags anhören und müssen erfahren, wie hart der Übergang vom geschätzten Lehrer zur spaßigen Erzieherin ist. Während Eltern sich Lehrerinnen gegenüber noch mit einem Mindestmaß Respekt und Anerkennung nähern, erfahren alle anderen schon was es bedeutet ihr Kind zu kritisieren. Förderung und Unterstützung des Kindes wird im Grunde nicht gewollt, es sei denn aus Defiziten wird eine Hochbegabung geschustert.

Mit all diesen Druck zur Arbeit gehen zu müssen, ja müssen, erfordert ein dickes Fell und einen besonderen Anreiz. Die Arbeit und Liebe zum Menschen reichen da schon lange nicht mehr. Es herrscht ein Mangel, weil die Leute sich nach Jahren wieder entscheiden zu gehen und nicht, weil sie nicht gerne in den Beruf gehen wollten.

Liebe Politik, liebe Eltern, wie hart ist diese Wahrheit?

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