it’s better to burn out than to fade away

Meine Mutter meinte einmal zu mir, ich sei ein so leidenschaftlicher Mensch, meine Partner fühlten sich zu diesem Feuer hingezogen, aber würden sich auch regelmäßig daran verbrennen.

Zugegeben, damals war ich Anfang zwanzig und eine echte Dramaqueen.

Meine Partner hatten es mit mir sicher nicht immer leicht. Ich diskutierte viel, sendete unklare Signale und konnte mich in einer Beziehung schon auch mal verlieren. Dafür brauchte es weder den richtigen Mann, noch große Schwüre. Wen ich erobert hatte, dem war ich dann noch nicht einmal besonders treu, denn ich wollte ja immer alles und am liebsten sofort. Meine Ungeduld führte mich in eine Verlobung und zu zwei Kindern. Wäre ich mein Leben und besonders die Beziehungen langsamer angegangen, wäre sicher einiges anders gelaufen. Ist es aber nicht.

Stattdessen habe ich eine Menge in Kürze über mich und andere gelernt. Mein Verhalten rührte sicher aus großer Unsicherheit. Ich wollte geliebt werden und lieben. Manchmal zu unüberlegt und immer mit dem Kopf durch die Wand.

Inzwischen weiß ich welche Art Beziehung ich führen möchte und kann, ohne selbst zu verbrennen.

Um Stabilität zu erzeugen, nach der ich mich im Grunde immer gesehnt hatte, muss ich zu Ruhe kommen. Dafür benötigt es viel Reflexion und oftmals mehr Kopf als Bauch. Natürlich ist es schön sich von seinen Gefühlen leiten zu lassen, aber meine Gefühle sind durch negative Erfahrungen und den Verlust des Urvertrauens in der Kindheit geprägt. Ich fühlte mich unter Druck alles besser zu machen. Eine wahre Liebe zu finden, jemanden der mich richterlich um meine Hand bittet und mit mir in ein Schloss zieht.

Da dies nicht passieren konnte, weil ich in meinen Beziehungen nie genug Liebe, Zeit und Aufmerksamkeit fand (so dachte ich ja), ließ ich eine Beziehung nach der anderen scheitern. Sicher war ich nicht alleine verantwortlich, aber ich trug meinen Teil dazu bei.

Was mich das Leben und die Beziehungen gelehrt haben, man kann seiner Vergangenheit nicht davon laufen. Jeder Streit, jede Verletzung, jeder Schwur und jede Manipulation. All das diente nur dem Wunsch endlich geliebt zu werden, endlich lieben zu dürfen. Nun ist aber nicht jedes Gegenüber genauso verloren wie man selbst. Manche haben mit ihrem inneren Kind lange Frieden gefunden und einige sind niemals in die Verlegenheit gekommen Frieden schließen zu müssen.

Also veränderte ich mich. Ich akzeptiere nun was ich nicht bekommen kann. Es gibt nicht den einen Mann, der nur für mich geboren wurde und mir mit all seiner Hingabe das Leben ermöglicht, von dem ich dachte es haben zu wollen. Wollte ich nämlich eigentlich nie.

Ich wollte die Liebe meiner Eltern. Die Nähe zu meinem Vater und dieses große normale Glück, welches Trennungskinder immer vermissen. Ich wollte gesehen und geschätzt werden. Einfach ich sein dürfen, ohne etwas dafür tun zu müssen.

Jetzt wo ich um dieses Bedürfnis weiß, stelle ich mir immer wieder auch bewusst die Frage, ob ich meinem Partner denn auch so viel zugestehe?

Darf er sein wer er ist? Lasse ich ihm den Raum den er braucht? Akzeptieren wir uns wie wir sind? Je häufiger ich mit „Ja“ antworte, umso freier fühlt sich unsere Liebe an. Sie ist selbstgewählt, wird nicht erzwungen oder künstlich am Leben erhalten.

Meine Leidenschaft hat sich immer günstig auf mein Liebesleben ausgewirkt. Partner kamen wie die Motten zum Licht. Der berühmte Teufel steckt jedoch im Detail. Es heißt ja nicht umsonst Leid schaffen.

Heute halten meine Beziehungen, weil uns nicht langweilig wird, obwohl wir nicht mehr mit dem Feuer spielen müssen. Obwohl wir ruhiger sind. Bedacht in unserem Umgang miteinander. Sie halten, weil ich Spannung erzeugen kann, ohne anspannend zu sein oder den Bogen zu überspannen. Es war ein Weg über verbrannte Erde, aber ich bin froh am Ende nicht auf mein Glühen verzichten zu müssen, sondern es gemeinsam auskosten zu dürfen.

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