SICH SELBST WIEDER MEHR LIEBEN

Wir denken daran den Mülleimer zu leeren und regelmäßig Staub zu wischen. Auf Arbeit laufen wir auf Hochtouren, weil Loyalität und Fleiß vertraglich gefordert werden. Wir kümmern uns um unsere Partner und Kinder, die Eltern und Freunde, laden zum Essen ein, machen kleine Geschenke und vergessen keinen Geburtstag. In unseren Kalendern finden sich Termine beim Amt, Arzt,Vereinssitzungen oder Versammlungen. Der Kühlschrank ist gefüllt und die Betten frisch bezogen. An alles wird gedacht. Wir haben uns vergessen.

Aufstehen, sich um andere kümmern, in Gedanken schon zehn Punkte der To-do-Liste auf dem Schirm.

Natürlich versorgen wir unsere Körper mit Essen und vernachlässigen selten die Körperhygiene. Dennoch, etwas bleibt auf der Strecke. Die Selbstliebe.

Es wird in Frauenzeitschriften propagiert und in Blogs werden Schreiberlinge nicht müde für mehr Achtsamkeit am Selbst zu werben. Funktioniert es nicht, handelte es sich nur um einen kurzen Trend? Wie kommt es, dass wir uns selbst immer nach hinten stellen? Soziale Menschen sind wir. Asozial uns selbst gegenüber. Noch zu selten stehen wir für uns ein. Geben uns oftmals die Schuld für Fehlleistungen und erwecken so den Eindruck tatsächlich weniger Wert zu sein, als der nächste.

Es sollte allerdings eine andere Herangehensweise geben.

Jeder ist etwas wert. Wert bemisst man nicht an Erfolgen, Leistung oder Aussehen. Wert ist da, sobald du da bist. Niemand kann einen Wert festlegen oder nehmen. Sich selbst um seinen Wert zu bringen, macht krank und traurig.

Sich selbst zu lieben, ist nicht gleichbedeutend mit andere zu hassen. Andere kann man deutlich besser lieben, respektieren und achten, wenn der eigene Wert anerkannt wird. Wer sich vor sich selbst ekelt, wird voraussichtlich auch auf Dauer Probleme mit anderen haben.

Was bin ich mir also schuldig?

In erster Linie natürlich gar nichts. Ich habe nicht um dieses Leben gebeten und muss da dennoch nun durch. Was ich aber tun kann, ist es nach eigenem Ermessen bestmöglich zu gestalten, ohne andere dafür leiden zu lassen. Selbstliebe bedeutet nicht Egoismus. Es ist keine Legitimation sich anderen gegenüber wie ein Arsch zu verhalten. Selbstliebe ist, sich selbst zu sehen, in den Fokus zu rücken und heilen zu lassen. Gesunder Geist, gesunder Körper, gesundes Sein.

Wenn ich mich selbst liebe, annehme wie ich bin und auf mich aufpasse, wie ich es auf meine Kinder tue oder in meinem Job zu leisten vermag, kann ich mich viel besser auf das konzentrieren was mir wichtig ist. Ich lerne mich kennen und bleibe authentisch. Ich habe keine Angst mehr vor anderen, weil ich schon den verlässlichsten und besten Partner für ein erfülltes Leben in mir trage.

Wenn andere mir das Gefühl geben ich sei nur dann liebenswert, weil ich etwas für sie tue, habe ich ihnen das Gefühl gegeben diese Macht über mich zu haben. Selbstliebe akzeptiert die Schwächen der anderen, macht sie sich aber nicht Untertan.

Wer sich selbst liebt, kann anderen sagen, dass er die Liebe der anderen nicht nötig hat. Nicht so. Nicht als Abhängigkeit und nicht als Druckmittel. Auf Arbeit geben wir uns viel zu oft dem Irrglauben hin, wenn wir die fleißigsten Pferde im Stall sind, wird das schon belohnt. Das ist falsch. Wir werden nur danach beurteilt werden was wir richtig machen. Fehler werden abgestraft und unser Ego bröckelt. Selbstliebe erkennt, ich bin nicht fehlerfrei. Ich bin niemals perfekt. Ich mache mich frei davon allen alles Recht zu machen.

In einer Welt in der es gestattet ist sich selbst zu lieben, gibt es keinen Stress mehr. Keine Ängste, keinen Druck. Selbstliebe wird einem in der Kindheit oft genommen von denen die sich ebenfalls nie selbst lieben durften. Aus ihnen sind lieblose Erwachsene geworden. Als Erwachsene zu erkennen, ob das eigene Leben von Angst, Wut und Unterwürfigkeit geprägt war, ist der erste Schritt. Selbstliebe kann man lernen. Es braucht nur Zeit und Gelassenheit.

Andere werden sich winden und immer wieder herausfordernd reagieren. Es ist nicht nötig sich diesen Menschen anzuschließen. Ihre Meinung muss nicht unsere sein. Sie kennen uns nicht. Sie liegen nicht nachts neben uns, beobachten uns dabei wie wir existieren. Sie sind einen Bruchteil eines Moments unsere Wegebegleitung. Wir hingegen sind jede einzelne Sekunde da. Wem sollten wir vertrauen, wenn nicht uns?

2 Kommentare zu „SICH SELBST WIEDER MEHR LIEBEN

  1. Ja doch. Aber wir lernen anhand der Erwachsenen und in dieser Welt angekommen erst recht, Männer übrigens noch mehr als Frauen, geradezu ausschließlich (da es für sie traditionell keine Flucht in die Familie gibt): was bist? Heißt: was hast du für einen Beruf (Einkommen) & Rang! Aus dieser Nummer herauszufinden ist schwer, innerhalb des Systems fast unmöglich, selbst sehr selbstbewußte Leute, die das möchten, schaffen es meist nur unvollkommen. Und komplett ausgestiegen oder herausgefallen ist man dem System eben nichts mehr… Ich könnte immer Lachen, aber es ist kein gutes Solches, das da aufsteigen will, wenn ich in Todesanzeigen oder gar auf Grabsteinen noch den Beruf und Rang (meist nur des Mannes, siehe oben) lesen muß, Doktor Soundso, Dipl. – Ing. Wasweißich. Will er sich an der bekanntlich engen Pforte beim Petrus dann damit vorstellen? Dann hat er etwas nicht verstanden.
    Den Wert des Menschen an sich, ganz auch gemäß unserem Grundgesetz mit seinem Würde – Anspruch, allerweil zu sehen fällt wahrscheinlich Keinem leicht, aber wir sollten es versuchen. Auch unseren Eigenen, ja, auch und gerade den.
    Oder wir singen gleich mit dem boshaften Österreicher (G. Kreisler) vom Wert des Menschen, zerlegt in chemische Stoffe: er ist fast nichts wert, selbst das Bier oder die Sahnetorte kosten mehr, und wenn er ein hübsches Mädchen sieht, der Kreisler, dann kann er nur noch denken: ihre Schuhe kosten mehr als sie!
    Nicht unbedingt, wenngleich wir uns fragen können, wir weit unsere Gesellschaft noch davon entfernt ist, das, wo wir hinwollen, oder?

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    1. Ganz ehrlich, keine Ahnung. Es ist wie es ist, bis man die Traditionen bricht und aufhört sich zu sagen „War schon immer so.“ Beginnen können wir bei der Erziehung der eigenen Kinder, frei von Zwang der Rollen und Klischees.

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