FREUNDSCHAFT ODER WAS WIR DARUNTER ZU VERSTEHEN GLAUBEN

Seit wir uns auf Onlineportalen wie Facebook und Twitter rumdrücken, haben wir den Begriff Freundschaft für uns ganz neu definiert. Bereits Studivz.-NutzerInnen konnten sich Freundschaften per Mausklick bestätigen lassen und sie genau so schnell wieder beenden. Teilweise türmten die SammlerInnen unter uns ganze Berge vermeintlicher Freunde und Freundinnen. Viele davon waren uns vielleicht erst einmal begegnet, auf einer Tanzfläche im Berghain oder im Italien-Urlaub am Grillstand.

Wenn wir ehrlich zu uns sind, ist der Beigeschmack den diese sogenannten Freundschaften hinterlassen müssten, mit den Jahren und der Gewohnheit abhanden gekommen. Einst schmunzelte man über 400 Freunde, heute gelten die FolloweInnen als Statussymbol, noch vor Job oder Automarke.

Wer da tatsächlich noch echte Freundinnen unter den kaum tatsächlich bekannten Gesichtern findet, kann sich glücklich schätzen. Oder schämen. Denn mal ehrlich, wer schickt seinen Freunden und Familie regelmäßig einen Abriss über das Tagesgeschehen, teilt Gedanken und Gefühle und lässt sich dazu hinreißen sämtliche Garderobe als OOTD per WhatsApp weiterzuleiten? Eben. Sowas geht eigentlich nur mit Fremden.

Freunde und Familie würden vermutlich anfangs staunen, sich über die Aufmerksamkeit freuen und nach und nach genervt die Sinnhaftigkeit in Frage stellen. Fremde tun das nicht. Denn wer sich einst nach nur einem Glas Wein dazu entschlossen hatte Kontaktdaten auszutauschen, ward sich der Gefahr bewusst die online lauert: der medialen Ausschlachtung des Privatlebens bis zum Umkippen.

Während also echte Sammler und wahre InfluencerInnen nach und nach den Überblick verlieren dürften, wer da noch zu den Freundinnen aus Realität und Alltag gehört, halten die anderen ihren wenigen tatsächlichen Freundschaften die Treue.

Das hier wohlmöglich aufkeimende Problem ist nämlich, dass echte Freundschaften das Bedürfnis nach Nähe verlieren, wenn sie im andauernden Austausch hören, lesen und sehen was das Gegenüber so zu bieten hat. Die Geheimnisse, die Gemeinsamkeiten, werden einfach jedem zuteil und so verschwindet das magische Band einer Besonderheit.

Menschen die im realen, nichtvirtuellen Leben, viele Freundschaften pflegen, scheinen online ein gutes Gespür für Selektion zu haben. Sie wissen sowohl wie viel und wie häufig sie Informationen teilen, als auch die Menge ihrer Kontakte überschaubar zu halten.

Menschen die wenig tatsächliche Freundschaften aus Fleisch und Blut pflegen, haben vielleicht keine Ahnung wie es sich im Alltag ohne Smartphone und Internet sozial lebt. Ihr Sozialleben speist sich aus dem, was online Aufmerksamkeit beschert. Freundinnen die abends auf ein Bier vorbeikommen oder die am Wochenende feiern, Sport treiben oder mit ins Museum gehen, bleiben aus. Eine Onlinefreundschaft scheint da heilsam. Raus aus der Einsamkeit.

Es wäre spannend was zuerst da war. Huhn oder Ei? Einsamkeit vor oder nach der Dauernutzung des Internets?

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