DER SCHLÜSSEL

Viele Menschen fragen sich im Laufe ihres Lebens, wie es zu Gräueltaten, Ungerechtigkeiten oder anderen Missständen kommen könne. Je nachdem wie wir sozialisiert wurden, interessieren wir uns dann entweder für uns und ggf. noch die Nachbarschaft oder strecken unsere Fühler Richtung Welt aus.

Kriege, Diskriminierung, Armut, der Mangel an Respekt oder Achtung. Alles findet seinen Ursprung in der Kindheit jeweiliger Protagonisten.

Niemand hört es gerne, aber ja, die Kindheit ist der Schlüssel.

Wer eine Kindheit in Angst oder unter Gehorsam und Druck hatte, wird sich auf welchem Weg auch immer später zu einen mangelhaften Erwachsenen entwickeln.

Ungeliebte Kinder werden so zu lieblosen Erwachsenen. Kinder denen Leid zur Normalität erklärt wird, entwickeln später oftmals zunächst eine gestörte Beziehung zu sich und dann zu allen anderen.

Je nach Ausprägung der widerfahrenen Gewalt, kann das Kind sich nicht störungsfrei entwickeln, entfalten und ausprobieren. Je stärker der Erwachsene seine Macht demonstriert, umso höher der Wunsch des Kindes ebenfalls endlich Macht zu erlangen. Etwas zurückzugeben, was ausgeteilt wurde.

Nun sind nicht ausschließlich die Eltern an dieser Misere Schuld. Auch Erzieher, Pädagogen, LehrerInnen und andere Erwachsene suggerieren dem Kind häufig unfertige Menschen zweiter Klasse zu sein. Wer sich auf Körpergröße und mangelnde Erfahrung reduziert fühlt, wird wenig Selbstvertrauen entwickeln können. Es fehlt an Selbsteinschätzung und die Außenwahrnehmung gilt als unumstößlich.

Natürlich gibt es Kinder die später rebellieren und sich endlich kennenlernen dürfen. Ihnen mag der Sprung in das Erwachsenenleben gelingen und sie sind es, die später weder den Drang haben zu unterdrücken, noch weiterhin an Mamas Hand genommen zu werden.

Der Rest bleibt da wo er vermeintlich glaubt hinzugehören.

Dabei entscheiden wir unbewusst zwar, ob wir Aggressionen aufbauen und für Außenstehende fortan bösartig wahrgenommen werden wollen oder ob wir uns demütigen, ängstigen lassen und unser Korsett der Kindheit niemals abstreifen. Beide Rollen sind kontraproduktiv. Beide Rollen sind von Kindesbeinen an fremdbestimmt und uns auferlegt worden. Wir sind nicht wir. Wir sind das Produkt eines oder mehrerer Erwachsener.

Diesen Kreis können Kinder nicht durchbrechen ohne unsere Hilfe. Sie brauchen Erwachsene die begreifen. Sie brauchen Unterstützung auf diesem Weg der Autonomie und Nächstenliebe. Wenn wir ihnen liebevoll begegnen, werden sie in der Lage sein diese Liebe weiterzugeben.

Sind Verbrechen zu verhindern? Vermutlich. Wenn Lehrer lernen achtsam und geduldig zu bleiben. Wenn Menschen die keine Kinder wollen, auch keine Kinder bekommen. Wenn ein Staat Kinder nicht als schwächstes Glied zu behandeln oder als Ressource im Kampf um Wirtschaftsmacht.

Je kleiner wir das Ego unserer Kinder halten, umso größer ihr Bedürfnis es uns und der Welt später heimzuzahlen. Denken wir kleiner. Denken wir uns zum Ursprung.

4 Kommentare zu „DER SCHLÜSSEL

  1. Grundsätzlich stimme ich zu, aber in der Absolutheit würde ich den armen Eltern, LEhrern usw. nicht ganz so viel Verantwortung und Einfluß aufbürden und zugestehen wollen. Zum einen würde das einem meiner Standardsätze zuwiderlaufen (Auch Eltern dürfen Fehler machen!), zum anderen glaube ich nicht, dass auch nur die Umwelt alles bewirkt geschweige denn die doch recht begrenzte Erziehung. Nicht nur unsere, jede Gesellschaft und Umwelt bombardiert die Neuankömmlinge mit tausenderlei widersprüchlichen und nicht unbedingt immer wünschenswerten Einflüssen und Anforderungen. Doch auch unser Erbe, unsere Gene spielen mit, da können wir machen, was wir wollen, die Hormone schieben – und wir sind nun mal die Erben von recht aggressiven Affenartigen, die Erben von Beutegreifern, später Großwildjägern, immer mal wieder Kannibalen, von Gruppenwesen, die die Ressourcen zwar teilen, aber niemals fair und, und, und. Dieses Erbe ist nicht weg. Es muß immer wieder eingeordnet und beherrscht werden, das wiederum geht nur, wenn wir uns dieser Mitgift auch bewußt werden. Bis, nicht nur bei der einen Hälfte der Menschheit, das Testosteron mal wieder überschwappt oder bei der nächsten Aufregung das Adrenalin..
    Es ist enorm wichtig, dass wir die Kinder und uns selbst wie oben beschrieben sehen und behandeln. Aber es wird doch weiter Probleme geben, die dann immer wieder neu anzugehen sind. Schön wäre es, wenn die Gewaltbereitschaft abnähme (statt, wie man momentan den Eindruck hat, zu. Weniger vielleicht und tatsächlich auf der gefürchteten Straße, sondern Staatlicherseits oder zumindest wohlorganisiert, dafür rund um den Erdball, gezielt Gewalt gegen die Natur eingeschlossen), viel wäre erreicht, wenn das gelingen könnte, doch es wird nicht eine unmittelbare Einmündung ins Paradies die Folge sein.

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    1. Also erstmal nimmt Gewalt nicht zu. Die Wahrnehmung verändert sich aufgrund medialer Aufbereitung und der Möglichkeit heute online alles schnellstmöglich nachvollziehen zu können. Kriege gab es schon immer. Gewaltvollere Zeiten auch, siehe Mittelalter, Kolonialismus, Nationalsozialismus etc. Auch der berühmte Ausspruch diese Jugend sei die schlimmste von allen, ist hunderte Jahre alt. Dennoch, schwarze Pädagogik zog sich über die Jahrhunderte und ist der gemeinsame Nenner aller Völker, Länder und Generationen. Was wir heute erkennen könnten, war damals ganz normaler Alltag und das Vorrecht der Erwachsenen, wie sie ihre Kinder behandeln durften. Auch heute noch ausgelebt von Erwachsenen. Da kannst du Pubertät und Hormone vorschieben, aber der Umgang miteinander ist nun einmal geprägt durch Vorbilder. Wie ich sozialisiert bin, ist maßgeblich einflussnehmend. Es benötigt nicht viele Leitbilder, aber wenige sehr gute, fähige und blickige.

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