IRONIE, WIE LIEB ICH DIE (NICHT)

Meine Woche war so schön.

Da war dieser großartige Start in die neue Arbeit. Komplimente von allen Seiten für mein Engagement. Da war dieser erste Jahrestag, liebevoll zelebriert von Freund und mir. Da waren Freundinnen die sich mir anvertrauten und geplante Zeltausflüge ins Grüne am Wochenende und dann…ja dann wurde mein kleines Kind krank.

Wäre es am Donnerstag passiert, hätte ich den Studiengang „Waldpädagogik“ sausen lassen, denn der hatte keine Relevanz für meine Ausbildung. Es fehlten etwa die Hälfte aller TeilnehmerInnen und ich wäre in der Masse gar nicht vermisst worden.

Während ich also abends noch zwei Stunden Hausarbeiten schrieb, Telefonate mit Kolleginnen führte und Freundinnen aufmunternd zusprach, bahnte sich bereits in meinem Kind ein Sturm an. Niesend und hustend stieg es ins Bett, schlief sogar endlich mal durch. Glückliche Nacht für uns Liebende, denn so konnten wir Zweisamkeit genießen, statt drängelnde Kinderbeine.

Heute Morgen dann der erste Kaffee mit Zimt und ein Kind, welches sich in die Spüle übergab. Einfach so. Mitten ins Glück.

Meine Mutter war nie sehr mütterlich. Als Oma versagt sie zumeist dann ganz. Sie ist extra nach der Geburt meines ersten Kindes aus der Stadt gezogen und ließ mich mit all meiner Verantwortung alleine. Ich habe mich auch bewusst vom Kindsvater getrennt und somit in Kauf genommen alles mehr oder minder alleine zu bewältigen, aber die Steine die da im Weg liegen, sind groß.

Ein Freund der arbeiten muss und nun mal kein Kindsvater ist. Mit allen Gefühlen und der Verpflichtung die es mit sich bringt. Mit allem Mitgefühl, das es braucht. „Bring das Kind doch dennoch in die Kita und schau wie lange es gut geht!“

Diesen Satz hasse ich. Er wird uns Müttern oft gesagt. Meist beugen wir uns dem Druck und geben den Kindern Fiebersaft und hitzige Versprechungen früher von der Arbeit zu kommen.

Im letzten Halbjahr fehlte ich in einem Studiengang ganze 40 Prozent. Zehn zu viel. Da ich 1,0 stehe und auch nachweislich sehr engagiert arbeite, wurde entschieden mich nicht hängen zu lassen. Klar, zwei Kinder und Alleinerziehende. Da muss man auch mal Rücksicht nehmen. Zumal ich für einen sozialen Beruf lerne.

Aber was soll dieser Druck überhaupt? Wir Mütter sollen arbeiten gehen, uns bilden, Geld verdienen und Karrieren machen. Zeitgleich sollen wir dem Land „guten deutschen Nachwuchs“ schaffen, damit andere Länder uns wirtschaftlich nicht überholen oder Migrationsfamilien platt machen. Alles staatliche Ängste, die so blöd wie unnötig sind. Alles irrationale Bedenken, die Mütter unter Druck setzen und Väter noch immer aus der Verantwortung nehmen. Kinder die mit Erkältung zur Kita gehen und alle anstecken, Familien die keine mehr sind, weil alle darauf bedacht sind sich selbst der nächste zu sein.

Ich hatte eine tolle Woche. Bis heute. Heute tröste ich mein Kind und verspreche es nicht krank zur Kita zu schicken. Heute schreibe ich mich krank und hoffe der Rausschmiss lässt sich verzögern. Heute weine ich ins Kissen, weil die Schulter des Mannes lieber vor dem PC arbeitet. Heute ärgere ich mich eine Frau zu sein.

Wieder.

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