INTEGRITÄT

Nicht vielen Menschen gelingt es immer integer zu bleiben. Es ist nur zu menschlich seine Werte und Haltung zu verkaufen, wenn ein gutes Angebot höherwertiger erscheint.

Politik macht es vor, Medien es nach. Eben wurde uns ein Projekt als sozial und menschlich verkauft und im nächsten Moment wird es vom Kapitalismus gefressen.

Auch unbedeutend kleine Menschen können integer sein. Sie haben ebenfalls Werte und handeln danach. Der Spielraum diese Werte auszudehnen, ist natürlich größer und bleibt meist folgenlos. Freundinnen und Kollegen wundern sich nicht seltener als die breite Öffentlichkeit, aber es bliebe am Ende bei einem Gespräch oder einem Stirnrunzeln.

Wer jedoch mit einem Bein in der Öffentlichkeit und dem anderen Bein in seiner kleinen privaten Überlegenheit schwebt, dürfte sich weniger Ausrutscher auf dem Paket erlauben. Da wird jedes Anprangern einer anderen Person mit Argusaugen beobachtet: bleibt die Person denn selbst makellos? Frei von Fehlern? Unantastbar vor dem hohen Gericht des Internets?

Wenn ich mich gegen Diskriminierung und Rassismus ausspreche, dürfte ich beispielsweise meine Prinzipien nicht für einen kurzen Moment der Aufmerksamkeit über Bord werfen. Das große Geld ist nie so viel wert, wie der Verlust meiner Glaubwürdigkeit mich nachher kostet.

Wer sich gezwungen sieht finanziell am Hungertuch die Hand des Teufels zu greifen, kann natürlich weitaus weniger integer sein. Da fehlt es an allen Ecken und Kanten.

Aber genau so funktioniert dieses System. Jemand der wenig hat oder nach einem Mehr trachtet, ist empfänglich für die Verlockungen des anderen. Es würde unter Garantie niemals jemand wahrer Größe und klaren Verstandes etwas verraten, mit dem Wissen diese Würde bliebe unantastbar.

Seine Prinzipien sollte man regelmäßig überprüfen. Bin ich wer ich vorgebe zu sein oder bin ich eigentlich nur wer ich gerne sein möchte? So gerne wären viele Leute taff, klug, weise und Vorbilder. Warum sind sie es dann nicht einfach?

2 Kommentare zu „INTEGRITÄT

  1. Und dabei ist es noch nicht einmal der schnöde Verkauf allein. Ich ertappe mich selbst oft bei weichem Nachgeben, wenn mir jemand nur nett genug anbietet (a la Marx Brothers: wenn ihnen meine Überzeugung nicht gefällt, ich hab auch noch andere), dass es doch auch so oder so sein könnte. Oft genug denke ich dann hinterher wie doof ich eigentlich bin. Oder es geht gar nicht direkt um eine Überzeugung, sondern nur um eine Praktikabilität, die auf den ersten Blick gar nichts damit zu tun hat und schwupps wird das Pferd von hinten aufgezäumt. Bis mans merkt sitzt man verkehrt herum im Sattel. Ich denke, dass das auch beim eigentlichen Verkauf ähnlich abläuft. Kaum ein – schurkischer Lobbyist oder frommer Mafiosi – wird hergehen und sagen: was ist dein Preis? Verkaufe mir deine Überzeugung! Sondern es wird halt eine Einladung geben, auf die Yacht, zur Party, dies und das… und irgendwann stellt X fest, dass er mittendrin im Korruptionssumpf steckt. Soll ich jetzt noch sagen, schade, dass das nie einer bei mir probiert? Nein, ich sags nicht, das Thema ist nicht lustig genug. Aber es wäre ja wahr, es heißt immer: jeder hat seinen Preis. Nicht einfach in €, sondern, geschickt verkauft, siehe oben, läßt sich da doch was machen, aber wir müssen realistisch bleiben usw. (immer die Totschlagargumente, willst du in der Steinzeit leben, es war doch nicht alles schlecht, die Arbeitsplätze…). Und schon hängt der Fisch am Haken.

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    1. Prinzipiell nicht unwahr, aber dennoch unterscheidet sich ein „Die Meinung ändern, weil man über Gesagtes nachgedacht hat“ und einem „Wasser predigen und Wein saufen“. Wie oft habe ich eine Ansicht vertreten und jemand kam und konnte mich (natürlich nicht immer sofort) von einer anderen Sicht auf die Dinge überzeugen? Wichtig hierbei, sich treu zu bleiben bedeutet ja nicht, niemals neue Einsichten zu gewinnen oder sich zu verändern. Authentisch bleiben, sollte man aber schon. Sich nicht verkaufen, auch. Es ist leicht sich verführen zu lassen, aber für’s eigene Gefühl und gesunden Schlaf sicherlich gesünder, Prinzipien treu zu bleiben. Manchmal ist das am Ende des Lebens alles was bleibt. Macht einen Menschen zumindest wertvoller, als alles Geld, alle Preise, alle Macht. Wichtig außerdem: wenn ich mir erlaube mit dem Finger auf andere zu zeigen, wäre es sinnvoll sich selbst zu überprüfen. Fällt nicht leicht, sollte aber selbstverständlich werden.

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