PÄDAGOGISCHE ANSPRÜCHE

Wir lieben unsere Kinder und wollen sie immer auch in sicheren und vertrauensvollen Händen wissen, wenn wir morgens nur Arbeit gehen oder aus unterschiedlichen Gründen nicht ganztags selbst betreuen können.

Was aber, wenn dieses Vertrauen in die andere Person missbraucht wurde? Wenn wir uns nicht mehr wohlfühlen, unsere Kinder zeitweise abzugeben?

Meine fast zwei Jahre Berufserfahrung in einem sozialen und pädagogischen Beruf, haben mir gleich zu Beginn gezeigt, dass wir noch weit weg vom dem sind, was ich mir für die eigenen, aber auch andere Kinder wünsche.

Prinzipiell läuft die Gestaltung eines geregelten Tagesablauf je nach Einrichtung gut. Man könnte sagen es „funktioniert“.

Dabei wird noch immer viel zu oft nach dem „Sauber und Satt-Prinzip“ gehandelt. Alle Kinder werden in eine Einrichtung geladen, dort verköstigt und mit Spielsachen, Lernmaterial und allerlei Firlefanz versucht zu beschäftigen.

Kinder die nicht hören, nicht wollen, nicht können, erfahren besondere Zuwendung. Je nach Möglichkeiten der Einrichtung und Willen der Leitung, wird dann Rücksicht genommen oder eben nicht. Dieses ‚oder aber nicht‘ geht mir immer sehr nahe.

Ich möchte nicht irgendwo arbeiten, wo das Individuum unter Kollektivstrafe steht. Wo eine schlechte Erfahrung gleich ein Arbeitsleben in Gram oder eine Kindheit in Angst und Schrecken bedeuten muss.

Wir sind von der schwarzen Pädagogik eigentlich längst weg und doch zieht sich das unsichtbare Weiße Band noch viel zu oft über die Arme unserer Schützlinge.

Kleinigkeiten bestimmen hier, ob die Pädagogen fähig und gewillt sind oder einfach nur wie Maschinen ihren Job erledigen.

So werden viele Kinder schon gar nicht ernst genommen. Sie werden nichts gefragt, sie werden nicht gehört, sie dürfen ruhig sein und wichtige Instinkte werden dem System untergeordnet. Durfte man eben noch in der Kita klettern und sich verstecken, rennen und toben, wird hier in der Schule alle Bewegungsfreude gebremst und in Form von Schulsport umerzogen.

Sind die Kinder Individualisten bei gleichzeitiger Fähigkeit sich wunderbar unterordnen zu können, wird hier ausschließlich geordnet. Dabei fallen die Wertungen der Pädagogen nicht selten schlechter aus, als das Kind tatsächlich zu sein vermag.

Wer seinen Beruf nicht liebt und das was er tut jeden Tag aufs neue für die Kinder und Jugendlichen macht, wird sich schwer tun ihnen etwas mitzugeben. Natürlich ist der Beruf sehr hart. Es sind die Kolleginnen, die Leitung, die Eltern. Immer wieder scheitert es an Anerkennung und Bezahlung, an Respekt und dem Umgang miteinander. Wer von oben getreten wird, lässt dies nicht selten nach unten raus. Die Kinder sind dann keine gleichwertigen Menschen mehr, sondern degradiert zu Ablassventilen.

Wer seinen Beruf als Möglichkeit erkennt sich immer weiterentwickeln zu können, arbeitet in einem der besten Berufe der Welt. Es ist mehr als nur ein Job, auf den wir gestoßen sind. Es sind viele Leben, Lebenswelten, Gefühle, Gedanken, Prägungen und Wünsche in einem. Ein Universum, tausende Unisversen.

Wer sich dieser Verantwortung weder bewusst noch gewachsen fühlt, hat hier praktisch nichts zu suchen. Die Anerkennung fehlt, ja. Sie beginnt im ersten Schritt aber glaubhaft nur bei einem selbst und für das Kind.

7 Kommentare zu „PÄDAGOGISCHE ANSPRÜCHE

    1. Von dem Autor und seinen Werken nehme ich Abstand. Sicher trifft er hier und da mit messerscharfen Analysen einen Nerv, aber nicht meinen. Die Kinder zu begleiten, ihnen die Autonomie nicht zu nehmen und sie selbstständig sein zu lassen, halte ich für wichtiger als permanent alles für sie zu regeln. Genau da treffen wir dann nämlich später auf unfertige Menschen, sie sich nicht trauen eigene Entscheidungen zu treffen und fern jeder Autorität für sich und ihre Handlungen einzustehen. Wer immer begrenzt wird, bricht eines Tages vermutlich aus. Wer niemals Grenzen (eigene und fremde) kennenlernt, wird unsicher. Es gibt in der Pädagogik kein schwarz und weiß, aber viele bunte Töne und Abstufungen.

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  1. Genau, wie Du sagst, wer niemals Grenzen kennenlernt,… nur das da niemand mehr da ist, der diese aufzeigt – die Kinder sollen sich schließlich entfalten. Aber nur ein trauriges Beispiel aus einer Grundschule in RLP und eines aus NRW. (Die wenige eigene Erfahrung mit diesen Kindern und Aufbewahrungsanstalten)

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    1. In unserer Einrichtung ist es genau andersherum. Alles wird begrenzt und reglementiert. Funktioniert so lange, bis die Kinder anfangen sollen selbstständig zu denken und zu handeln. Da werden sie schnell wackelig und unsicher. Sie können ohne Eltern und Lehrer kaum einen gerade Gedanken formulieren. Bestnoten, auf Leistungen getrimmt, aber die Kreativität und die Autonomie bleiben oft auf der Strecke.

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  2. Das hört sich gut an und ja, die andere Extreme ist es aus Kindern Konformisten zu machen, die brav konsumieren und funktionieren. Mindestens genauso unschön. Bunt und vielfältig ist der Weg, der nur ohne (15.000 glaube ich fehlen) Lehrer kaum gangbar ist. Leider ein Totalversagen der Verantwortlichen. Meine ich.

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  3. Die Planung der zukünftigen Lehrerstellen war immer ein Trauerspiel, all die Jahrzehnte (der Bundesrepublik, über das Davor und was man damals als Lehrer und als Pädagogik ansah lassen wir hier den Vorhang fallen). Außerdem hat Schule die erklärte Absicht, die Kinder auf das Leben als funktionierende Rädchen einer Arbeitswelt vorzubereiten, ständig wird wiederholt, dass Bildung ursprünglicher Prägung kein (teures, zeitintensives) Ziel sein kann – was soll denn ein heutiger Mensch damit schon verdienen, umsetzen, haben im eigentlichen, also materiellen Sinn? Kindertagesstätten sind, was sie heißen. Kinder werden dort über den Tag aufbewahrt, bis sie zu obigem tauglich sind und dann möglichst rasch in eine erwachsene Arbeitswelt überwechseln dürfen. Ein luxuriöser, personalintensiver pädagogischer Anspruch stört. Allein schon, weil er kostet. Der traditionelle Kindergarten (der ebenso traditionell nicht davon ausging, dass Eltern grundsätzlich und Vollzeit berufstätig sind) war oft etwas anders.
    Trotzdem brauchen wir wohl keine Autoren aus der rechten Ecke, die uns das erläutern, denn dann müßten wir wohl über die dort gewünschte und in vielen Ecken der Welt auch weiter geübte und gewaltgeprägte Pädagogik sprechen. Warum etwas, und es gibt vieles, das nicht besonders gut läuft, das verbesserungswürdig ist, ganz kaputtmachen?
    Nein, es müßte wie von der Autorin gemeint verstärkt das Bedürfnis der Kinder jeden Alters gesehen werden. Und dabei vor allem nicht nur die, die schön funktionieren oder auch die, die arge Störenfriede sind beachten, sondern auch die Stillen, die sonst verloren gehen.

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    1. Danke. Text verstanden und sehr viel wahres geschrieben. Ich freue mich immer, wenn es Menschen gibt die Kinder und Jugendliche nicht als Ware und Wirtschaftskraft begreifen, sondern in erster Linie erfassen, worauf der Fokus sich setzen sollte. Es fragen sich immer noch zu wenig Menschen, wieso es Generation um Generation zu Konflikten kommen kann. Arno Gruen ist meiner Meinung nach neben Alice Miller ein fähiger Autor, den man lesen sollte. Beide beschreiben ganz treffend, wie sich andauernder Gehorsam und Druck auf die nächste Generation auswirken. Was wir beigebracht bekamen, setzt sich nun mal oft fort. Die einen finden das zurecht beängstigend, die anderen fühlen sich in ihren Mustern wohl. Was bekannt ist, kann so falsch nicht sein (so scheinbar das Motto).

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