GEWALTIGE ERFAHRUNG

Als Kind aus einer gewalttätigen Familie oder sagen wir, als Kind über Jahre mit Gewalt großgezogen worden, weiß ich noch schmerzlich genau, wieso sich Gewalt niemals nur über den Zeitraum der Vollziehung erstreckt.

Wer als Kind Gewalt erfuhr, neigt den diversen Statistiken zu Folge häufiger dazu, später selbst an eigenen Kindern oder in der Partnerschaft Gewalt anzuwenden. Wenn nicht körperlich, dann oft psychisch. Aus Opfern können Täterinnen werden und Spiralen drehen sich weiter.

Wer seinen Kindern eine gewaltvolle Kindheit bereitet und sei es nur, indem sie beobachten, wie die Eltern sich mittels Gewalt in Konfliktparaden verstricken, lehrt sie eine Menge über Menschen.

Zunächst einmal geht das frühkindliche Urvertrauen flöten, so es denn in den ersten Jahren permanent erlebt, wie Eltern sich peinigen, anschreien oder sogar schlagen. Die ständige Ausschüttung von Stresshormonen führt nicht selten bei Kindern zu Panikattacken im Jugendalter. Manches Kind weiß dann schon gar nichts mehr von der eigentlichen Tat. Kinder lernen prinzipiell immer wer Täter und wer Opfer war – und das völlig falsch.

Sehen sie in den Eltern eigentlich nie die Bösen oder die die falsch liegen, erkennen sie in sich große Anteile an all der Wut, Ohnmacht und dem Kummer. Kinder nehmen sich der Aufgaben an, die eigentlich die Erwachsenen übernehmen müssten.

Kinder können hierbei Stellvertreter ihrer Eltern werden. Sie trösten, pflegen, heilen und übernehmen die Pflichten der Erwachsenen. Kinder alleinerziehender Eltern sind nicht selten sehr viel verantwortungsvoller als gleichaltrige Kinder, die bei beiden Elternteilen groß werden. So verhält es sich auch in Haushalten mit Gewalt. In einer Mischung aus unbegreiflicher Loyalität und Liebe, richten die Kinder ihre Angst niemals gegen die Eltern, den Angreifer oder Verursacher ihrer Sorgen, sondern stets nach innen. Wer ein sehr ruhiges Kind hat, weiß es frisst sich allen Kummer hinein. Je lauter und drängender der Schmerz nach außen gebrüllt wird, umso schneller eilt Hilfe herbei. Aber nicht jedes Kind will aus seiner misslichen Lage befreit werden. Je älter die Kinder sind, umso klarer erkennen sie, wem sie sich anvertrauen, der ist zur Hilfe verpflichtet. Jede Hilfe bedeutet aber auch Veränderung und nicht jede Veränderung ist vom Kind gewünscht.

Kinder wollen bei ihren Eltern bleiben, sind diese auch noch so grausam. Diese Macht und Verantwortung über ein Menschenleben, führt nicht selten zu Missbrauch. Kinder können einfach nicht raus, weg oder fort. Aus eigener Kraft schaffen es die wenigsten.

Darum ist es an uns als Gesellschaft die Augen offen zu halten und zu helfen. Nicht mit Zwang und Druck, sondern an den Bedürfnissen der Kinder orientiert. Es ist an uns zu erkennen, dass nur eine gute Hilfe eine sinnvolle Hilfe ist. Eine Zukunft für weitere Generationen geprägt wird im hier und jetzt.

Kinder sind Menschen die weniger Erfahrungen haben. So manchem Kind wünschte ich, es hätte noch weniger Erfahrungen machen müssen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s