IN MEINER BLASE

Immer wieder höre oder lese ich von Menschen, dass angeblich zu wenig über dieses oder zu viel über jenes Thema geschrieben und gesprochen würde. Je nachdem, denke ich dann.

So spült mir mein Smartphone in aller Regelmäßigkeit über die Google-Ergebnisse News zu Themen Pädagogik, Promitratsch, neueste wissenschaftliche Erkenntnisse, etwas medizinisches Fachwissen, aber auch viele Horrornachrichten und Glückshoroskope rein. Mein Spam-Filter versagt ebenfalls in aller Regel, sodass ich mich vor Tena Lady Angeboten, Seniorendates und Kreditanfragen nicht retten kann. Mein Anbieter hält mich scheinbar für eine alte Rentnerin, weil ich so oft Krankheiten google oder in Wissenschaftsmagazinen lese. Außerdem hat er begriffen, dass ich arm bin. Feine Sache.

Der Trend meiner Twitterblase ist auch immer ziemlich eindeutig ausgefallen: Alleinerziehende, PädagogInnen und ein bisschen Popkultur (von Bowie, über Sitcoms und nerdigen Simpsonszitaten). Politik findet sich sowieso immer wieder und die ist links gerichtet, gilt als gutmenschlich und Öko. All das macht einen Bruchteil meiner Welt aus. All das beschäftigt mich und ich streue gezielt ungezielt meine Bedürfnisse unter die Onlineseiten, weshalb ich brav tagtäglich mit Neuigkeiten versorgt werde. Manchmal wird es mir zu viel. Manchmal sehne ich mich nach mehr.

So ist es für mich nicht unverständlich, dass ich wenig bis gar keine Berichte aus dem rechten Spektrum lese. Nur aus Sicht der anderen. Ich bekomme stattdessen leider viel zu häufig die undankbare Seite meines Berufes zu spüren: zu wenig Gelder, Gräueltaten an Kindern und Jugendlichen und ein überlastetes Sozialsystem. Wäre ich eine Tierpflegerin, würde ich vermutlich die neuesten Ergebnisse der Forschung, die Geburtenrate der Eisbären in europäischen Zoos oder Werbung für matschdichte Gummistiefel erhalten. Je nachdem also, wo ich mich aufhalte, womit ich mich beschäftigt habe und mit wem ich in Kontakt trete, wird mein Filter online anschlagen.

Wenn ich mich also über die mir angezeigten Inhalte ärgere, sollte mir klar sein, ich trage dafür maßgeblich die Verantwortung. Je interessierter ich an der Welt bin, umso bunter die Übersicht. Mode, Musik, Politik in alle Richtungen, Wirtschaft, Reisen, Rezepte oder Marslandungen. Alles wäre möglich.

Auch die Menschen mit denen ich mich abgeben möchte, orientieren sich maßgeblich an mir. Meinen Vorlieben, meinen Inhalten. Ich kann zehn Berichte über das alleine Erziehen schreiben und darf mich nicht wundern, wieso meine Followerinnen allesamt Frauen sind. Ich kann auch Fotos meiner Beine oder meines Schmollmundes posten und erhalte dann entsprechend Feedback. Je ambivalenter meine Außendarstellung, umso vielseitiger meine Rückkopplung.

Das tolle an der Vielseitigkeit: es gibt mir die Möglichkeit mich in allen Bereichen auszukennen. Mir tatsächlich eine Meinung zu machen. Mich mit der Welt und nicht nur meiner Komfortzone auseinander zu setzen. Nicht immer verstehe ich nämlich alle Zusammenhänge. Die Chance etwas über technische Errungenschaften zu lernen und zu sehen wie andere Menschen auf diesem Planeten über Fortschritte, Nachhaltigkeit oder Feminismus denken, ist wahnsinnig erhellend.

Also, lasst die Blasen platzen!

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