DAS ERBE MEINER OMA

Schon heute spüre ich ein Erbe, welches nicht durch Geld oder Vermögen aufzuwiegen wäre. Obwohl ich das große Glück einer fast noch vollständigen Familie besitze, habe ich bereits etwas sehr deutlich von Oma geerbt:

Mein Hummel-Wesen.

Was ist ein „Hummel-Wesen“,fragen sich wohlmöglich die, die eben keine Hummelgene in sich tragen. Die anderen nicken aber bestimmt mit dem Kopf. Und zwar eifrig. Denn langsam oder gar müßig geht bei uns gar nicht.

Meine Tage beginnen immer sehr zeitig. Ich bin Frühaufsteherin. Da wird geblinzelt und Schwung geholt – Zack – ich bin wach!

Wer mich zur Partnerin hat, darf kein Morgenuffel sein. Ich mache Kaffee, gehe duschen, bin bereit für den Tag. Arbeiten am liebsten ganz zeitig und am Sonntag ein Ausflug bereits ab neun? Ich bin dabei!

Als ich mich eben aufs Sofa setzte, war der Kuchen den ich mit den Kids gebacken hatte, gerade fertig. Während er vor sich hin stand, konnte ich nicht einmal stillsitzen. Stattdessen wurde die Wohnung schnell gewischt und der Abwasch gemacht. Die Kinder liegen mit ihren Butterbroten und Melone nebenan und schauen genüsslich-entspannt einen Trickfilm, aber Mama ist noch nicht müde. Diese Unruhe habe ich definitiv von meiner Oma väterlicherseits. Meine Mutter ist sehr bequem. Sie kann den ganzen Tag nach oder vor der Arbeit rumliegen. Mein Vater ist zwar fleißig auf der Arbeit, aber am Wochenende lässt er es sich bei Pizza im Bett gut gehen.

So bin ich nicht. Nie gewesen. Als Teenager hatte ich eine Phase die man als faul bezeichnen könnte. Alles danach war die pure Lebenslust.

Ich bin Alleinerziehende, aber nehme gerne die Freunde meiner Kinder nach der Kita mit auf den Spielplatz. Zum einen, weil es so dankbar ist nicht selbst spielen zu müssen und zum anderen, weil ich die Energie noch habe und andere Eltern gerne entlaste. Manchmal gibt es ja sogar etwas zurück. Mindestens glückliche Kinderaugen.

Während ich meine Kinder abhole, überlege ich immer noch einkaufen zu gehen. Heute habe ich sogar mal 30 Kleinigkeiten für eine Freundin und ihren runden Geburtstag besorgt. Das war für mich ein Fest. Noch schöner das verpacken in alte Servietten (Ökobewusstsein oder so) und dabei zu träumen, ob und wie sie sich freuen würde. Übermorgen gibt es diesen Weinabend, den ich mit Freundinnen auf meinem Hof arrangieren konnte. Wir sitzen um die Kinder herum und lästern über Männer und Jobs.

Versteht mich nicht falsch. Ich brauche auch viel Erholung. Netflixabende sind bei mir häufig. Ich kann mich nur noch schwer auf Bücher konzentrieren, weil ich nebenbei lieber Sport mache oder Hausaufgaben schreiben muss. Heute würde man meiner Oma und mir vielleicht eine Form der ADHS unterstellen, aber eigentlich sind wir nur einfach gerne lebendig.

Sie ist bald 75 und arbeitet selbstständig als Malerin. Sie ist das ganze Jahr auf Achse und sobald sie pausieren muss, nimmt sie sich Zeit für ihre Krankheiten und Sorgen. Dazwischen wird gereist, gearbeitet und gemalt. Sie ist herzlich und fröhlich, unglaublich empathisch und für ihr Alter sehr jung geblieben. So ein Erbe trete ich tausend Mal lieber an, als alles Geld der Welt zu erhalten.

Am schönsten für mich vielleicht, einen Partner gefunden zu haben, mit dem ich diese Eigenschaften teile. Jemand der früh wach wird. Jemand der sich einen Wagen leiht und uns aufs Land fährt. Jemand der gerne neue Restaurants besucht und endlos lange Spaziergänge mag. Jemand der morgens mit uns zu einem Basketballspiel, Skateboard fahren und Burger essen geht und nachmittags noch Energie hat, um im See mit den Kindern zu toben.

Es ist ein schönes Erbe. Ein Sack voller Energie und Freude. Streckenweise etwas anstrengender und teurer dann, wenn ich die spontane Idee habe tatsächlich mal zu reisen. Disneyland oder Schweden. Mit mir und meiner Oma ist es nicht langweilig. Wir sind geboren, um zu leben.

Danke Oma!

2 Kommentare zu „DAS ERBE MEINER OMA

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